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die vier am eck – gedanken zu social media und sport #18

Das Transferfenster ist offen und wir haben direkt einmal zugeschlagen! Heute neu mit im Boot: Benjamin Stoll. Und ohne lange Worte zu verschwenden kommen wir auch schon direkt zu Sache.

Die Idee hinter „die vier am eck“ ist relativ einfach und bleibt dennoch gleich: Jede Woche setzen sich vier von uns Verrückten zusammen und diskutieren eine These zu Social Media und Sport (und darüber hinaus).

These: Vereine, die ihren Sportlern das Twittern untersagen beschneiden das Recht auf Meinungsfreiheit.

Benjamin sagt…:  Mannschaftssportlern das “Zwitschern” generell zu verbieten, halte ich für Blödsinn.

Eine Mannschaft besteht aus vielen einzelnen Sportlern, mit denen sich Fans identifizieren. Twitter kann für diese eine enorm wertvoller Kommunikationskanal in punkto Personal Brand Building sein, solange die Plattform authentisch, fair und dialogisch genutzt wird sowie den Fans echte Mehrwerte liefert. Die Fans haben dadurch die Möglichkeit noch näher an ihre Stars – und damit an die Mannschaft – heranzurücken. Aus Angst vor Kontrollverlusten stehen Teams den “neuen digitalen sozialen Öffentlichkeiten”, bei denen Privates und Berufliches konvergieren, oftmals skeptisch gegenüber.

Exemplarisch für eine Eskalation zwischen Spieler und Verein via Twitter ist der Fall Joey Barton. Nachdem die Vertragsverlängerungsverhandlungen zwischen Newcastle United und dem englischen Mittelfeldspieler scheiterten, verschaffte Barton seinem Ärger darüber auf Twitter Luft. Obwohl sein Vertrag noch ein Jahr lief und er sogar zu geringeren Bezügen seinen Vertrag verlängert hätte, wurde der Spieler daraufhin vom nordenglischen Verein als “ablösefrei” auf die Transferliste gesetzt. Barton wollte die “Magpies”, bei denen er seine von Skandalen durchzogene Karriere wieder auf Kurs gebracht hatte, nicht verlassen. Der Klub dagegen wollte offenbar einen jüngeren Spieler und durch den vorzeitigen Verkauf Ablösesumme kassieren. Barton ist mittlerweile nach einem ablösefreiem Transfer Kapitän bei den Queens Park Rangers und hat auf Twitter über 900.000 Follower.

Generell fallen kritische und folgenschwere Äußerungen von Spielern auch in Interviews via der klassischen Medien. Ein die Öffentlichkeit suchender Spieler wird diese immer finden. Egal mit oder ohne Einverständnis des Vereins. Der Streit zwischen Joey Barton und Newcastle United ware auch ohne Twitter eskaliert.

Oberste Prämissen sollten für jeden “Mannschaftssportler-Tweet” der gesunde Menschenverstand, das Bewußtsein, das Twitter ein öffentlicher Raum ist, sowie die Tatsache, dass die Kommunikation auch immer im Kontext des Kollektivs erfolgt, sein. Die Vereine sollten ihre Spieler an die Hand nehmen und diese analog zum klassischen Medientraining für die Mechanismen der “neuen Öffentlichkeiten” sensibilisieren. Enabling statt Verbot. Der FC Liverpool bietet auf seiner Homepage eine Übersicht seiner twitternden Spieler. Ich freue mich auf viele weitere “zwitschernde” Kicker, hoffentlich bald auch vermehrt aus der Bundesliga.

Hauke sagt…: Es liegt am Club, Chancen und Risiken aufzuzeigen

Warum untersagen Clubs ihren Spielern das Twittern? Das Problem, welches manche Clubs mit dem Twittern von Sportlern haben, ist der Verlust von Macht. Der twitternde Sportler stellt private und berufliche Informationen unmittelbar und ohne vorherige Kontrolle durch den Club im Netz zur Verfügung. Clubs, die ihren Sportlern generell das Twittern untersagen, beschneiden auf jeden Fall das Recht auf Meinungsfreiheit.

Der Club möchte jegliche Informationen, deren Veröffentlichung negative Auswirkungen auf die Leistungen des Sportlers und/oder das Image des Clubs haben könnten, vermeiden. Der Club handelt mit einem Verbot ggf. auch im Interesse der klassischen lokalen Medien, die sich aufgrund der fehlenden Notwendigkeit eines Verlegers vor dem Verlust ihrer Exklusivstories fürchten.

Falls nicht bereits getan, sollten Clubs sich ausgiebig mit den Chancen der Kommunikation ihrer Sportler im Social Web beschäftigen und dabei mit Offenheit für Neues an das Themengebiet herangehen. Fans freuen sich darauf, dass Sportler, denen vorher stets vorgeschrieben wurde was zu sagen ist, endlich authentisch kommunizieren und dabei einfach menschlich ihre Meinungen vertreten.

Des Weiteren bekommt der Fan die gefragten Informationen direkt und brandaktuell geliefert. Näher als im Social Web kann ein Fan kann seinem Idol heutzutage selten kommen. Sportler, die aus eigenem Antrieb heraus twittern, sollten dabei unterstützt und gefördert werden. So lang das Verhältnis zwischen Club und Spieler perfekt ist, läuft auch im Social Web meist alles gut.

Die Clubs sollten allerdings darauf gefasst sein, dass ihre Sportler ihre Meinungen auch im Falle von sportlichen Krisen des Clubs und/oder persönlicher Natur im Social Web kund tun. Es liegt am Club, seinen Sportlern zu vermitteln, welche Chancen und Risiken das Verbreiten von Informationen über Twitter mit sich bringt.

Generelle Regelungen, die selbstverständlich immer auch schon für die Kommunikation über alle zuvor da gewesenen Medien gültig waren, sollten auch beim Twittern befolgt werden. So z.B. dass das Twittern die Kernleistung des Sportlers nicht beeinträchtigen darf, dass keine Mannschaftsinterna veröffentlicht werden oder dass das Twittern dem Image des Arbeitgebers nicht schädigen sollte. Der entscheidende Punkt: Den Spielern sollte sehr deutlich klar gemacht werden, welch hohe Verantwortung bei ihnen als direkten Publizisten liegt. Besonders im Falle von Krisenzeiten.

Jonathan sagt…: Wer versucht seinen Sportlern das Twittern zu verbieten schießt sich ins eigene Bein

Mal ganz abgesehen von Paragrafen – mit denen ich euch hier nicht langweilen will – ist es eine vergebene Chance, wenn der Klub sich dazu entscheidet seinen Athleten das Twittern zu verbieten. Warum? Nun, die Antwort ist simpel. Der Fan identifiziert sich natürlich mit seinem Verein – aber sind es nicht die Sportler die den Verein ausmachen? Sind es nicht die Athleten, welche ihn dazu veranlassen ins Stadion zu kommen?

Ein twitternder Sportler bringt also die Chance mit sich nicht nur neue Fans zu gewinnen, sondern bestehende Fans weiter an den Klub zu binden. Natürlich muss auch er gewisse Regeln (welche idealerweise vertraglich geregelt sind) einhalten. Da gibt es keinen Unterschied zum „normalen“ Mitarbeiter eines Unternehmens. Und genauso wie in Wirtschaftssektoren außerhalb des Sports liegt es am Arbeitgeber, den Arbeitnehmer auszubilden und mit dem Social Web und den Wirkungen bekannt zu machen. Da kann eine Social Media Policy hilfreich sein, ein echtes und intensives Coaching allerding Wunder bewirken.

Nicht nur im Sinne des Athleten, sondern auch einer ganzheitlichen Kommunikation des Klubs. Die Sportler sind Bestandteil des sportlichen Geschehens und damit auch der Kommunikation mit den verschiedensten Stakeholdern. Hier ist es in meinen Augen Aufgabe der Klubs nach Möglichkeiten zu Integration der Sportler zu schauen. Manchester City zeigt wie es gehen kann.

Georg sagt…: Vereine und Sportler – Zwei Seiten, eine Richtlinie?

Zensur, Meinungsfreiheit, Informationskontrolle, Kommunikationsschranken. Alles Stichworte, die einem bei unserer dieswöchigen These einfallen.

Wir haben es schon ein paar Mal angesprochen – Athleten und Sportler können durch Social Media ohne dazwischengeschaltete Pressesprecher, Journalisten oder andere Kommunikationsorgane mit ihren Fans kommunizieren. Das ist Fakt.

Dadurch können sie naturgemäß ihre eigene Meinung einem großen Publikum kundtun. Diese Meinung muss nicht immer mit Vereinslinie d’accord gehen und das schafft Reibungspunkte.

Man möchte meinen, dass der Verein am längeren Ast sitzt, doch im demokratischen Web 2.0 ist vieles anders. Ein Shitstorm ist schnell mal heraufbeschworen und werden Twitterverbote oder Zensurmachenschaften publik, kann eine fanatische Fangemeinde schnell mal ein paar hundert Postings auf der Vereins-Fanpage hinterlassen.

In Österreich sagen wir: “Durch’s Reden kommen die Leut’ zusammen”. Ich denke, dass auch Athleten und Vereine sich mit dieser Methode einiges an Peinlichkeiten auf Social Media ersparen können. Ich empfehle eine einheitliche Social Media Policy für Sportler eines Vereins. Richtlinien, keine Verordnungen – z.B. keine Vereinsinterna twittern, nichts zu Vertragsdetails posten oder in der Halbzeitpause das Smartphone mal Smartphone sein lassen.

Wichtig ist, dass man sich im Vorhinein einigt und gemeinsam die Vereinbarungen einhält. Denn nachher gibt’s nur Scherben, die erst mal weggekehrt werden müssen.

Bild: (Flickr.com / Arlington County  )

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