am_eck

die vier am eck – gedanken zu social media und sport #14

Nein, heute ist nicht Mittwoch. Das stimmt. Durch Verzerrungen im Raum-Zeit-Kontinuum gelang es uns nicht vor heute mit den neuesten Gedanken online zu gehen. Ich hoffe, ihr seht uns das nach, wenn wir in der Zwischenzeit den einen oder anderen Ersatzbeitrag für euch parat hielten. Jetzt sind wir aber wieder für euch da, denn die Idee hinter „die vier am eck“ ist relativ einfach: Jede Woche setzen sich vier von uns Verrückten zusammen und diskutieren eine These zu Social Media und Sport (und darüber hinaus).

These: Crowdsourcing hat im Bereich Scouting nichts verloren.

Georg sagt: Crowdsourced Scouting ist nett, aber ohne professionelle Filter eine unübersichtliche „Talentflut“.

Erfolgreiches Scouting ist im Bereich des Profisports nicht mehr wegzudenken. Aus Akademien rund um die Welt werden von professionellen Scouts junge Talente in die Welt des Profisports eingeführt. Oft wird dann eine DVD oder ähnliches an Vereinsverantwortliche geschickt, die auf dieser Basis und dem Wort des Spielervermittlers/Scouts entscheiden, das Jungtalent (oder auch nur das Talent) zu holen.

Das kann theoretisch auch ein YouTube-Video leisten. Stellt euch vor Sportfans drehen Videos von Nachwuchsspielern und schicken das an Vereine oder Verbände. Das Internet hat nicht nur für den Otto-Normal-User (zu) viel zu bieten. Die Filter, die früher mal die Journalisten waren, die sich als Gatekeeper sahen, gibt es in der Form nicht mehr. Automatisierte kollektive Intelligenzen bringen den „richtigen“ Content zum User.

Wenn jetzt in diesem Bild der Verein der „User“ ist und die Masse an talentierten Spielern den Content darstellt, wer ist dann der Filter? Dieser muss (noch) der Scout sein, der mehr als ein gutes Auge hat. Sonst werden in der Zukunft Fälle wie der junge Rafhael Domingues, der sich via Facebook mit einem (in Deutschland leider nicht zu sehenden) YouTube-Video an den ÖFB gewandt hat und prompt zu einem Spiel der Nachwuchsauswahl eingeladen wurde, zur Regel, denn zur glücklich verlaufenden Ausnahme. Und jeder von uns weiß, dass nicht alles von Qualität ist, was über Social Media auf unsere Bildschirme kommt😉

Daniel sagt: Crowdsourced Scouting hat im Profibereich absolut nichts verloren. Eigentlich noch nicht einmal im Breitensport.

Jeder von uns kennt sie, diese total abgefahrenen Videos, die einen Knirps zeigen, der in seinem Trikot versinkt und trotzdem jedem einen Knoten in die Beine dribbelt. Das sieht sich fantastisch an und wird per Link herumgereicht wie die Meisterschale am Münchner Rathausbalkon, hat mit Aussagekraft aber auch so viel zu tun wie der TSV 1860 mit beschriebenem Rathausbild. All die kleinen next Ronaldos and Messis sind gerade durch den richtigen Schnitt unterhaltsam und landen vielleicht auch in den Jugendschulen der Klubs, die sich in einem wahnsinnigen Wettstreit um die Talente der Zukunft immer mehr zum „Kinderhändler“ machen, aber was dann? Jugendspieler per Video zu scouten hat etwas von Roulettespielen. Schwarz, Rot, Doppel-Zero grün. Die Chancen, dass das funktoniert sind verschwindend gering. Selbst Jugendliche können noch einknicken, wenn sie ihren Fokus nicht richtig setzen. Profiklubs können nur verlieren, denke ich. Da sollen lieber die klassischen Mechanismen und Filter greifen, die Georg schon genannt hat.

Im Breitensport sehe ich die Sache nicht ganz so eng und bin da wieder näher bei Hauke. Es tut einem lokalen Klub sicher nicht weh, wenn man durch mediales/digitales Umhören ein regionales Talent ausfindig macht, aber auch dann sollte man sich überlegen, wie die nächsten Schritte aussehen. Nein, ich bin kein wirklicher Freund von Crowdsourced Scouting … vielleicht ändert sich das noch, aber im Moment sehe ich noch keinen nachhaltigen Platz dafür (im Sinne von Verein, Spieler und Umfeld sind langfristig auf einer Linie, damit niemand – auf Grund eines Videoclips – seine Zukunft gefährdet).

Hauke sagt: Im Lokalen heißt es „sich im Bekanntkreis umhören“. Im Profisport bald Crowdsourced Scouting. Warum auch nicht?

Grundlegend ist, wie weit die Scoutingsysteme und -netzwerke beim eigenen Club bzw. in der eigenen Spielklasse entwickelt sind. Einleuchtend, dass in den höchsten professionellen Ligen kein Crowdsourcing betrieben werden muss, um geeignete Spieler zu finden. Doch je niedriger die Spielklasse, desto wahrscheinlicher wird es, dass Crowdsourcing bei der Spielersuche erfolgreich unterstützen kann.

Vier Augen sehen mehr als zwei. Und die Fähigkeiten eines langjährigen Kenners einer Sportart, auch ohne eigene erfolgreiche Spieler- oder Trainerkarriere gute Sportler zu erkennen, wird meines Erachtens unterschätzt. Auch wenn für den vermeintlichen Laien vielleicht nicht klar ist auf welche Details geachtet werden sollte, wird er oder sie ein gewisses Feeling für die Situation haben. Die Bewertung der Beobachtungen des Laien und die weiteren Scoutingschritte kann dann gerne der Profi übernehmen.

Bei der Suche nach Beispielen trifft man im Netz zwangsläufig auf die Story von Terry Skiverton. Skiverton ist Manager des britischen Fußball-Drittligisten Yeovil Town, der im Sommer seine Follower per Twitter dazu aufrief, ihm doch einfach Vorschläge für Neuverpflichtungen zukommen zu lassen – und daraufhin wahrhaftig Spieler verpflichtete, über die ihn sein Netzwerk in Kenntnis gesetzt hatte.

Und dies ist keineswegs abwegig. Der Trainer des Dorfclubs betreibt in vielen Fällen bereits Crowdsourcing. Allerdings sehr lokal und (noch) nicht via Smartphone. Er nennt es “sich im Bekanntenkreis umhören”. Wir leben in einer Zeit, in der es immer einfacher wird, andere Menschen mit Informationen zu versorgen, um ihnen weiterzuhelfen. Das Profitieren von vermeintlich schwachen Bindungen ist unabhängig vom Aufenthaltsort der kommunizierenden Menschen möglich. Warum sollte man die Möglichkeiten des Internets nicht auch im Bereich Scouting nutzen?

Jonathan sagt: Mit der Masse steigt die Herausforderung Entscheidungen zu fällen.

Ich bin ja ein großer Fan von Technik und auch Social Media im Sport. Auch das Thema Crowdsourcing finde ich an gewissen Punkten extrem spannend, nützlich wie effizient für Sportorganisationen. Wenn ich allerding an den sportlichen Bereich und auch die Profi-Klubs denken, dann stelle ich mir das Thema sehr kompliziert vor.

Im Profi-Bereich gibt es mit Statistik- und Video-Datenbanken derzeit genügend Informationsquellen, aus welchen sich ein Profi-Klub (mit entsprechend gefülltem Geldbeutel) die nötigen Informationen holen kann. Da ist es in meinen Augen für einen Entscheidungsprozess eher hinderlich, wenn eine größere Masse an (Mit)Entscheidern zu Rate gezogen wird. Hier ist die Herausforderung eher die, den Fan an diesen Informationen teilhaben zu lassen.

Im Breitensport stelle ich mir das Thema wesentlich interessanter vor. Ein Austausch und das gemeinsame Entwickeln von Trainings(Master)-Plänen über eine Plattform, welche die Kommunikation und den Aufbau von Wissen fördert und erleichtert ist extrem spannend und gleichzeitig an sich nichts Neues. Wenn dem keine persönliche Eitelkeiten und Konkurrenzdenken im Wege stehen, dann kann das Wissen der Masse durchaus einen sehr hilfreichen Charakter entwickeln.

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