am_eck

die vier am eck – gedanken zu social media und sport #11

Heute knallt es, meinte Jonathan, als er die These des Tages vorgab. Ob er Recht behält, sehen wir nicht nach der nächsten Maus, sondern direkt im Anschluss an die übliche Einführung. So here we go … Die Idee hinter „die vier am eck“ ist relativ einfach: Jede Woche setzen sich vier von uns Verrückten zusammen und diskutieren eine These zu Social Media und Sport (und darüber hinaus).

These: Die Profiklubs haben Angst vor dem direkten Austausch, der ihnen sonst nur beim Spiel ins Gesicht schlagen wir.


Georg sagt: Das Stadion bietet eine Bühne. Das Social Web ebenfalls.

Im Stadion wird Meinung in Form von Spruchbändern, Plakaten oder Chants kundgetan. Ob Dietmar Hopp im Fadenkreuz der Fans ist, gegnerische Torhüter als Puppe symbolhaft erhängt werden oder sonst irgendein verrücktes Zeug in den Stadien aufgeführt wird – der Grund ist meist der selbe: Das Stadion bietet eine Bühne. Öffentlichkeit, Medienaufmerksamkeit und Selbstdarstellungsdrang Einzelner ist einfach zu bedienen.

Das Social Web bietet diese Möglichkeiten ebenfalls. Das führt dazu, dass sich für die Interessen mancher Fans schnell mal eine Bühne findet, sofern sie Gehör finden und auf Zuspruch stoßen. Da finden sich dann schnell mal ein paar hundert User, die eine Facebook Fanpage gründen mit Titel wie „Trainer XYZ raus!“ oder „ABC for Nationalteamcoach!“ Derlei Meinungsäußerung ist noch viel einfacher als ein Plakat oder sonstige Fanutensilien ins Stadion zu bringen.

Fanproteste und Meinungsäußerung sind, speziell im Fußball, Teil einer bewegten Sportkultur. Ob im Stadion oder auf der Facebook-Pinnwand macht dabei keinen Unterschied. Die Message kann die selbe sein. Dennoch gilt es, einen vernünftigen Umgang miteinander zu finden. Weder Zensur und Aussperren von Fanmeinung, noch ungebremste Unmutsäußerungen in Form von Schimpftiraden und Hasspostings können der Weg sein. Netiquette, Moderation & Co. können Clubs hierbei helfen. Diese sollten von Spezialisten (wie uns ;-)) formuliert werden, denn Beratung ist nicht gleich Beratung, wie wir in
vorangegangenen ‚vier am eck‚-Stories schon erläutert haben.

Jonathan sagt: Davon kann beileibe nicht die Rede sein. Zumindest, wenn man in die reale Welt schaut.

Die Vereine wissen schon sehr lange, welche Bedeutung Fan-Klubs und -Projekte für viele Klubs einnehmen sieht. Der Autausch ist dort schon seit langem vorhanden. Nur die Tiefe und die Akzeptanz in den höheren Ebenen der Klubs mag da unterschiedlich ausgeprägt sein. Am Ende des Tages steht dann viel zu häufig die Phrase „If it doesn’t make dollars, it doesn’t make sense“ im Raum.

Dabei wird die Qualität und der Mehrwert, den der Austausch mit dem Fan mit sich bringt, doch oftmals ein wenig unterschätzt. Der Fan ist eben nicht nur der Fahnen-schwingende und Bier-trinkende Chaot in der Kurve, der nur Samstags seinen Klub zum Sieg brüllen will. Nein, vielmehr beschäftigt er sich tagein, tagaus mit seinem Klub, Ideen und Problemen, welche er für wichtig hält!

Aber – und jetzt kommt der interessante Punkt – er beschäftigt sich auch mit Lösungen und bietet sie seinem Klub an. Ein Wissen, welches das Schwingen von Fahnen und Erfahrungen aus Beruf und Alltag kombiniert und dann auch noch kostenlos angeboten wird, würde doch den einen oder anderen der ROI-fixierten Entscheider interessieren und begeistern können. Eine Begeisterung, welche die Schonungslosigkeit im Aufdecken eigener Fehler gegenüber dem Fan und der Ehrlichkeit im Austausch mit ihm voraussetzt.

Und eben diese ist in der digitalen Welt der Klubs doch oftmals nicht sonderlich tief ausgeprägt. Früher ließen sich unbequeme Meinungen in der digitalen Welt – lies das Fanforum auf der klubeigenen Website – einfach in die Weiten des WWW weg- und von der eigenen Plattform verbannen. Heute vernetzen sich die Fans wesentlich stärker und nutzen dabei alle möglichen Tools des Social Webs, um sich auszutauschen und zu organisieren. Das Ganze geschieht oftmals in der digitalen Welt und zeigt seine Auswirkungen in der realen. Doch dann ist es oftmals für die Vereine zu spät, um einem Problem sinnvoll und für beide Seiten zufriedenstellend lösungsorientiert zu begegnen. Zu verhärtet ist der Widerstand dann oftmals schon.

Deshalb muss der Austausch schon viel früher in der digitalen Welt gesucht werden. Hier lässt sich durch das reine Mitlesen aus Twitter, in Blogs oder Foren ein Gefühl für den Umgang und die Stimmungslage gewinnen. Der Klub kann also als stiller Mitleser eventuellen Missständen gegensteueren. Die ganz große Kunst liegt aber im direkten Austausch auf den verschiedenen Plattformen. Hier lässt sich eine Beziehung zu den Fans aufbauen, für Verständnis bei den Fans und für Meinungen selbiger sorgen.

Hauke sagt: Den direkten Austausch mit den Fans hat es stets gegeben. Auch abseits des Spieltages. Nur sind die Fans jetzt auch im Social Web höchst aktiv.

Der Fan kann sich im Social Web jederzeit äußern, den Profiklub jederzeit kontaktieren, zeitnahe Antworten erwarten und sich weltweit mit weiteren Fans zusammenfinden. Wenn sich eine größere Gruppierung mit einer bestimmten Meinung bildet, kann diese die öffentliche Meinung innerhalb aller Fans des Klubs auf jeden Fall mitgestalten.

Die Profiklubs haben keine Angst. Sie haben …

… wenig Know-How in Sachen Nutzung der neuen Möglichkeiten zur Generierung von Mehrwerten für Fans und Klub: Kenntnisse über den Umgang mit verschiedenen Tools, Veränderung von Hierarchieebenen, Netzjargon viele weitere Dinge werden bei den Ausflügen ins Social Web nicht beachtet. Schade ist, wenn aus Unwissenheit und Rückschlägen bei den ersten Gehversuchen eine Skepsis dem Neuen gegenüber entsteht.

… Respekt vor den unbekannten und daher unberechenbaren neuen Möglichkeiten der Fans, Kritik zu äußern: Dies gilt insbesondere für Zeiten des sportlichen Misserfolgs. Kritik wird definitiv eher dann konstruktiv geäußert, wenn man sie nicht von Angesicht zu Angesicht gegenüber steht. Das Internet bietet verschiedenste Stufen der Anonymität, die Kritikern Barrieren abbaut.

… zu wenige Ressourcen für die Beschäftigung mit den neuen Möglichkeiten des Social Webs: Wie in vielen anderen Unternehmen geht auch das Engagement der Profiklubs in vielen Fällen nicht über eine oberflächliche Beschäftigung mit den brandaktuellen Netzweltthemen hinaus. Die Masse an operativen Tätigkeiten des Berufsalltags verhindert oft den Weitblick. Bei einem Mangel an personellen und finanziellen Ressourcen kann der Profiklub zwangsläufig kein Gespür für den aktuellen Stellenwert des authentischen Austauschs und für zukünftige Entwicklungen im unbekannten Terrain entwickeln. Die Notwendigkeit von Veränderungsprozessen wird nicht gesehen; die entsprechenden Entscheidungen werden nicht getroffen.

Also, liebe Profiklubs: Bleibt bitte offen für Neues und sorgt dafür, dass stets genügend Ressourcen vorhanden sind, um sich mit Neuem zu beschäftigen.

Daniel sagt: Die Klubs haben keine Angst, sondern keine permanente Lust sich mit wütenden Fans auseinanderzusetzen. Verständlich, aber nicht gerade gesund.

Wir als beratendes Volk fordern immer wieder, dass man sich mit seinen Fans und Stakeholdern auseinandersetzen soll. Ganz besonders mit den schlecht gelaunten, die das meistens ja nicht ohne Grund sind. Aber seien wir doch einmal ganz ehrlich: Wer hat schon andauernd Lust darauf sich jeden Tag rumzuärgern? Wir selbst machen ja auch nicht jedes Fass auf, dass gerade in der Ecke steht. Vereinen und ihren ausführenden Angestellten für die Online-Kommunikation geht es da sicherlich nicht anders, was ja ganz menschlich ist. Nur haben sie keine große Wahl. Als Privatperson kann der Pressesprecher 2.0 Trouble aus dem Weg gehen, indem er einfach nicht sofort darauf reagiert. Das ist sein gutes Recht. In seinem Job funktioniert das allerdings nicht. Hier wird eben das von ihm erwartet. An den Fans dran sein und ihnen zuhören. Auch bei unangenehmen Themen, wenn es dem Klub dreckig geht und die Sorgen der Fans um „ihren Verein“ Überhand nehmen. Und wenn nicht er das tut, dann sollte der Fan-Beauftragte des Vereins wissen, was off- wie online vor sich geht.

Kritisch wird es erst, wenn sich niemand darum kümmert, was im Web diskutiert wird. Wo der Verein mit Informationen und Kommunikation nicht auftaucht, machen Spekulationen, Gerüchte und Falschinformationen die Runde.

Und jetzt überlegen wir einfach mal, was unangenehmer ist: ein unzufriedener Zusammenschluss von Fans, die auf der Facebook-Page oder im Forum des Vereins ihrem Unmut Luft machen, dort aber mit direkter Ansprache beruhigt werden können, oder aber ein wütender Mob, der sich nach der Niederlage wie verabredet zusammenrottet, um den Bus an der Abfahrt zu hindern oder das Spielfeld zu stürmen … Eben.

Online-Kommunikation am wie abseits des Spieltags ist harte Arbeit, die nicht nebenbei passiert und definitiv nicht immer Spaß macht, aber vieles erleichtern kann.

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