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die vier am eck – gedanken zu social media und sport #9

Gut Ding will Weile haben. Gerade dann, wenn man sich der Zukunft des Sports widmet. So wie wir in der heutigen Ausgabe unserer „vier am eck“, die übrigens ein Cliffhanger sein wird. Doch genug gespoilert, here we go.

Die Idee hinter „die vier am eck“ ist relativ einfach: Jede Woche setzen sich vier von uns Verrückten zusammen und diskutieren eine These zu Social Media und Sport.

These: Die Zukunft des Sports liegt nicht im TV, sondern im Internet.

Jonathan sagt …: Das Internet wird am Thron des Fernsehens als Sport-Medium Nummer eins rütteln, aber so bald noch keinen Umbruch erwirken.

Wenn man den die großen Ligen im deutschen Sport betrachtet, dann kann man das durchaus bejahen. Die Fußball-Bundesliga stößt mit ihren Einnahmen auf dem einheimischen Markt an ihre Grenzen. Also werden seit einigen Jahren erfolgreich neue Märkte erschlossen. Da spielt das Internet eine nicht unwesentliche Rolle um Interessen am Produkt zu wecken, aus Interesseierten Fans zu machen und auf diesem Wege weitere Erlöse zu erzielen.

Ähnlich geht es auch der HBL, Beko BBL und der DEL. Sie stehen, was die Berichterstattung im deutschen Free-TV anbelangt, ganz klar hinter dem Fußball an und vor der Herausforderung, ihren bestehenden Fans es zu ermöglichen, Bewegtbilder zu konsumieren und auch weitere Fans über Aufzeichnungen und Live-Streams zu gewinnen. Die sinkenden Barrieren in der technischen Umsetzung und die zunehmende Verbreitung und Zugänglichkeit des Internets spielen beim Blick in die Zukunft des Sports keine unwesentliche Rolle.

Ob das Internet allerdings ein Mächteverhältnis, wie es im deutschen Sport seit jeher zementiert scheint, verändern kann, bezweifle ich stark. Zumindest nicht so schnell. Es ermöglicht eine einfachere und damit auch tiefere Durchdringung spitzer und weiter Zielgruppen. Der Heilsbringer ist es allerdings nicht. Letztendlich bleibt der Sport und das Geschehen auf dem Platz der entscheidende Treiber für den Erfolg einer Sportart.

Georg sagt …: Gebt uns Sportfans, was WIR wollen …!

… oder zumindest nicht in herkömmlichen Übertragungstechniken wie Satelliten- oder Kabel TV. Das Internet wird ein immer wichtigerer Faktor bei Sportübertragungen – mobil und überall verfügbar, on Demand
oder live. Keine Grenzen in den Möglichkeiten. „Immer weiter. Immer weiter …“, um Oliver Kahn zu zitieren. Angebote wie SKY Go, mit dem man am iPad oder am Smartphone die Mediathek abrufen oder Liveangebote genießen kann. Livestreams aus der italienischen Serie A oder der spanischen Primera Division über laola1.tv – all das sind nur einige Auszüge aus der schönen neuen Mediensportwelt.

Während in den USA schon Gamepasses aus der NFL für jeden Verein gekauft werden können, hinken wir in Europa noch weit hinterher. In Österreich gibt es beispielsweise den Kabel-Provider UPC. Früher hat man über UPC ein SKY Abo abschließen können. Weil UPC als Provider aber in Rechtsstreitigkeiten mit SKY liegt, ist es seit Monaten nicht möglich ein Abo mit SKY abzuschließen! Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Tausende zahlungswillige Kabel-TV-Kunden, die auf Grund von irgendwelchen Rechtsstreitigkeiten ihres Providers kein Pay-TV empfangen können, um zu sehen, was sie wirklich wollen! Da lobe ich mir noch mein Satelliten-TV. Doch allzu sehr abhängig machen möchte ich mich davon auch nicht. Stichwort Unwetter. Was freue ich mich schon auf Schnee und Eis im Winter … und Bildstörungen.

Gebt uns Sportfans, was wir wollen: Pay-TV on demand oder live und vor allem eines – online!

Daniel sagt …: Das Internet ergänzt das Fernsehen im Moment noch, aber das wird sich ändern. Bald.

Wer in der letzten Zeit beobachtet hat, welche Entwicklungen allein Richard Gutjahr mit seinem neuen Projekt Rundshow aufzeigt, der kann sich denken, wohin die Reise gehen wird. Man könnte genauso gut Buzzword-Bingo spielen: User generated, customized, interaktiv, informativ, on demand, live, advanced, … Sportübertragungen bieten schon jetzt über die klassischen Einblendungen von Statistiken, dem Einblenden der Abseitslinie als Augmented Reality und sonstigen Grafiken wie Laufweg-Analysen während und nach dem Spiel eine enorme Bandbreite an Zusatzinformationen. Und ja, ich rede hierbei von den Übertragungen von Fußball-Spielen, die wirklich noch extrem konservativ geführt werden, wenn man sieht, was zum Beispiel in den US of A möglich ist. Allein der Gedanke eines simplen Kommentatoren-Duos während der Spiele ist in Deutschland so gut wie ausgeschlossen. Oder noch besser: die Option ein Spiel ohne Kommentator sehen zu können, wenn man will. Und ganz ehrlich: ich habe mehr als einmal ein Spiel im TV verfolgt, bei abgeschaltetem Ton und dem Fan-Radio des Vereins als Kommentatoren-Ersatz, da einfach besser und leidenschaftlicher …

Sport-Übertragungen beschränken sich (bei uns) noch viel zu häufig darauf nur das Publikum vor dem (Fernseh-)Bildschirm zu bedienen, zu informieren und zu unterhalten. Aber an den kleinen Screens auf Laptop, Smartphone und sonstigem mobile Device wie Tablet und Co., da geht der Punk ab. Jeder Pass, jedes Foul und jede Flanke wird kommentiert und von den Fans analysiert. Und trotzdem wird man diesem Publikum noch viel zu selten gerecht. Allein zu sehen, wie die US-Ligen es schaffen während der Spiele Live-Diskussionen auf Facebook zu führen, via Twitter Fragen an die Analysten und Experten im Studio schicken zu lassen und mit Applikationen Ticker, Stats und Co. zu liefern, treibt dem hiesigen Fan Tränen der Freude und des Unglaubens in die Augen.

Im Grunde stehen wir – insbesondere im Sport – vor einer Entwicklung, die meiner Meinung nach in drei Schritten stattfinden wird bzw. schon läuft: Schritt eins ist das stringente Senden von Events mit paralleler Berichterstattung über das eine Medium TV, wie wir es seit jeher kennen und noch lange vorfinden werden. Schritt zwei ist das Anreichern dieses stringenten Sendens durch externe Services aus dem Netz, die zum jetzigen Zeitpunkt mehr und mehr eingebunden werden, wenn auch sehr zaghaft. Wie gesagt, die Staaten sind da wieder einen großen Schritt voraus, aber auch Asien und Südamerika sind da einen riesigen Schritt weiter. Schritt drei wird das vollständige Auflösen von fixen Programmen auf einem Sendeplatz sein, der ein komplett frei wählbares Menü an Content, Informationen und all dem Rest ermöglicht.

Bei Filmen kennen wir dieses Auflösen des Sendeprogramms bereits, da wir hier von Inhalten sprechen, die „am Stück“ und unabhängig von allem anderen präsentiert werden können. Sport-Übertragungen sind durch ihre zeitliche Komponente „Anpfiff zu Abpfiff bzw. Schlusssirene“ jedoch in einen Rahmen gepresst, der unzerstörbar scheint, es aber definitiv nicht ist. Und ich freue mich schon darauf, wenn es endlich soweit sein wird, dass Fans komplett frei sein werden.

Hauke sagt …: Vielfältiger. Flexibler. Das Netz kann als das sein, was dem Fernsehen nicht möglich ist.

Ich denke, dass die technischen Möglichkeiten und die Nachfrage der User nach ergänzenden Informationen auf jeden Fall dazu führen, dass sich der Zuschauer in Zukunft zwangsläufig für das Internet-Angebot entscheidet. Vielfältiger, flexibler. Unternehmen verschiedener Branchen sehen ihre Chance, den klassischen TV-Sendern den Kampf anzusagen. Und sie versuchen es. Aber wir müssen uns auch dabei ein paar Fragen stellen.

1.: Wie verändern sich unsere Gewohnheiten? – Sport wird live geschaut. Bist du unterwegs, gibt es heutzutage Applikationen für Smartphones und Tablets, die Ton und Bewegtbild bieten. Und Zusatzinformationen sind Trumpf. Dies können Informationen sein, die man parallel zum klassischen TV-Bild verfolgt bzw. selbst verbreitet, und auch Informationen, die die neuartigen Geräte und Applikationen überhaupt erst ermöglichen.

Ein Beispiel: Sehr begeistert hat mich in der Hinsicht das digitale Angebot zum Finalturnier der amerikanischen College-Basketballliga NCAA. Angeschaut habe ich mir die Spiele der sogenannten „March Madness“ über den kostenfreien (und werbefinanzierten) Live-Player im Internet. Statistiken konnte man sich über verschiedene Layer individuell zuschalten. Zusätzlich habe ich mir in der offiziellen iPhone-App diverse Benachrichtigungen eingestellt, um bei den vielen parallel laufenden Spielen keine wichtigen Szenen, knappe Spielendscheidungen und/oder Sensationssiege zu verpassen. Bei den späten Übertragungszeiten aus den USA hat mich die App sogar mehrere Male aus dem Schlaf geholt, um mich auf die Endphase eines sehr knappen Spiels hinzuweisen.

2. Wer wird uns in Zukunft auf welchen Plattformen mit Live-Sport versorgen? – Schaut man sich die Qualität der Videoübertragungen über das (mobile) Internet an, so ist hinsichtlich der Bandbreite eine sehr positive Entwicklung zu beobachten. In diesem Jahr habe ich eine ganze Reihe an Playoff-Begegnungen der NBA über den offiziellen NBA League Pass im Internet geschaut. Die Qualität war abgesehen von wenigen minimalen Schwankungen im Videostream überraschend gut.

Dem User ist es – eine gewisse minimale Video-Qualität vorausgesetzt – relativ egal, von wem die Inhalte kommen und auf welcher Plattform sie laufen. Er schaut sich an, wie Qualität und zusätzliche Leistungen im Vergleich zum Aufwand stehen. Dass bei den heutigen technischen Möglichkeiten auch Unternehmen und Organisationen abseits der klassischen TV-Sender mit Übertragungen von Live-Sport über das Internet sympathisieren, ist ebenso wenig überraschend wie selbstverständlich. Anbei vier Branchen und dazugehörige Beispiele, über die man sicherlich jeweils eigene Blogposts verfassen könnte:

Sportbranche: Die NBA stellt als originärer Rechteinhaber mit dem League Pass ein eigenes kostenpflichtiges, hochqualitatives Angebot im Internet zur Verfügung.

IT-Branche: Google erwirbt die entsprechenden Lizenzen und überträgt die Spiele der indischen Cricket Liga kostenfrei über das eigene Videoportal YouTube.

Klassische Fernsehsender: Sport1 streamt Handball- und Basketball-Bundesligapartien parallel zum TV-Programm live über ihren YouTube Channel.

Hersteller von Konsumgütern: Budweiser UK überträgt ein Fußballspiel des britischen FA Cup auf seiner Facebook-Page.

Dies ist eine Auswahl an Beispielen für die besagte Entwicklung. Wir freuen uns auf Ergänzungen im Kommentarbereich😉

5 thoughts on “die vier am eck – gedanken zu social media und sport #9

  1. @ Georg: Diese Streitigkeiten zwischen sky und UPC – nebst der Tatsache des schrecklichen Kundenservice bei UPC und des schwachen, dafür aber teuren sky-Angebots (keine Deutsche Bundesliga über UPC) haben mich dereinst dazu bewogen, meinen UPC-Vertrag zu kündigen.😉

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