vier-am-eck_n20

die vier am eck – gedanken zu social media und sport #20

Konzentration ist angesagt. Konzentration aufs Wesentliche. Deshalb findet ihr im Moment in unserem Blog auch immer häufiger die „vier am eck“ als die gewohnten Cases. Aber keine Sorge, wir lockern den Fokus ein wenig und werden den Blick in alle Richtungen des #digisport-Universum für euch richten. Aber jetzt erst einmal volle Konzentration!

Die Idee hinter „die vier am eck“ ist relativ einfach und bleibt dennoch gleich: Jede Woche setzen sich vier von uns Verrückten zusammen und diskutieren eine These zu Social Media und Sport (und darüber hinaus).

These: Die meisten Klubs wissen nicht welchen Einfluss ihre Fans (in Social Web) besitzen

Georg sagt…: In der Kneipe ist nicht Schluss.

Der Fan vor 30 Jahren: Trifft sich am Samstag zum Mittagessen im Wirtshaus ums Eck, gönnt sich sein Schnitzel und fährt danach mit der Bahn zum Stadion. Kauft sich sein Ticket und ’n Bier, sieht sich den hundsmiserablen Kick seiner Truppe an diesem Wochenende an und ist stinkwütend wegen der einsatzlosen Darstellung seines Teams. Nach der Partie geht er in seine Stammkneipe und poltert bei ein paar Getränken seiner Wahl mit den anderen Gästen über die Leistung der Fußballmannschaft.

Der Fan heute: Macht genau dasselbe. Allerdings schreibt er nach dem Spiel vielleicht auch noch einen Beitrag für seinen Blog, der den mangelnden Einsatzwillen der Mannschaft kritisiert und die Führungsqualitäten des Trainers in Frage stellt. Der Blog des Fans ist bekannt, er wird von tausenden Usern wöchentlich gelesen und sein Artikel erreicht sofort einige hundert Leser über Twitter, Facebook, Google Reader und andere Wege.

Der Fan von heute kann Meinung machen. Er erreicht ein Publikum, das über den Stammtischkreis hinausgeht. Der Fan von heute ist lebendiger Teil einer Medienbranche, vor der auch Klubs ihre Augen nicht verschließen sollten.

Die Klubs sind derzeit noch in der glücklichen Lage, es mit einer relativ überschaubaren Sportblogosphäre zu tun zu haben. Wichtige Multiplikatoren, wie den angeführten Fan mit dem Blog, gilt es zu identifizieren und in die Medienarbeit miteinzubeziehen.

Die Chancen auf Bindung von Schlüssel-Usern und Verein in sozialen Netzwerken ist jetzt gegeben. Jeder Klub muss sich in seiner Medienarbeit hinterfragen, ob er diese Chance auslässt oder beachtet.

Jonathan sagt…: Höa, schnella und weida – vor allem schneller und weiter

Die Power und der Einfluss – ganz egal ob positiv oder negativ ist – der Fans ist für keinen Klub dieser Welt etwas Neues. Erleben sie, sie doch jedes Wochenende in der Arena. Was im positiven beeindruckende Choreografien sind, sind im Negativen vereinbarte Ausschreitungen. Das ist an sich kein neues Phänomen und damit auch nicht neu für die Klubs.

Was sich allerdings geändert hat, ist das die Szene rund um den Klub, wesentlich besser vernetzt ist und damit an Einfluss gewinnt. Wo es vor etlichen Jahren das Treffen in der Kneipe, im Vereinshaus oder anderen Orten in der Offline-Welt die Orte waren an denen sich organisiert wurde, sind heute Foren oder Communities in der Online-Welt zu finden.

Es wird sich also nicht mehr nur auf lokaler Ebene organisiert, sondern durch die immer schneller werdenden Informationsflüsse regional bis global. Aber lasst uns nicht zu abstrakt werden. Ein Beispiel – im Positiven, wie im Negativen beschreibt die neue Entwicklung recht anschaulich.

Wie Daniel und ich im vergangenen Jahr schon berichtet haben, haben die Fans von Borussia Dortmund zum Sturm auf die Pinnwand von Holstein Kiel geblasen. Verärgert durch die Entgleisungen der Kieler Spieler, riefen die Fans dazu auf die Pinnwand der Kieler mit kommentarlosen Bildern zu fluten. Die Aktion ging von einem Fan-Forum mit einer Vielzahl an Mitgliedern aus und streute sich über verschiedene soziale Netzwerk mit einer Masse an Nutzern rasant bis hin zum Boulevard mit Millionen von Lesern.

Überrascht durch den Ansturm, sah das Facebook-Team von Holstein Kiel keine anderen Möglichkeit, als die Seite für eine gewissen Zeit nur für Administratoren sichtbar zu machen. Erfreulicherweise ist die Seite wieder da. Und mit einem Grinsen sieht man noch heute vereinzelte Einträge von Dortmunder-Fans auf der Pinnwand.

Daniel sagt: Potentiale im Web sollten erkannt und wertgeschätzt werden

Fans sind die Luft zum Atmen, die jeder Verein braucht. Ohne Fans keine zahlenden Kunden im Stadion oder Fanartikel-Shop. Ohne Fans keine Einschaltquoten im TV, keine Abnehmer jeder noch so kleinen Meldung in den Medien. Ohne Fans keine Geldströme durch Werbung und so weiter und so fort. Denn so schön Sport ist, nur die wenigsten geben sich einzig und allein dem Sport selbst hin, ohne ihr Herz an ein Team oder einen Akteur zu hängen.

Allerdings kann diese Liebe auch schnell ins Gegenteil umschlagen. Wut, Enttäuschung, Frustration … Verärgerte, gekränkte Fans können eine enorme Kraft entwickeln und diese in „Dummheiten“ fließen lassen. Ausschreitungen wie jüngst beim Hallenturnier in Hamburg sind eine hässliche Fratze im Offline-Dasein, organisieren sich aber immer häufiger online. Die feindliche Übernahme einer Fanpage wie im Falle von Holstein Kiel durch die Anhänger der Dortmunder Borussia gehören aber auch dazu. Doch zum Glück kann die Liebe und der Einfluss der Fans mehr als nur destruktiver Natur zu sein.

Fan-Klubs und –Institutionen haben in der Vergangenheit mit großartigen Aktionen bereits bewiesen, wozu sie im Stande sind. Fan-Freundschaften, hochklassig inszenierte Fan-Choreografiken im Stadion, Schlachtengesänge, die denen der altehrwürdigen Hochzeit der Premiere League gerecht werden und diese übertreffen. All das ist machbar. Das wissen die Vereine. Dass die Organisation auch im Netz funktioniert, beweisen die Fans immer häufiger – ganz egal ob groß angelegte Aktionen oder Doings im Kleinen oder auch kritischen Diskussionen im Web, wie es sie zum Beispiel beim Fehltritt von Jako bei der Eintracht aus Frankfurt gab.

Für die Vereine ist es wichtig dieses Potential im Netz zu erkennen und ebenso wertzuschätzen wie die Unterstützung im Stadion. Denn nur, weil man dieses Treiben nicht immer sofort einschätzen kann bedeutet es nicht, dass es keine Auswirkungen auf das Image wie auch Tagesgeschäft der Klubs haben könnte.

Hauke sagt…: Es fehlt lediglich praktische Erfahrung im Umgang

Fans machen im Social Web ausgiebig von den verschiedenen Möglichkeiten Gebrauch, ihre Meinungen zum aktuellen Geschehen rund um “ihre” Clubs zu verkünden und zu verbreiten. Im Falle einer kleinen Fanbase im Netz können wenige Fans allein durch regelmäßige Aktivität viel Einfluss nehmen und trotz Nischenmeinung schnell die Meinungsführerschaft auf einer Plattform übernehmen.

Im Falle einer großen Fanbase verliert sich die Nischenmeinung im Social Web zwar oft in der Masse der Postings, dennoch bietet sich aufgrund der hohen Anzahl an vernetzten Fans stets die Möglichkeit, dass ein ansprechendes Thema durch spontane Aufschaukelung innerhalb kürzester Zeit immens an Bedeutung gewinnt.
So kann die Verbreitung von bestimmten Aussagen der Fans schnell ein Image prägen. Herrscht Unzufriedenheit, fällt das Image negativ aus. Beginnend mit der Community auf der entsprechenden Social Media Plattform kann sich dieses negative Image entsprechend der Höhe der generierten Aufmerksamkeit schnell auf das aller Fans und letztlich auch auf das des Clubs ausweiten. Im Extremfall werden so auch Entscheidungen der Clubführung beeinflusst.

Schönes Beispiel aus der Wirtschaft ist das des Sängers Dave Caroll, dessen YouTube-Song die schlechte Behandlung seines Fluggepäcks durch die Airline United Airlines anprangert. Die enorme Verbreitung über das Social Web soll angeblich bis zu einem Preisverfall der Aktie des Unternehmens geführt haben. Bisher ist mir aus dem Sportbereich kein Fall mit Auswirkungen in ähnlichem Ausmaße bekannt; das Potenzial ist in der von Emotionen geprägten Sportbranche aber auf jeden Fall gegeben.

Die Clubs wissen sehr wohl, dass Fans im Social Web großen Einfluss besitzen. Es fehlt lediglich praktische Erfahrung im Umgang mit dem aus den genannten Möglichkeiten des Internets resultierenden Phänomen der Massenaufschaukelung, welches im Social Web regelmäßig auftritt. Generell sollte der Club dafür sorgen, dass die Beziehung zu seinen Fans/Followern stets so eng ist, dass deren Vorstellungen, Wünsche und Meinungen regelmäßig auf einer Ebene angehört und wertgeschätzt werden. Essenziell ist das Gespür für Ereignisse und Themen rund um den eigenen Club und den eigenen Sport, die Potenzial zur Aufschaukelung haben. Insbesondere bei Themen, die Unzufriedenheit unter den Fans hervorrufen, gilt es, früh genug in den Dialog einzusteigen, mögliche Falschmeldungen und/oder Missverständnisse klarzustellen um Eskalation zu verhindern

Bild: Flickr.com / ekkebus

One thought on “die vier am eck – gedanken zu social media und sport #20

  1. Pingback: die vier am eck – gedanken zu social media und sport #21 « der sportmanager

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s