die-vier-am-eck_19

die vier am eck – gedanken zu social media und sport #19

Es ist mal wieder ein wilde Fahrt – steil bergauf. Klar ist auf jeden Fall wir nähern uns dem Jahresende stehen ganz am Anfang eines großartigen Jahres! Zeit etwas zu tun. Nachdem wir im Dezember Benjamin verpflichtet haben, ist es uns heute gelungen Julian zu den „vier am eck“ einzuladen. Viele von euch werden ihn schon kennen – denn Julian war der Türöffner für das heutige Teamblog.

Die Idee hinter „die vier am eck“ ist relativ einfach und bleibt dennoch gleich: Jede Woche setzen sich vier von uns Verrückten zusammen und diskutieren eine These zu Social Media und Sport (und darüber hinaus).

These: Authentisch können nur Fans für einen Klub kommunizieren – Deshalb muss jeder Social Media Manager eines Klubs vorher Fan/Blogger o.Ä. gewesen sein

Julian sagt…: Die Fähigkeit authentisch zu kommunizieren ist abhängig von einem zentralen Faktor: Identifikation.

Ohne Identifikation fehlt die aufrichtige Haltung, die Fähigkeit sich in die entsprechende Sachverhalte hineinzuversetzen und dadurch auch eine gemeinsame Basis in der Kommunikation mit der Zielgruppe. Das klingt jetzt erst einmal nach einem breiten Nicken, oder? Immerhin ist Identifikation nun mal notwendigerweise da, wenn man ein Fan ist. Und darum geht es bei unserer heutigen These ja schließlich.

Doch der Fall ist nicht abgeschlossen. Denn in meinen Augen gilt: Man kann zwar ohne Identifikation kein Fan sein, aber man muss kein Fan sein um sich mit etwas zu identifizieren. Schwach wie stark. Dabei sollte man beachten, dass Profisportvereine in der Regel Wirtschaftsunternehmen sind. Auch in der freien Wirtschaft soll es übrigens zig Mitarbeiter geben, die sich stark mit ihrem Arbeitgeber identifizieren, obwohl ihr Traumarbeitgeber immer ein ganz anderer war.

Und wie in der Wirtschaft auch, tut den Profisportvereinen in ihrer Kommunikation eine etwas objektivere Sicht manchmal ganz gut. Daher tendiere ich auch dazu – solange das Social Media Team aus mehr als einer Person besteht – eine gute Mischung aus Fans und Nicht-Fans zu erreichen. Das hat vor allem zwei Gründe. Zum einen ist dadurch gewährleistet, dass die Kommunikationsmaßnahmen zwar eindeutig die Nähe der Fans suchen und ein Gemeinschaftsgefühl unter Fans und Verein durch das Social Media Team erzeugen, während man aber gleichzeitig ein professionelles Bild abgibt. Stichwort: Selbstkontrolle. Und hier liegt der Teufel wirklich eher im Detail. Zum anderen dürften die Nicht-Fans im Social Media Team neue Impulse setzen, indem sie analysieren warum sie sich mit ihrem Arbeitgeber – sprich dem Verein – identifizieren, obwohl ihr Fanherz bereits anderweitig vergeben war. Dies kann zu neuen Erkenntnissen und Impulsen führen, die auch anderen Nicht-Fans den Verein näher bringen und ein etwas breiteres Interesse erzeugen. Was sowohl zu Fanwachstum führen kann und gleichzeitig die Marke des Vereins weiterentwickelt.

Daniel sagt…: Es hilft der eigenen Arbeit ungemein beide Seiten zu kennen. Die des Fans und die des Journalisten. Es ist aber kein Muss.

Ich war viele Jahre Fan der Skyliners aus Frankfurt und bin es immer noch, ehe ich über eine freie Mitarbeit für mehr als vier Jahre fix in die Presse- und PR-/Marketing-Abteilung des Klubs gerutscht bin. Der Wechsel von der Tribüne auf dem Presseplatz hinterm Korb war eine Umstellung, für mich aber machbar. Sicher, meine journalistische Ausbildung, die ich über das Studium mitbekommen habe, hat mir geholfen mich nicht vor Freude bei jedem Interview mit einem der Spieler, denen man kurz vorher noch „unerreichbar“ zugejubelt hat, einzunässen. Aber mein Blick auf das Team und die Spiele waren ein schon ein anderer.

Diese Begeisterung für Klub wie Job zu kombinieren und in meinen Ideen und Ansätzen der Berichterstattung zu bündeln, war damals schon ungemein wichtig. Es gab einfach eine andere Auseinandersetzung mit allem.

Bestes Beispiel: Der von mir (noch als Fan/Freier) aufgesetzte Twitter-Account wurde die ersten Spiele der Saison 2008/09 noch inoffiziell parallel zum Schreiben des Spielberichts als Live-Ticker geführt, ehe er in die offizielle Kommunikation eingebaut wurde. Der Stil, den ich dort in 140 Zeichen pflegte, war ein ganz anderer, subjektiverer als die weitestgehend neutral aufgesetzten Spielzusammenfassungen. Beides kam im Mix aber gut an.

Als Fan sieht man Dinge nun einmal anders, nimmt sie aus einer höchst interessierten Sicht wahr und führt auch dazu Fragen zu stellen, die man als „abgezockter Fuchs“ nicht immer spielen würde, weil sie so selbstverständlich erscheinen, dass man diese nicht mehr stellt. Es füllt das eigene Tun mit Leben aus, macht die Kommunikation greifbarer und ermöglicht es das Gefühl zu vermitteln, als stünde man im Huddle vor dem Tip-Off oder säße auf der Bank, wenn der Trainer seine Ansprache hält. Man kann folglich eine ganz andere Form der Nähe transportieren, wenn man weiß, wie es ist im Fanblock zu stehen.

Kurzum: Wenn Klubs bereit sind diese Lebhaftigkeit zu akzeptieren, dann können sie sich mit ihrer Kommunikation von der Konkurrenz abheben. Es bedarf aber auch einiger Geduld und Vertrauen, einen Fan in einen Sprecher des Vereins zu transformieren, der auch im Sinne des Klubs kommuniziert. Was aber nicht heißen soll, dass ein Externer nicht in der Lage wäre ebenfalls hervorragende Arbeit abliefern zu können. Es ist, wie gesagt, nur eine andere Form der Nähe.

Jonathan sagt…: Hauptsache hip, Hauptsache Blogger, Hauptsache U25

Richtig. Wer sich dazu entschlossen hat eine oder mehrere Stellen für das Thema Social Media in seinem Klub zu schaffen, der sollte sofort in die Kurve gehen oder die Blogosphäre durchstöbern und einfach einen rausgreifen. Hauptsache Fan. Hauptsache Blogger. Und nicht zu vergessen bitte unter 25 Jahre alt. Irgendwie muss das ganz ja hip und damit authentisch sein.

Und wenn man dann so loslegt mit diesem Social Media, dann macht es richtig Spaß zu sehen, wie andere auch hingehen und Fans für sich verpflichten. Wie es die Philadelphia 76ers aus der NBA kürzlich oder die New Jersey Devils Anfang des Jahres getan haben. „Wenn es da funktioniert, wird es hier auch klappen“, wird man denken. Ganz bestimmt.

Obwohl, wenn ich so recht darüber nachdenke, ist da ein kleiner Unterschied: Ja es waren auch Fans und ja es waren auch Blogger dabei. Aber es waren in erster Linie Menschen, die eine gute Mischung aus Fansein und Verständnis und Gespür für das Social Web mitgebracht haben. Es waren Menschen mit sozialer und fachlicher Kompetenz. Es waren Menschen mit einem gewissen Out-of-the-Box-Denken und einer unglaublichen Begeisterungsfähigkeit, welche genau deswegen perfekt geeignet sind um den Klub im Social Web zu repräsentieren.

Bild: Flickr.com / Mad African!: (Broken Sword)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s