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die vier am eck – gedanken zu social media und sport #12

Sind es wirklich schon drei Monate? Oder besser 12 mal vier am eck? Die Zeit vergeht in Windeseile. Um eure nicht allzu lange zu beanspruchen kommen wir direkt zur Sache: Die Idee hinter „die vier am eck“ ist relativ einfach: Jede Woche setzen sich vier von uns Verrückten zusammen und diskutieren eine These zu Social Media und Sport (und darüber hinaus).

These: Klassische Medien verlieren den Zugang zu Sportlern, sobald diese Social Media für den direkten Austausch entdecken

Georg sagt: Sportler brauchen die herkömmlichen Medien nicht mehr, wenn ein gewisser Schwellenwert überschritten ist

Social Media ist direkter Dialog zwischen Sender und Rezipient. Wenn also ein Athlet direkt mit seinen Fans kommuniziert ist (im Idealfall) keine Agentur zwischengeschaltet, kein Medium als Filter involviert und auch sonst gibt es keine Hindernisse für die Message an den Fan.

Soweit so gut. Die unredigierte Meinung erreicht den Fan – kein Journalist redet dem Athleten drein und seine Aussagen werden nicht zerpflückt oder umgedreht. So gesehen ist es der perfekte Kommunikationsfluss, der Sportler braucht die herkömmlichen Medien nicht mehr.

Nun ist das vielleicht zutreffend für die – salopp formuliert – oberen 10.000 Sportler. Die Wayne Rooneys, LeBron James‘ und Chad Ochocincos dieser Welt haben schon die Reichweite, dass sie ihre Fans tatsächlich erreichen können. Medien die sich DAZUschalten und nicht DAZWISCHENschalten verstärken das nur. Der Average-Joe in der 2. Fußballbundesliga braucht hingegen die Medien weiterhin, um ins Gespräch zu kommen und sich überhaupt erst einmal zu positionieren.

Ich glaube daher, dass es einen Schwellenwert geben kann, ab dem Sportler tatsächlich darauf verzichten können, mit den Medien zu reden. Wo dieser liegt, kann durchaus Thema zukünftiger Diskussionen sein.

Daniel sagt: Warum über Bande spielen, wenn ich nicht muss? Es geht um klare Aussagen im Kontext, nicht um journalistische Trickshots

So ziemlich jeder Sportler, dessen Aussagen durch einen Journalisten aus dem Kontext gerissen wurden und dadurch hohe (und nicht selten unangenehme) Wellen schlugen, dürfte sich gewünscht haben, dass man ihm nicht die Worte im Munde verdreht. Man könnte daraus eine Grundsatzdiskussion über journalistischen Ethos, den Druck auf die Medienmacher die beste Schlagzeile zu liefern und der nicht immer überlegten Wortwahl der Athleten spinnen … aber das sprengt den Rahmen.

Lieber verweise ich auf Best Pratice Rio Ferdinand, der Journalisten eben dies ins Gesicht fragte, als sie wissen wollten, warum er kaum noch Interviews gibt.

Sometimes I’d speak to a journalist, but you wonder to yourself, ‘why do I speak to them if they are going to spin it?’ when I can just say it here myself on Twitter and it shouldn’t get taken out of context. If it does, people can always refer back and see that I didn’t really say what is being claimed – that happened to begin with but you get reported on a little bit more closer to the truth in situations like that. Twitter is the best way to do it for me. The main word is control. via thedrum.co.uk

Oder aber Manuel Neuer, der per Facebook bekannt gab, dass er seinen Vertrag nicht verlängert und damit allen Spekulationen ein Ende setzte, ohne jemanden medial zu bevorzugen –  mit Ausnahme der Fans. Oder aber Sami Khedira, der nicht nur nach seinem Wechsel zu Real Madrid über die Notizen-Funktion Updates an seine Fans rausgab, sondern auch während seiner Verletzungspause (mittlerweile aber leider wieder damit aufgehört hat). Oder aber Rajon Rondo, der per Twitter zur Schnitzeljagd auf Tickets und Goodies lud

Sie alle haben eines gemeinsam: sie verzichten auf die klassischen Medien, um mit ihren Stakeholdern, den Fans, im Kontakt zu bleiben und scheren sich dafür auch nicht um die maximale Reichweite, die eine Boulevard-Zeitung zum Beispiel haben könnte. So scheint es zumindest. Man kann nicht in die Köpfe der von den Medien umschwärmten Stars schauen, aber der Eindruck, dass man lieber Fan-Qualität statt –Quantität erreichen möchte, etabliert sich immer mehr. Aber, und Ferdinand sagte es bereits, es geht auch um Kontrolle. In der Hand zu haben, was man sagt und wie es publiziert wird.

Was bleibt den klassischen Medien da noch? Vielleicht wirklich ein Besinnen auf die Kernaufgabe ihres Geschäfts: Information, nicht Sensation. Bis dahin dürften wir noch ein paar interessante Fälle sehen, in denen sich Sportler denken „online first in control“.

Hauke sagt: Die klassischen Medien verlieren nicht den Zugang zu Sportlern, sollten allerdings ihre inhaltlichen Schwerpunkte an die Veränderungen anpassen.

Was ist die nahe liegenste Quelle für Informationen über den eigenen Lieblingssportler? Klar, der Sportler hat auf den ersten Blick die beste Ausgangsposition. Er hat im Social Web die Möglichkeit, eigenständig Informationen an seine Fans weiterzugeben. Er kann interessante Einblicke in Bereiche bieten, nach denen sich klassische Medien die Finger lecken würden. Der entscheidende Vorteil: Die Wahrheit kann doch nur unmittelbar vom Sportler selbst kommen. Wie Wolfsburgs Marcel Schäfer zuletzt im Interview bestätigte, ist das Social Web perfekt dafür geeignet, Unwahrheiten und/oder Gerüchte klarzustellen.

Je mehr der Sportler bei einer ehrlichen Aussage und einer klaren, eigenen Meinung bleibt, desto mehr wird der Fan den direkten Austausch der Informationsbeschaffung über klassische Medien vorziehen. Es geht nicht darum, dass die Informationen vollkommen objektiv sind. Das (Online-)Publikum hat allerdings ein Gespür dafür, ob die Aussagen echt sind. Gespielte schöne Welt wird schneller entlarvt, als es dem Sportler – bzw. dem verantwortlichen Arbeitgeber, Berater oder Sponsor des Sportlers – Recht sein kann.

Allerdings bleibt die Kernleistung des Sportlers immer der Sport, und nicht die Dokumentation seines (Privat-)Lebens. Somit wird erstens nicht jeder Sportler Social Media für den direkten Austausch mit seinen Fans wählen und zweitens nur Zeit für das Verfassen von kurzen Informationsschnipseln bleiben. Klassische Medien verlieren ihren Zugang zu Sportlern niemals völlig. Der Schwerpunkt ihrer Berichterstattung verlagert sich einfach. Klassische Medien sollten sich auf ihre Stärken fokussieren. Hier sehe ich Objektivität, Ausführlichkeit und Fachwissen als entscheidende Säulen.

Drei Beispiele für meine Sicht der zukünftigen Zuständigkeiten in der Berichterstattung:

Bei den Sportlern sehe ich das kurze Posten von Ergebnissen, Insights und Emotionen nach dem erfolgreichen Spiel.
Bei den klassischen Medien hingegen sehe ich die Analyse und objektive Bewertung von Geschehnissen. So zum Beispiel Vergleiche der Spielsysteme und deren Auswirkungen auf den Ausgang von Spielen.

Bei den Sportlern sehe ich das spontane, hochaktuelle Foto des Sportlers aus dem Teambus.
Bei den klassischen Medien hingegen sehe ich den detaillierten Hintergrundbericht, der die gesamte Karriere des Sportlers berücksichtigt. Spontan fällt mir hier der Artikel “Der Nabel ihrer Welt” als positives Beispiel ein.

Bei den Sportlern sehe ich den klaren Fokus auf dem Betrachten der eigenen Leistungen bzw. denen des eigenen Teams.
Bei den klassischen Medien hingegen sehe ich die Herstellung von Verbindungen über die Mannschaft des Sportlers, die Liga oder die Sportart hinweg. Warum nicht zum Beispiel einmal ein Vergleich samt Bewertung verschiedener Aussagen von Sportlern auf den verschiedenen Kommunikatonskanälen des Social Web und die virtuellen Reaktionen der Fans darauf? Oder die Versorgung der Fans mit Informationen darüber, wo (und wie) sie mit ihren Lieblingssportlern in direkten Austausch treten können?

Jonathan sagt: Klassische Medien können nur gewinnen – wenn sie es denn verstehen für ihre Zwecke richtig einzusetzen

Social Media oder besser Athleten welche eben diese für sich entdeckt haben bieten den klassischen Medien zusätzliche und neue Möglichkeiten um schnell, ungefiltert an Aussagen und Insights zu kommen. Gleichzeitig ist eben genau dies eine riesen Chance für die Athleten Leser in Magazinen und Zeitungen zu erreichen in welchen sie so niemals stattgefunden hätten. Beispiel gefällig? Gerne:

Im vergangenen Sommer fand die EuroBasket (Europameisterschaft im Basketball) in Litauen statt. Das dominierende Thema war aus deutscher Sicht Dirk Nowitzki und unter ferner liefen ließ sich „das Team um Bundestrainer Bauermann“ finden. Einzelne Athleten waren – bis auf den Wühlbüffel Chris Kaman – eher selten in den klassischen Medien zu finden.

Zum Beginn der EuroBasket startete Nationalspieler Philipp Schwethelm seine Page auf Facebook und berichtete völlig frei von seinen Erlebnissen abseits des Feldes in Litauen. Dabei konnte nicht nur der Fan spüren welch einzigartiger Teamgeist dort vor Ort vorherrschen mochte, welchen Spaß die Jungs dort gemeinsam hatten und wie nahbar und  bodenständig sie geblieben sind.

Nein, dies blieb auch der BILD nicht verborgen. Auf der Startseite von BILD.de (aktuell 12 Mio Unique User/Monat) ließ sich dann ein Container finden, welcher direkt auf den Artikel zu den Nationalspielern, den Bildern welche auf der Facebook-Page von Schwethelm eingestellt wurden verlinkt. Der Artikel berichtete positiv über den Teamgeist und die Nähe der Athleten zu ihren Fans via Facebook. Auf sehr eigenartige Weise wurde der Artikel wieder von der Website genommen und alle Spuren im Netz verwischt. Scheinbar haben einige noch immer nicht begriffen, welche Chancen in der direkten Kommunikation des Athleten liegen.

Bild: flickr.com / kiewic

3 thoughts on “die vier am eck – gedanken zu social media und sport #12

  1. Sehr rundes Ding mal wieder. In all euren Thesen steckt eine Menge Wahrheit. Die Social Media Accounts von Sportlern (allein) dürften dem Sportjournalismus wenig anhaben. Nicht nur Objektivität und Analyse kann man von den Sportlern nicht erwarten, es ist als Fan auch unmöglich alle wichtigen und interessanten Sportler im Social Web regelmäßig zu verfolgen. Und ich denke auch, dass hier ein interessanter Ansatzpunkt ist. Natürlich kann man als Medium auch selbst versuchen das ein oder andere Interview mit einem beliebten Sportler den Fans zu öffnen und per Livestream anbieten (wie z.B. Facebook Live etc.) und sich noch mehr in diese Richtung öffnen.

    Sensationen und Skandale werden trotz allem nicht ausbleiben, aber das allein wird in Zukunft wohl nicht mehr reichen..

  2. Interessant wird auch sein, wie Vereine und Verbände damit klar kommen, dass Sportler zunehmend bessere Möglichkeiten haben, zum Berichterstatter in eigener Sache zu werden. Wie Vereine und Verbände also klar kommen mit dem Kontrollverlust und, vielleicht noch wichtiger, damit, dass ihre TV-Rechte an Wert verlieren könnten, wenn die Sportler – bzw. eine bestimmte Gruppe von Sportlern – die Medien nicht mehr braucht. Das Thema Social-Media-Verbote für Sportler ist ja immer noch aktuell (siehe die laufende Rugby-WM). Und das, obwohl Social-Media-Restriktionen in der Regel das Recht auf freie Meinungsäußerung verletzen (Eric P. Robinson hat das vor rund einem Jahr anhand einiger Beispiele aus dem US-Collegesport beschrieben: http://tinyurl.com/5w5saru).

  3. stimme den vorrednern zu, aber: wie sicher ist es bzw. wie selten kommt es wirklich vor, dass keine agentur oder kein berater dazwischengeschaltet ist? hier wittern doch auch viele ihre (zusätzliche) chance. und der „optimistische“ gedanke mit der wahrheitsfindung und -sicherung ist meiner meinung nach zwar löblich, aber wie viele sportler nutzen die kanäle einfach um sich noch weiter, noch besser und noch penetranter zu vermarkten? wie in allen dingen ist generalverdacht oder -lob wohl nicht angebracht. aber wenn ich mir das aktuelle beispiel maria riesch anschaue… ich denke hier müssen alle guten gedanken über board geworfen werden – socialmedia als ergänzung für (entschuldigt den ausdruck) die totale vermarktung. und der sport… der geht verloren…
    und um die these nicht komplett aus den augen zu verlieren – ähnlich wie unternehmen werden auch sportler merken, dass socialmedia ein bestandteil ihres persönlichen kommuikationsmix ist. wo jedoch die schwerpunkte liegen, entscheidet jeder selbst – und hier kann sicherlich der sportler dann auch (wenn er es denn will) sich seine eigenen freiräume schaffen und ohne große verluste in der öffentlichen wahrnehmung seine präferierten medien definieren und ggf. aussuchen.

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