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die vier am eck – gedanken zu social media und sport #10

Erinnert ihr euch noch an letzte Woche? Wie wir uns über die Zukunft des Sports Gedanken gemacht haben und einhellig der Meinung waren, dass das Web dem TV früher oder später den Rang ablaufen wird. Nun gut, das Feld ist groß und die Gedanken dazu waren weitläufig. Darum knüpfen wir mit der zehnten Runde direkt daran an und widmen uns der These zweiter Teil. Hieß es jüngst noch „Die Zukunft des Sports liegt nicht im TV, sondern im Internet„, behaupten wir dieses Mal …

These: YouTube wird wichtiger als ESPN oder SKY Sports.

Hauke sagt …: Es geht um die Expertise, die man als Medium einbringen kann.

Abseits der klassischen TV-Sender bieten sich für die Übertragung von Live-Sport, die sich nur im Internet finden lassen. Dabei sind zwei entscheidende Faktoren von den Anbietern zu beachten:

1. Expertise in den Bereichen Sportjournalismus und Sportmanagement bzw. medialer Vermarktung von Profisport
2. Expertise im Bereich Userverhalten und -kommunikation im Internet

Klar ist: Die etablierten TV-Sportsender werden ihre Machtposition so schnell nicht aufgeben. Ihre Expertise liegt eindeutig im ersten Bereich. Aber es wird zu wenig kreativ und nur über die Einschaltquoten und klassischen Werbefinanzierungen hinweg gedacht. In der heutigen Zeit sind es meist die Entwickler von Technologien, die mit Neuerungen in den TV-Sport-Markt eindringen. So ermöglicht mir zum Beispiel erst der Festplattenrecorder das Stoppen des TV-Bildes während der Live-Übertragung. Und mein Provider für mobiles Internet ermöglicht mir mit seiner App das Schauen aller Bundesligapartien auf dem Smartphone. Solange ich Netz habe, ist es egal, wo ich dabei bin.

Sicher, neben der reinen Übertragung des Live-Bildes spielt die Qualität der journalistischen Angebote rund um das Live-Event eine große Rolle bei der Entscheidung für oder gegen einen TV-Sender. Wenn man dann an neuartige Phänomene wie das Co-Browsing denkt, das parallel zum TV-Konsum durchgeführte Surfen im Netz, werden die eigenen journalistischen Angebote der TV-Sender langfristig an Bedeutung verlieren. Die sinnvolle Aufbereitung der zahlreichen Inhalte aus dem Social Web wird hingegen immer wichtiger. Und somit führt zwangsläufig kein Weg an den Technologie-Schmieden des Internets vorbei.

Ob es nun YouTube, ESPN oder ein völlig anderes Unternehmen ist, das ein komplett neuartiges Angebot aus dem Boden stampft, ist nicht zwangsläufig entscheidend. Dem Sportfan ist gleich, wer ihm das gewünschte Bewegtbildangebot bietet. Er entscheidet sich für die beste Qualität und optimalen Zusatznutzen zum geringsten Aufwand.

Die Voraussetzungen für YouTube/Google sind mit einer riesigen User-Basis, ihren Technologien, ihrem Netzwelt-Know-How sowie einem netten finanziellen Polster allerdings grandios. Ein Mangel an Wissen besteht wohl in den Bereichen Sportjournalismus und Sportmanagement. Aufgrund der finanziellen Voraussetzungen sage ich: Noch. Fachliches Know-How und Expertise lassen sich nunmal wesentlich leichter einkaufen, denn technische Infrastrukturen komplett neu aufsetzen. Und wer weiß? Vielleicht schaue ich die Live-Sporthighlights ja zukünftig online bei YouTube, powered by ESPN.

Georg sagt: Broadcaster kleben auf ihren Verwertungsrechten wie die Glucken am Ei.

Ob YouTube mit ESPN konkurrieren kann? Oder sollte? Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, dass sich die beiden auch gut ergänzen könnten. Wie oft habt ihr schon ein Tor bei einem Fußballmatch im TV erlebt und wolltet
ein Video davon nach dem Spiel an einen Freund schicken, der das Spiel nicht gesehen hat? Wie oft wolltet ihr schon die Highlights eines Formel 1 Grand Prix online nachsehen, weil ihr keine Lust hattet wegen
dem Rennen in Suzuka nachts wachzubleiben? Mediatheken ja, schön und gut – aber YouTube als die größte Videoplattform könnte man doch durchaus ebenso bedienen. Großkunden wie SKY oder ESPN haben auch die
Möglichkeit eigene Werbung dazuzuschalten, um den Verlust der Werbefläche auf einer fremden Plattform wie YouTube so gering wie möglich zu halten.

Es geht um Geld. Um Verwertungsrechte. Und ich weiß, dass das ein schwieriges Thema ist. Dennoch sollten sich gerade die Broadcasting-Unternehmen wirklich gut überlegen, wie lange sie noch in der edlen Position sitzen, in der sie auf ihren Rechten wie die Glucken am Ei kleben können. Als ich die Nachricht gelesen habe, dass YouTube mit Fußballligen verhandelt, um Livespiele zu zeigen, war ich ganz außer mir. Denn das wäre der endgültige Durchbruch für YouTube im Sport. Portale wie FootyTube wären damit über Nacht aus dem Rennen, denn man kann dann ganz legal und einfach die Sportinhalte auf YouTube konsumieren.

Und ganz ehrlich: Ich würde sogar für ein Sportabo auf YouTube zahlen. Wenn ich mir die Inhalte auf den TV und sonstwohin streamen kann, eine Mediathek dabei habe etc. – warum denn nicht? Für SKY zahle ich schließlich ebenfalls.

Daniel sagt: Die Online-Angebote sind auf dem Vormarsch und YouTube könnte die Speerspitze bilden.

Es scheint wie die Faust aufs Auge zu passen, dass wir gerade jetzt dieses Thema diskutieren, während die Monopole für die Vermarktung der europäischen wie auch nationalen Wettbewerbe gekippt wird. Die Millionen bis Milliarden, die über die TV-Töpfe flossen, werden womöglich endlich dünner werden, wie es so lange schon vorhergesagt wurde. Für die Online-Angebote ist dies vielleicht die Lücke, auf die sie gewartet haben.

Interessant ist dabei auch eine Entwicklung, die sich jüngst im TV-Biz andeutet. „Touch“, eine neue Produktion mit Schauspieler Kiefer Sutherland, soll zum Beispiel, ähnlich einem Sport-Event, weltweit fast zeitgleich starten, um das Feedback aller viel schnelleren Fans und Zuschauer über den ganzen Globus verteilt mitnehmen zu können. Das sei effektiver und sinnvoller als jede Marktforschung und Marketinganalyse. Wenn man diese Erkenntnis nun auf den Sport ummünzen würde … wow!

Schon jetzt ist YouTube verdammt schnell, was das Liefern von Spielszenen betrifft, auch wenn diese nicht immer aus legalen Quellen entstammen und ebenso schnell wieder verschwinden, wie sie aufgetaucht sind. Wenn die nötigen Gelder umgeleitet werden würden, anstatt sie, wie Georg schon sagte, den Broadcastern, die auf ihren Rechten hocken, allein in den Rachen zu werfen, würden sich tatsächlich ungeahnte Möglichkeiten auftun. Man stelle sich wirklich einmal vor, was eine Kombination aus NBA LeaguePass und YouTube alles bewirken könnte. Die indische Cricket Liga ist, wie Hauke letzte Woche schon andeutete, bereits diesen Weg gegangen. Live-Übertragungen, gestreamt via YouTube.

Auch die englische FA testet das Format immer wieder aus und probiert es von PKs über Trainingseinheiten, bis irgendwann auch Länderspiele der Three Lions nicht auf SKY SPORTS und Co., sondern direkt und vielleicht sogar „exklusiv“ im Web stattfinden. Es ist eine Entwicklung, die Spaß machen wird.

Jonathan sagt: YouTube wird nicht wichtiger als ESPN oder Sky Sports – YouTube IST bereits wichtiger.

Nicht für die NBA, nicht für die Champions League, auch nicht für die Bundesliga! Sondern vielmehr für all die Sportarten die nicht im Rampenlicht der großen Sportarten und des breiten öffentlichen Interesses stehen. Grade wenn man den Blick auf den deutschen Sport-TV-Markt wirft, und die Verteilung der Sendezeiten sieht, dann merkt man vor welch herausforderungsvollen Hürde die Verantwortlichen der Volleyball-, Handball-, Eishockey- oder Basketball-Ligen stehen ihr Produkt im Free-TV zu platzieren.

Dabei geht es doch in erster Linie nicht darum sofort Vermarktungserlöse zu erzielen, sondern zukünftigen Partner das Potenzial, welches in der jeweiligen Liga liegt aufzuzeigen. Wer die Nutzer mit einem – einfach, kostengünstig und trotzdem qualitativ anschaulich produzierten (ja das soll doch tatsächlich möglich sein) – begeistern kann, profitiert auch von den einfachen Distributionsmöglichkeiten und der technisch sauberen und benutzerfreundlichen Einbindung von YouTube-Videos auf anderen Plattformen.

„Alles schön und gut“ wird sich der Geschäftsführer genau dieser Klubs sagen und im Hinterkopf haben, dass er jetzt schon mit seinen Angestellten am Limit läuft und ihnen nicht noch zusätzliche Aufgaben aufbinden kann. Aber so wie im Breitensport, sind auch im Profisport die Verrückten zu finden, die mit Herzblut und Ahnung von der Sache Videos produzieren können. Diese gilt es zu aktivieren. Grade die Klubs der genannten Sportarten haben mit der knappen Ressource Personal zu kämpfen und sind auf (Halb)Ehrenamtlichen angewiesen. Was gilt es also zu tun? Sowohl in der realen als auch in der digitalen Welt können diese Personen die Inhalte auf hohem Niveau produzieren gefunden werden.

Die Wege zu den Fans in der realen Welt kennt jeder Klub für sich am besten und pflegt diese Beziehung hoffentlich auch intensiv, so dass es ein leichtes sein wird die erforderlichen Kräfte zu rekrutieren. Money can´t buy Preise (z.B. All Area Access vor, während und nach dem Spiel) werden genügend Argumente liefern um Begeisterung und Bereitschaft zu schüren. In der digitalen Welt braucht man nur mit den einschlägigen Suchbegriffen bewaffnet auf YouTube losziehen. Schon erhält man in kürzester Zeit nicht nur die jeweiligen Nutzer, welche die Videos produzieren, sondern kann anhand der Qualität der Beiträge schnell beurteilen welches Potenzial in den einzelnen Nutzern schlummert.

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