die-vier-am-eck_12

die vier am eck – gedanken zu social media und sport #15

Willkommen zu Runde Nummer 15. Die Idee hinter „die vier am eck“ ist relativ einfach: Jede Woche setzen sich vier von uns Verrückten zusammen und diskutieren eine These zu Social Media und Sport (und darüber hinaus).

These: Die Klubs wissen nicht so recht, wie sich das emotionale „Erlebnis Stadion“ auf die Devices und Screens der Fans transportieren lässt.

Georg sagt: Wir stehen erst am Anfang einer emotionalen Abbildung dessen, was im Stadion passiert.

Erlebnis Stadion. Ich muss dazu sagen, dass ich kein Stadiongeher bin. Das emotionale Erlebnis Stadion habe ich einige Male genossen und dennoch bin ich zumeist dem Sport per se so verbunden, dass ich ihn
über die Medien viel genauer wahrnehmen kann. Vielleicht geht’s ja darum, Details vs. Emotion.

Und die Aufgabe Emotion zu transportieren? Daran scheitern TV-Medien, aber auch Hörfunk und andere Übertragungswege meiner Meinung schon seit Jahren. Dieses Problem haben nicht erst Tablet-PCs und mobileTV-Tools erfunden. Und erst recht nicht Social Media. Nicht mehr nur die TV-Sender oder Rundfunkstationen müssen sich damit auseinandersetzen, durch das Wesen der Many-to-many-Kommunikation stehen nun auch die Clubs vor dieser Frage.

Wird ein Facebookposting ala „JAAAAAAAAA, TOOOOR!“ einem Last-Minute-Tor im Pokalwettbewerb gerecht? Wohl eher die zahlreichen Kommentare innerhalb von Sekunden auf so ein Statusupdate sind es, die die Emotion veranschaulichen. Vielleicht ist es gerade das, worauf wir uns noch nicht einstellen konnten, weil Social Media eben noch neu ist. Zu begreifen, was in diesem einen Moment abgeht, zu begreifen, wieviel Tausende Tweets pro Sekunde während des Super Bowl abgesendet werden. Nicht nur die Medien verändern sich und müssen sich anpassen, auch wir als Konsumenten wie Produzenten, als Prosumenten, wir alle müssen uns auf eine neue Sportmedienwelt erst einstellen. Teilweise wissen wir noch nicht einmal, wie diese in naher Zukunft aussehen wird.

Und da wird noch viel, viel mehr kommen.

Daniel sagt: Wenn es ein Medium gibt, von dem die Vereine für ihren Social-Media-Einsatz lernen können, dann ist es Radio.

Ich bin ja oft mit Georg einer Meinung, aber heute muss ich klar wiedersprechen. Wenn es ein Medium gibt, das es geschafft hat Stadionatmosphäre zu transportieren, dann ist es das Radio. Gerade in Deutschland hat die Bundesliga-Konferenz eine ungeheure Tradition und auch Faszination. Die Dramen, die sich vor den Radios abspielten, wenn das entscheidende Tor verkündet wurden, waren oft größer, als die im Stadion. Zumindest habe ich noch diese Erinnerung. Allein der Abstiegskrimi in der Saison 1998/99 wird mir auf ewig in Erinnerung bleiben, wie sich die Stimme des Reporters überschlug, als Jan-Aage Fjörtoft mit seinem Übersteiger das 5:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern und somit die Rettung der Frankfurter Eintracht besiegelte. Da kriege ich heute noch Gänsehaut!

Die TV-Sender mit ihren unzähligen Kameras fangen das Stadion zwar ebenfalls ein, aber jedes Bild ist nur ein Mosaiksteinchen, das nicht das Ganze abbildet, aber hilft das alles zu etwas Größerem zusammenzusetzen. Social Media können die entscheidende Brücke werden, um das eigene Bild, dass bei einer Radioübertragung entsteht und durch Mosaiksteinchen ergänzt wird, zu vervollkommnen.

Schon jetzt stehen die Fans mit ihrem Device in der Hand in Südkurve und Co., um sich mit weiteren Informationen zu versorgen, eigene Bilder zu machen, Updates zu posten, wie großartig (oder eben bescheiden) das Spiel gerade ist, und Freunde auf dem Laufenden zu haben, die nicht dabei sein können.

Wenn es die Vereine verstehen lernen diese Begeisterung der Fans in die eigene Berichterstattung vom Spielfeldrand einfliessen zu lassen, ist den „Daheimbleibern“, aber auch den Stadionbesuchern ein ganz neues Erlebnis gewiss. Aber, und jetzt bin ich wieder mit dem, was Georg sagt, d’accord, da wird noch vieles kommen, von dem wir gar nicht wissen, wie es aussehen wird.

Aber wie ich Hauke kenne, hat er wieder ein paar Beispiele parat😉

Hauke sagt: Es geht um die bestmögliche Atmosphäre im Stadion. Und die muss dann transportiert werden.

Clubs sollten den Anspruch haben, innerhalb des Stadions die bestmögliche Atmosphäre für ihre Anhänger zu schaffen. Jeder Stadionbesucher wird zustimmen, dass man Momente wie den im Fanblock gellenden Jubel der Masse samt „Bierdusche“ nach dem kurz vor der Spielende erzielten Siegtreffer lediglich live vor Ort erleben kann. Welche Bestandteile dieses emotionalen „Erlebnisses Stadion“ können denn überhaupt auf die Devices und Screens der Fans transportiert werden?

Der Transport aller Emotionen aus dem Stadion zu den aus der Ferne mitfiebernden Fans ist beim derzeitigen technischen Stand nicht möglich. Er wird angedeutet, aber nicht wirklich erreicht. Daher sollte es Ziel der Clubs sein, diesen Anhängern die größtmögliche Annäherung an den optimalen Zustand zu verschaffen.

Um zu zeigen, was uns derzeit im Netz geboten wird, habe ich mir die Facebook-Aktivitäten der drei Teams an der Bundesliga-Tabellenspitze vom vergangenen Spieltag angesehen:

Im besten Fall ist ein kleines Netzwelt-Team im Stadion dabei und übermittelt die Stimmung in Form von audiovisuellen Inhalten. Dabei sollten die Verantwortlichen dafür sorgen, dass die Mitarbeiter, die Informationen an die Fans übertragen, eine ausgeprägte Fähigkeit besitzen: Empathie.

Jonathan sagt: Enscheidend ist auf dem Platz, nicht auf dem Screen.

Ich bleibe dabei: Das emotionale „Erlebnis Stadion“ lässt sich nicht auf ein Device oder Screen transportieren. Am Beispiel des kleinen Jungen, welcher mit den neuen Medien großgeworden ist und all die Vorteile genießt, welche ihn näher an seine Spieler und seinen Klub bringen. Die Wurzel dieser Beziehung liegt aber viel tiefer als auf der Oberläche eines Smartphones.

Die Grundlage für das „Fansein“, wie ich es von den verschiedensten Sportlern und Team bin, liegt bei mir in meiner Jugend und meiner Kindheit. Hier wird der Boden bereitet, auf dem eine echte Bindung zum Team oder Sporltler wächst wie eine Pflanze. Bis diese zu einem echten Baum wird, welcher so schnell von keinem Wind umgeworfen wird, muss diese gepflegt werden. Nichts Neues und schon gar nicht Kompliziertes.

Die digitale Welt mit all den Stars, Teams und Persönlichkeiten welche, so greifbarer für den Fan geworden sind, kann nur als Dünger oder Wasser für diese Pflanze oder jungen Baum dienen. Sie ist das Mittel, welche auf das „Erlebnis Stadion“ vorbereitet, den Durst löscht und gleichzeitig den Appetit anregt und den Wunsch auslöst, letztendlich das Erlebnis in der realen und nicht der digitalen Welt zu suchen.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s