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die vier am eck – gedanken zu social media und sport #13

Einsteigen, anschnallen und ab geht´s. Die wilde Reise der vier am Eck nimmt kein Ende. Heutiges Ziel: Vereine und Fans. Die Idee hinter „die vier am eck“ ist relativ einfach: Jede Woche setzen sich vier von uns Verrückten zusammen und diskutieren eine These zu Social Media und Sport (und darüber hinaus).

These: Es reicht, den Fans und Followern eine Plattform zu geben. Der Verein muss sich nicht am Gespräch beteiligen.

Daniel sagt…: Manchmal reicht es auch einfach zuzuhören.

Website, Newsletter, Forum, Facebook, YouTube, Twitter, … Die Palette an Plattformen, die man zur Verfügung stellen kann, ist breitgefächert. Das wäre die erste Binsenweisheit. ‚Social Media sind Dialog‘ ist die andere. Wer diese Aussage bis jetzt noch nicht gehört hat, lebte entweder unter einem Stein oder verweigert sich hartnäckig dagegen die Hände von den Ohren zu nehmen.

Dabei ist es doch ganz simpel. Wo Menschen mit einem gemeinsamen Interesse zusammenkommen, tauschen sie sich darüber aus. Fans, die ihrem Interesse eine extrem hohe Bedeutung zugestehen, können den ganzen Tag über ihren Verein sprechen. Das ist gut und wunderbar, aber muss man als Verein auch 24/7 mitreden?

Ich sage: Nein, muss man nicht. Das Gefühl zu geben, dass man zuhört, ist in vielen Fällen schon ausreichend, um verbalem Wildwuchs und Pöbeleien im Sinne der Broken Windows Theory entgegenzuwirken. Also nicht so, wie es unter anderem beim 1. FC Nürnberg oder Borussia Mönchengladbach gehandhabt wurde, wie Jan-Kristian Jessen für die PR-Fundsachen der Hochschule Darmstadt festhielt.

Wichtiger ist es meiner Meinung nach dagegen viel eher den Fans einen „Spielplatz“ zu geben, auf dem sie sich treffen und austauschen können. Einen Raum, den man im Auge behalten kann, ohne gleich Big Brother zu sein, aber doch zu wissen, was vor sich geht und sich auch einschalten zu können, wenn nötig, gewünscht und gewollt.

Hauke sagt…: Die Rolle des Vereins verändert sich mit steigender Zahl der Fans

Klar ist, dass sich Fans und Follower nicht auf einer Plattform aufhalten, auf der überhaupt keine Gespräche stattfinden. Auf einer neuen Plattform ist es demnach unerlässlich für den Verein, Gespräche anzustoßen und sich zu beteiligen um eine Fanbasis aufzubauen. Der Fokus liegt auf Gesprächen, daher auf den einzelnen Fan ausgerichtete Kommunikation in zwei Richtungen. Die Dauer dieses Zustandes wird tendenziell gerne unterschätzt.

Vereine, die auf ihren Plattformen die so genannte “kritische Masse” an Fans erreicht haben, können feststellen, dass Fans immer häufiger von sich aus Gespräche beginnen und Inhalte in ihren eigenen Netzwerken verbreiten. Diese Aktivitäten sorgen für Zuwachs auf der Plattform sowie weitere Gespräche im virtuellen Umfeld der eigenen Plattform. Die Rolle des Vereins verändert sich aufgrund der hohen Anzahl der Gespräche immer mehr hin zum passiven Beobachter, der grobe thematische Vorgaben einstreut anstatt die Gespräche im Detail zu beeinflussen. Ist dieser Level erreicht, sollte der Verein meines Erachtens aber nicht damit aufhören, sich an den Gesprächen zu beteiligen. Klar, dass die Vereinsverantwortlichen nicht jeden einzelnen der Einträge ihrer Fans lesen, geschweige denn individuell kommentieren können. Dennoch erzielen auch kleine Gesten große Wirkung.

Der Verein muss sich nicht am Gespräch beteiligen. Er sollte es aber auf jeden Fall tun, um seine Fans und Follower noch fester an den Verein zu binden, sie zu Multiplikatoren zu machen und so auch Personen außerhalb des direkten Netzwerkes zu begeistern.

Georg sagt…: Wer nur moderiert vergibt eine echte Chance

Ein zweischneidiges Schwert. Ich sag’s mal ganz keck: Der Idealfall auf Social Media kann genau das sein. User unterhalten sich frank und frei über Thema X. Bei Sportvereinen schaut’s halt anders aus. Da würde man viel zu viel an Chance vergeben, wenn man sich als Verein nicht beteiligt und Content und andere Involvement-Knotenpunkte anbietet.

Eine rein moderierende Haltung einzunehmen ist vermutlich für viele Community-Plattformen nützlich, aber auf Social Media ist definitiv mehr gefragt. Nicht nur weil man „es halt machen muss“. Nein! Weil es einfach GEHT! Da ist mehr drin, da KANN man mal frank und frei

kommunizieren und Fotos vom Training mit lachenden Gesichtern und guten Geschichten posten. Das wollen die Fans lesen, keine Presseaussendung zum nächsten Auswärtsspiel oder einen Link zu irgendeiner Kooperationsfanseite eines Sponsors.

Dass das als Verein nicht immer einfach ist, ist vielen nicht klar. Da gibt es Kommunikationsregeln, im Vorstand vielleicht jemand, dem gar nicht gefällt, dass die Spieler twittern. Eventuell haben die ständigen Hasspostings der Stadtrivalen die Lust auf lockeres Posten auf der Fanseite verdorben. Da gibt’s viele Möglichkeiten, warum’s schwierig wird. Aber dennoch sollte ein Verein in der heutigen Zeit diese Möglichkeiten nutzen. Social Media ist nicht ewig jung, wir

haben bald fast 6 Jahre Facebook, 4 Jahre Twitter etc. Da kann man keine ersten Gehversuche mehr starten, da sollte das Handwerkszeug schon sitzen. Verstanden haben leider erst die wenigsten Social Media und wie man die Fans richtig integriert. Wir tun unser Bestes hier Aufklärungsarbeit zu leisten😉

Jonathan sagt…: Wer nichts investiert, bekommt nix zurück

Hat Social Media nicht so einen extremen Charme, weil man zu den Fans kommunizieren kann, ohne auf einen Übermittler der Botschaft hoffen zu müssen, der am Ende die Message auch noch verfälscht? Ich sage NEIN! Der tatsächliche Charme, die eigentliche Kraft und der eigentliche Nutzen liegt nicht nur im Senden „ungefilterter“ Botschaften zum Fan, sondern im Empfangen des Feedbacks. Hier liegt doch die eigentliche Kraft verborgen.

Das Feedback erreicht den Klub oder die Organisation auf verschiedensten Wegen im Social Web. Ob es Beiträge sind, welche direkt an den Klub sind (z.B. ein Pinnwandeintrag auf der Facebook-Seite), indirekte Meinungsäußerungen (z.B. Diskussionen oder Artikel in Blogs) oder das Feedback auf einen Beitrag des Klubs im Social Web: Der Klub hat viele Möglichkeiten passiv wie aktiv das Feedback aufzunehmen und Stimmungen, Ideen und Anregungen aufzusaugen.

Wer hier die Chance vergibt, sich – soweit es denn die Möglichkeiten der Organisation zulassen – Teil dieser Diskussion zu werden, der ignoriert die Kraft des Social Webs und glaubt immer noch daran, dass die qualitativen Kennzahlen die einzigen Möglichkeiten sind ein Engagement und dessen Erfolg zu bemessen. Ob es der Hinweis auf redaktioneller Ebene, die Meldung einer technischen Fehlfunktion einer Facebook-App, die Qualitätssicherung oder Preisfindung für Tickets oder Merchandising ist: Feedback ist garantiert und hilft eigene Maßnahmen zu überprüfen und überdenken.

Trotzdem sind auch hier gewisse Grenzen gesetzt, welche den Mehrwert der Rückkopplung mit den Fans und Nutzern schmälern. Eine Facebook-Page mit 1.000.000 Fans und unzähligen Kommentaren, lässt, sich was das Feedback anbelangt, nicht ohne immensen zeitlichen Aufwand auswerten. D.h. aber noch lange nicht, dass der FC Barcelona oder Manchester United ihre Followerschaft im Netz nicht eben für dieses so wertvolle Feedback nutzen können. Die 20 Millionen Fans starke Facebook-Seite ist nur dann die falsche Plattform.

Bild: flickr.com / naufragoenlasopa

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