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die vier am eck – gedanken zu social media und sport #21

Ist es die Angst die uns vorantreibt? Ist es vielleicht nur Gier? Ich kann euch sagen für den heutigen Tag gilt: Weder noch! Zumindest hier. Uns ist eine Premiere geglückt und das gilt es entsprechend zu feiern. Anika Geisel bloggt mit uns fröhlich im Kreise der vier am eck. Deshalb hoch die Tassen, hoch das Glas und ab geht´s.

Die Idee hinter „die vier am eck“ ist relativ einfach und bleibt dennoch gleich: Jede Woche setzen sich vier von uns Verrückten zusammen und diskutieren eine These zu Social Media und Sport (und darüber hinaus).

These: Wer als Sportler, Verein oder Institution jetzt nicht mitmischt, kriegt nichts mehr vom Kuchen ab.

Anika sagt…: Es ist genug für alle da!

Aber es wird sicher nicht einfacher. Wer als Verein oder Sportler heute noch nicht den Wert von Social Media begriffen hat, hat den Schnellzug verpasst. Und wird es schwerer haben, auf den Online-Zug aufzuspringen. Doch fehlt bei vielen erst einmal die Einsicht: So sagt ein digitaler Abstinenzler wie Sebastian Vettel der BILD: „Ich bin nicht bei Facebook oder Twitter aktiv. Mir gefällt es besser, wenn ich persönlich mit den Fans in Kontakt treten kann, zum Beispiel bei meinen Autogrammstunden“. Das mag ja zunächst ein vernünftiger Ansatz zu sein. Doch ich frage mich: Wie viele Personen bekommen wirklich die Gelegenheit, den Formel 1-Weltmeister bei einer Autogrammstunde zu sehen? Und wie viele könnte er beispielsweise zusätzlich durch ein an seine Fans gerichtetes YouTube-Video beglücken?

Wer erst einmal die Vorteile von Social Media für die Fanbeziehung verstanden hat, kann sich in meinen Augen erfolgreich auf den Weg machen. Und dann geht es nicht wirklich darum, möglichst viel vom Kuchen abzubekommen. Weniger ist manchmal mehr. Viel wichtiger ist es nämlich, die eigenen Fans mit dem Angebot zu erreichen – und möglichst authentisch den Dialog zu suchen, Fragen zu beantworten und die eigenen Fans wertzuschätzen. Denn was wäre man ohne sie?

Georg sagt…: Zu lange zuschauen kostet Chancen

Jeder kennt das alte Sprichwort “Wer zuerst kommt, mahlt zuerst”. Das trifft auf viele Dinge zu, allen voran auch bei Entwicklungen im Internet. Jeder will was vom großen Kuchen abhaben. Allerorts versucht man mit geschicktem SEO oder Werbeeinschaltungen seinen Content in den Suchergebnissen nach vorne zu ballern.
Längst vorbei sind die Zeiten, in denen es nur um Suchergebnisse ging. In den sozialen Netzwerken geht es um Aufmerksamkeit. Jede Fanseite, jeder Twitteruser kämpft um die Aufmerksamkeit der Leser. Schließlich will man ja gelesen werden.

So müssen sich auch Sportler tummeln, wenn sie nicht durch die Röhre schauen wollen und noch ein paar Likes und Kommentare abbekommen möchten.
Ganz so schlimm ist es nicht, dennoch gilt: zu lange zuschauen kostet Chancen. Und Chancen sind nur Möglichkeiten. Mö-glich-keiten, noch nix fixes, noch nix erreichtes.
Denn: Nehmen wir an, ein berühmter Sportler nutzt weder Twitter, Facebook noch sonst was. Er wird in einer Diskussionsrunde gefragt, warum er das nicht nutzt. Seine Antwort? Er will nicht bekannt geben, wo er gerade zu Mittag isst und welchen Film er sich ansieht. Nun ja, muss er auch nicht – aber er KÖNNTE. Und er kann auch noch genug anderes kommunizieren, das nicht so privat ist. Wichtig ist dabei, dass er die Chance außer Acht lässt, direkt mit seinen Fans zu kommunizieren und ihnen ein bisschen Infos zukommen lässt, die die Fans wie einen Bissen Brot begehren. Andere machen das und sammeln Sympathien. Unser berühmter Sportler nicht.

Worauf also warten?

Hauke sagt…: Hier verschwindet kein Sportler oder Club plötzlich von der Bildfläche, nur weil er keine Facebook Page besitzt.

Beim Lesen der einundzwanzigsten These schoss mir sofort ein Artikel mit dem schönen Titel “Being First Versus Being Best” durch den Kopf. Mitgenommen aus jenem Artikel habe ich den durchaus nachvollziehbaren Standpunkt, dass es nichts bringt, erster zu sein, wenn jemand anderes die gleiche Sache zwar später, dafür aber deutlich besser macht. Klar, einem Tech-Startup kann es passieren, dass sich einer der renommierten Dienste eine deiner guten Ideen schnappt und diese in seiner bereits marktführenden Leistung implementiert. Wir beschäftigen uns hier thematisch allerdings primär mit den Auswirkungen auf die Sportbranche. Hier verschwindet kein Sportler oder Club plötzlich von der Bildfläche, nur weil er keine Facebook Page besitzt. Die sportliche Leistung bleibt stets die Grundlage.

Im Bereich der Kommunikation im Social Web bleibt der Kuchen für Sportler und Clubs riesig genug, da die Möglichkeiten lange nicht ausgeschöpft sind. Wer kreativ ist, den Nutzen für die eigenen Fans im Fokus behält und die Möglichkeiten des Social Web möglichst unbeeindruckt von den Maßnahmen der Konkurrenz betrachtet wird erfolgreich sein. Es gibt drei Vorgehensweisen, von denen ich einzig Nummer drei für die richtige halte:

1. Der ewige Erste
Im Social Web gibt es definitiv zu viele “Erster!”-Schreier, die sich damit rühmen, bereits lange vor anderen dabei gewesen zu sein. Nur bringt es ihnen wenig. Erstens: Das Social Web ist noch immer verdammt jung. Erfahrungs- und vor allem Wissensvorsprünge können schnell wie nie zuvor aufgeholt werden. Zweitens: Die verschiedenen Dienste und Plattformen erfinden sich stets neu, kommen oder gehen. Voraussetzungen ändern sich stetig und Wissen verliert schnell an Wert.

2. Der Kopierer
Neben den “Ersten” gibt es die reinen Kopierer. Sobald eine innovative Maßnahme gefällt, wird diese im Irrglauben, sonst nichts mehr vom Kuchen abzubekommen, stumpf kopiert. Nicht selten fällt das Ergebnis qualitativ sogar schlechter aus. Diese reinen me-too-Aktionen führen bei der Zielgruppe langfristig zu Langeweile und somit zu mäßigem Erfolg.

3. Der Beste
Was wir im Bereich Sport und Social Media benötigen sind Menschen, die generelle Funktionsweisen des Social Web verstehen und aus diesem Wissen resultierend maßgeschneiderte, neue, bessere, alternative Varianten für die Fans des eigenen Sportlers bzw. Clubs entwickeln können. Voraussetzungen sind gesunder Menschenverstand, Offenheit Neuem gegenüber und eine gewisse Gelassenheit gegenüber technischen Veränderungen – Wissen, dass sich in den kommenden Jahren noch so einiges tun wird und ein Vertrauen darauf, jederzeit dazu fähig zu sein, etwas Besseres zu entwickeln.

Daniel sagt …: Die Vereine machen so lange Social-Media-Diät bis sie über Hunger klagen.

Okay, ein kleiner Social-Media-Exkurs: Facebook gibt es seit 2004, in Deutschland angekommen ist es etwa 2007/08. Twitter erfreut uns seit 2006 und hat Deutschland etwa 2008 erreicht. Google+ ist seit Sommer letzten Jahres dabei. Blogs und Foren … du meine Güte, die gibt es schon so lange, da hieß das oft gepriesene Social Web noch Web 2.0 oder einfach nur Internet und kroch in schrill tönenden Modems durch die Leitungen.

Nur um das festzuhalten: Wir sprechen hier von massenrelevanten Techniken, die uns schon eine ganze Weile begleiten und unser Bewusstsein für Medien, Nachricht und Information weitreichend beeinflussen oder auch schon komplett verändert haben. Und trotzdem wurden und werden sie (Social Media) von vielen Vereinen noch nicht entsprechend eingeordnet, während die Klubanhänger schon viel weiter da aufgeschlossener sind. Natürlich könnte nun die Frage gestellt werden, warum die Vereine sich gegenüber dem Medium Internet/Social Web so sträuben.

Vielleicht aus Furcht vor der unkontrollierbaren Meinung der Masse? Dem Nicht-Wissen, wie man mit unliebsamen Kommentaren auf der eigenen Fanpage umgehen soll? Den fehlenden Erfahrungswerten im Umgang mit spontaner, emotionaler 140-Zeichen-Kommunikation und Co.? Alles gut möglich. Doch je länger die Vereine jetzt noch abwarten und hoffen den Anschluss nicht zu verlieren, umso mehr geschieht genau das. Denn in der Zeit, in der man wartet, grübelt und abwägt, ob man nicht doch vielleicht mal online Kontakt zu den Fans aufnehmen soll, hätte man schon längst damit anfangen können. Den Kontakt mit Vertretern der Zünfte TV, Radio und Print scheut man schließlich nicht (mehr) – wohl aber auch, weil man diese besser im Griff behalten kann als diese ganzen bösen Blogger und Konsorten.

Gewiss, es bedarf einer Strategie, einem Verständnis für diese doch so fremd wirkende und dabei ganz vertraute Kultur (das Social Web ist echt! Es gibt keine Trennung zwischen der Realität und „diesem Internet“ – höchstens on- und offline) und sicherlich auch des fähigen Personals, das nicht nur technisch, sondern auch inhaltlich überzeugen kann. Aber all das ist kein Hexenwerk und auf dem Markt verfügbar.

Nein, insbesondere die (deutschen) Vereine sind auf der Suche nach dem großen ROI. Solange sie diesen nicht sehen werden sie nicht mehr als nötig machen. Oder um es mit Uli Hoeneß‘ Worten zu sagen: „Diese Klicks und Apps. Muss nicht jeder haben, aber es hört sich doch schön an.“

In der Entwicklung bedeutet das nicht nur, dass sie die mögliche Hoheit über Informationsflüsse und Möglichkeiten der Fanbindung abgeben, sondern auch, dass sie solange zögern, bis sie tatsächlich ins Hintertreffen geraten. Anstatt nun also bereits die Social-Media-Diät zu beenden und zu lernen, hungert man lieber, bis man sich dann doch gierig aufs Online-Buffet stürzt – und sich dann sehr wahrscheinlich den Magen verrenkt.

Bild: David Maddison

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