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gastbeitrag: wie zdf und ard eine große chance verspielen.

So gut ich das Beispiel mit ZDFonline bei Twitter fand (Fans gründeten einen Twitter Account welcher wenig später vom ZDF übernommen wurde samt den Gründern), so merkwürdig finde ich die Nutzung der Social Media Kanäle am Sportwochenende bei den Öffentlich-Rechtlichen. Ich habe gestern versucht den Wintersporttag auf ZDF zu verfolgen. Nach wenigen Minuten fragte ich mich allerdings, wo die Moderne in diesem Fall geblieben ist.

Beide Sender – ARD und ZDF – haben großartige Quoten und bespielen fast 20 Stunden am Wochenende mit Sport aber an keiner Stelle wird der Zuschauer mit einbezogen. Beide Sender verfügen über hochfrequentierte Kanäle bei Twitter sowie bei Facebook aber es findet keinerlei Vernetzung zwischen On Air und Online statt. Lediglich der Hinweis auf die jeweilige Sportabteilungen auf den Homepages wird ab und zu eingeblendet.

Warum ist das so?

Wurde der Sinn und Zweck noch nicht erkannt? Das kann ich mir nicht vorstellen. In vielen anderen Bereichen – vor allem im Rahmen von Sendungen wie neoParadise oder Gottschalk live – wird zumindest versucht Fans und Follower einzubeziehen. Oder aber die Zuschauer werden darauf aufmerksam gemacht. Warum dann nicht auch im Sport? Kein anderer Bereich bietet derart viele Möglichkeiten Menschen zu aktivieren und sie mit in ein Thema einzubeziehen.

Haben die Sender Angst ihre Hauptzielgruppe (unterstelle: 35+) mit Facebook und Twitter zu vergraulen / überfordern? Wird bei den Sendern immernoch strikt getrennt zwischen Online und On Air?

Sicherlich sind jeweils andere Zielgruppen vor den Bildschirmen. Aber warum sie nicht verknüpfen? Warum nicht von einander profitieren lasen? Synergien für sich und die eigenen Zuschauer schaffen.

Wenn ich unterwegs bin, freu ich mich über die gute Berichterstattung der Sender bei Twitter oder Facebook. Ergänzt durch einen guten Live-Ticker ist es fast als ob man live dabei ist.

Wenn ich vor dem TV sitze und Biathlon schaue, fehlt mir jedoch einiges. So gut auch die Moderatoren und Kommentatoren sind: Zusatzinformationen können sie mir nicht bieten. In den Dialog mit mir können sie nicht treten – wollen sie vielleicht bzw. sicherlich auch nicht. Aber ich möchte in der heutigen Zeit gerne nicht nur als Rezipient wahrgenommen werden.

Es gäbe so viele Möglichkeiten. Der Super Bowl war ein Paradebeispiel. Zudem ein Beispiel, wo und in welcher Richtung sich der deutsche Fernsehmarkt noch hin entwickeln kann / wird.

ARD und ZDF haben die Möglichkeiten Vorreiter zu sein. Gute internationale Vorreiter gibt es, bei denen man sich das eine oder andere sicherlich gut abschauen könnte. Unternehmen zeigen im Rahmen ihrer Sponsorships auf welch spielerische Art und Weise Fans, Kunden und Zuschauer miteinbezogen werden können und gleichzeitig dadurch auch ein Mehrwert für alle generiert werden kann (z.b. Heineken Star Player).

Und wenn es erstmal nur das Vorlesen oder Beantworten von Posts oder Tweets live auf Sendung wäre. (Winter-) Sport – und das sage ich aus eigener Erfahrung – wird von vielen sportverrückten Menschen am Wochenende oftmals nebenbei geschaut. Auf dem Rechner / PC / Laptop bewegt man sich online. Durch die Verknüpfung beider Seiten durch die Sender kann die Aufmerksamkeit auch wieder auf den On Air Bereich geleitet werden ohne das der Zuschauer auf “sein Netz” verzichten muss. Dialog und Interaktion führt nicht nur zu mehr Fans und Followern, sondern kann auch zu mehr und zufriedeneren Zuschauern führen.

Der Mehraufwand für die Sender muss dabei nicht all zu hoch sein. Gute Social Media Bereiche bestehen bereits meistens schon und die Zuschauer – egal wie alt – sind für Ergänzungen und Neuerungen sicherlich aufgeschlossen. Wenn ich mehr wissen, erleben, mitbekommen kann, dann steigert das mein Interesse und bindet mich mehr und mehr an das jeweilige Produkt – hier eben die Wintersportübertragung.

Für diesen Winter ist es sicherlich schon recht spät. Aber mit Hinblick auf die EM in Polen und der Ukraine und vor allem auf die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele in London erwarte ich mir in dem Bereich einiges. Auch wenn hier und da das twittern, facebooken und bloggen untersagt ist, können im Rahmen der Berichterstattung sicherlich viele Dinge erweitern und verknüpfen.

Wieviele Zuschauer, die nicht regelmäßig online unterwegs sind, wissen denn schon, was der Twitter-Kanal vom ZDF oder die Facebook-Seite der ARD alles an zusätzlichen Informationen bietet? Wer von den “immer online seienden” weiß eigentlich von den hervorragenden Hintergrundberichten über Athleten, Wettkämpfe und Austragungsorte im TV Bescheid? Vernetzen, verknüpfen, von einander profitieren, die Stärken des einen mit den Stärken des anderen Mediums ergänzen. Die Felder sind bestellt. Die Möglichkeiten sind vorhanden – technisch, inhaltlich und finanziell. Für modernes, aufgeschlossenes Gebührenfernsehen zahle ich gerne. Ich möchte abgeholt werden – Online und On Air. Es war nie so einfach so viele Menschen zu erreichen, zu begeistern, zu binden.

Liebe ARD, liebes ZDF: Nutzt eure Möglichkeiten – sinnvoll. Das Publikum was ihr jetzt nicht ansprecht, was jetzt nicht auf euch aufmerksam wird, fehlt euch in einigen Jahren. Mit euren digitalen Sendern, euren Social Media Angeboten habt ihr meiner Meinung nach schon viel geschafft. Die Ideen sind sozusagen schon im eigenen Haus. Jetzt einfach transferieren in die Hauptsender, vor allem in eure Sportübertragungen. Wir werden es euch danken!

PS: und wenn es doch am Geld scheitern sollte: ich wüsste einige Bereiche / Sendungen, bei denen Einsparpotential vorhanden ist…

Bilder: Flickr.com / Danny Sotzny & Twitter / @ZDFSport

Cornelius Minack

Über: Cornelius Minack (Projektassistent bei akzio! gmbh in München). Sport Musik Menschen begeistert. Interessierter Beobachter der Medien-, Werbe- und Social Media Welt Etwas-Bewegen-Woller. Ausbildung und Jobeinstieg beim DOSB (2005-2008), Studium Sportmanagement in Salzgitter (2008-2011), Gründungsmitglied des ImPuls – Studentische Sportberatung e.V. Auslandssemester in Port Elisabeth, Südafrika (2010). Praxissemester bei der Bewerbungsgesellschaft München 2018 (2011) Bachelorarbeit über Sponsoring als Instrument der integrierten Unternehmenskommunikation (2011). Links: Twitter | Xing | Blog

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5 Gedanken zu “gastbeitrag: wie zdf und ard eine große chance verspielen.

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  2. Der Beitrag spricht mir aus der Seele. Nach 6 Stunden Wintersport wirken selbst die Moderatoren im Studio immer ein wenig schläfrig. Ich habe mir schon vor einigen Tagen in “Data Sports” (http://bit.ly/ADv0rj) Gedanken dazu gemacht, wie TV-Übertragungen noch aufgepeppt werden können. Eine Einbeziehung von Social Media und noch mehr Daten wäre sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung.

  3. Der Schwerpunkt des Artikels liegt leider auf dem Jammern/Beschweren, dabei hätte man sicher einige spannende Vorschläge, Ideen und Ansätze länger ausführen können. Ich denke, dass gerade Sportarten wie Biathlon besonders für interaktive Elemente geeignet sind, denn sie enthalten ja durchaus Längen, die überbrückt werden müssen!

    • Servus Lars. In dem Beitrag ging es vornehmlich um die Bestandsaufnahme – da gehört Stand jetzt vielleicht auch ein wenig Jammern / Beschweren dazu.
      Konkrete Ideen wollte ich in dem Beitrag noch gar nicht benennen – das hätte auch den Rahmen des Gastbeitrags gesprengt.
      Potentiale gibt es auf jeden Fall – da hast du vollkommen Recht. In der Ergänzung zu dem Beitrag (in meinem Blog nachzulesen) kann man auch sehen, dass das ZDF schon mal in die richtige Richtung geht – Thema #berlindirekt.
      So oder so: Danke fürs Feedback – auch an “Der Medienlotse”

  4. Kürzlich machte ja Christian Spiller den Sehtest 15 Stunden ZDF Wintersport am Wochenende und berichtete bei Zeit Online über seine Erfahrungen. Er schaute dabei zwischendurch auch auf facebook. Die Bilanz fiel ernüchternd aus.

    http://www.zeit.de/sport/2012-01/wintersport-marathon-zdf-tv

    Dabei bin ich mir gar nicht so sicher ob diese geballte Sendewut an TV-Wintersportübertragungen überhaupt aufgepeppt werden sollte. Weniger ist entschieden mehr.

    Hand aufs Herz wer ist wirklich mit ganzen Herzen bei einer Sportart wie Skilanglauf mit einem Gewehr auf dem Rücken?

    Bei den olympischen Winterspielen 1976 in Innsbruck nahm ich den Wintersport medial das erste mal voll auf. Damals war Frauenbiathlon noch gar nicht im Programm der Spiele. Zum Beispiel.

    Bei meinen Eltern (zu ihren Lebzeiten) lief oft das volle Wintersportprogramm nebenbei. Mein Vater kochte derweil in der Küche, meine Mutter machte hin und wieder auch einen gemütlichen Mittagsschlaf auf der Coach. Der Fernseher lief einfach.

    Ich selber mag den Fernseher als Nebenbeiberieselung nicht.

    Solange die Quoten bei ARD und ZDF mit ihrem Wintersportprogramm per Mattscheibe funktionieren ist auch kein Leidensdruck vorhanden ernsthaft an strategischen Puzzleteilen einer Verknüpfung von twitter, facebook, pinterest, deutschen Sportbloggern etc. zu basteln.

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