IF

gastbeitrag: social media auf argentinisch. eine kontaktsportart mit potential [part1]

Eigentlich ist es nicht leicht, Argentinien und seinen Fußball zu verstehen. Schönheit und Chaos, Leidenschaft und Optimismus wechseln sich ab im Takt, den die Megametropole Buenos Aires dem Land aufsetzt. Fußball in Argentinien kann man erst begreifen, wenn man ihn mit Haut und Haaren im Stadion erlebt hat: Er ist faszinierend, abschreckend, vergöttert und gehasst. Seine Fans sind Spiegel einer Gesellschaft, die zwischen Atlantikküste und den Anden zu Hause ist. In Europa spielen Facebook, Twitter oder Youtube für das Marketing im Profifußball eine immer größere Rolle. Bekannt kommunikationsfreudig geben sich die Bewohner Südamerikas, Fußball spielen können sie allemal. Mit dem Beginn der Rückrundenmeisterschaft „Torneo Clausura 2012“ im Fußballland Argentinien untersuche ich den Einsatz von Facebook und Co. zur Unterstützung der Vermarktung in der Primera Division in Argentinien.

Fußball und Social Media

Südamerikanische Länder gehören zu den Regionen der Welt, bei denen soziale Netzwerke mit offenen Armen empfangen und schnell von einer breiten Anwendergruppe genutzt wurden. Der argentinische Superlativismus ist daher nicht nur auf Fleisch, Frauen oder breite Straßen anwendbar – genauso zählt das für Internetaktivitäten. Im weltweiten Vergleich liegt das Land in der monatlichen Onlinenutzung von Facebook mit 8,8 Stunden nur hinter Israel, wo die Nutzer ganze 10,6 Stunden daueronline sind.

Was daher sehr erstaunt, ist der Blick auf den Web-Auftritt vieler Fußballclubs in der ersten Liga. Von insgesamt 20 Clubs der Primera Division haben bislang 14 eine offizielle Facebook Fanpage. 80 Prozent der Clubs haben einen eigenen Twitteraccount. Offizielle Seiten auf Google+ (nur Boca Juniors) oder Youtube-Kanäle (50% aller Teams) bilden hier eher Ausnahme anstatt Regel. Und das, obwohl soziale Netzwerke einer der Keydriver für die PC-Nutzung im Land der Gauchos sind. Laut einer Untersuchung von ComScore ist Argentinien das 13. größte Facebook-Land mit ca. 12,3 Mio. Nutzern (37 % der Bevölkerung). Knapp 30% der täglichen PC-Nutzung werden für soziale Medien verwendet. Gefolgt als Social Networking Site wird Facebook (Reichweite: 92,7%) von Windows Live (2.973.000, 22,7%), Twitter (2.354.000, 17,7%), Fotolog (1.579.000, 11,9 %) und LinkedIn (1.150.000, 8,7%).

In 19 Partien wird der Meister der Rückrunde in Argentinien ermittelt. Würde man einen Champion in der digitalen Welt küren, so stünde er bereits schon vor der Saison fest. Eindeutig sticht die Facebookseite der Boca Juniors von all den anderen Clubs hervor. Knapp 3,2 Mio. Fans hat die Seite aus dem gleichnamigen Stadtteil. Gefolgt wird die Seite von Racing Club – weit abgeschlagen mit 154.000 Fans. Laut Famecount liegt Boca Juniors damit in Argentinien auf Platz zwei im Facebookranking. Besser ist nur Lionel Messi. Dem Rosarino folgen knapp 32. Mio Fans. Ähnliches spielt sich auf Twitter ab: Auf Boca Juniors (147.000) folgt Racing mit 33.500 Followern.

Warum die Zahlen so eindeutig sind, wird bei einem Blick auf diverse Fanstudien deutlich: Trotz der immensen Ausdehnung des Landes spielt sich das eigentliche Fußballgeschehen sehr zentral ab. In der Metropolregion Buenos Aires mit knapp 14 Millionen Einwohnern, gespalten zwischen den Anhängern der „Xeneizes“ und den „Millionarios“. „Xeneizes“ nennen sich die Fans des wohl bekanntesten Clubs Boca Juniors des ärmlicheren Stadtteils im Süden der Hauptstadt. Der Club sieht rund 40 Prozent aller argentinischen Fußballfans auf seiner Seite. Dagegen stehen die „Millionarios“ des im Norden der Metropole beheimateten Clubs River Plate. Trotz des Abstiegs in die zweite Liga stehen knapp 32 Prozent aller Fans zu dem Team. Die verbleibenden Clubs teilen sich den mageren ausfallenden Anteil untereinander auf.
Marcel KapuschowskiÜber: Marcel Kapuschowski:

Marcel Kapuschowski ist studierter Sportmanager. Zu seinem Portfolio zählen unter anderem Vermarktungsprojekte für die Porsche AG, den Deutschen Fußball-Bund oder den Landessportbund Thüringen. Im Rahmen des Masterstudiums „International Management“ studierte er an der renommierten Universidad Argentina de la Empresa in Buenos Aires und befasste sich unter anderem mit strategischem Management und Außenhandel in Argentinien.

About these ads

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s