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die vier am eck – gedanken zu social media und sport #8

Feine Sache, dieses Social Web. Es macht uns freier, gibt Tools an die Hand und erleichtert uns als Fans das Leben. Und darum soll es heute bei uns gehen.

Die Idee hinter „die vier am eck“ ist relativ einfach: Jede Woche setzen sich vier von uns Verrückten zusammen und diskutieren eine These zu Social Media und Sport.

These: Das Social Web hat aus mündigen Fans kreative Selbstversorger gemacht.

Georg sagt …: Das Medienangebot lädt ein, sich selbst zu versorgen und noch mündiger zu werden.

Wochenende, Nachmittag, Bundesliga. Fernseher einschalten und Fußball gucken. Nachberichterstattung mitverfolgen, vielleicht dann noch die Sportschau. Alles übersichtlich, quasi nach Hause auf den Tisch geliefert. Man muss sich über nichts Gedanken machen.

Man konnte sich aber auch nicht viel mehr Gedanken machen. Jetzt ist das Social Web in all seinen Facetten da. Twitter, Facebook, YouTube & Co. … Auf YouTube kann man Spielbesprechungen von Fans ansehen, per Twitter lesen, ob David Alaba mit den Bayern schon in München gelandet ist, und auf Facebook können wir früher als im TV die Aufstellung unserer Lieblingsmannschaft finden.

Man hat die Qual der Wahl, woher man seine Informationen nimmt. Wenn ich wissen will, was es neues zu Marko Arnautovic gibt, dann klicke ich auf die Werder-Fanpage und lese, wie er sich im Training gemacht
hat, oder ich lese auf Twitter, was er postet, und wenn ich noch mehr lesen will, dann lese ich mir über 1.000 Seiten im Werderforum durch. Denn Diskussionsforen sind schließlich auch eine Urform des Social
Webs.

Wesentlich ist aber immer, dass das Angebot größer wird. Das Angebot an Infos für Sportfans erfährt gerade durch User Generated Content eine unglaubliche Vergrößerung, von der letztlich auch die Sportvereine profitieren. Das bunte Angebot, das neben dem UGC auch die vereinseigenen Inhalte beinhaltet, lädt den Fan dazu ein sich selbst zu versorgen und zu einem noch mündigeren Konsumenten zu werden.

Hauke sagt …: Das Social Web könnte die Fans noch viel kreativer machen und aus ihrer Mündigkeit befreien, wenn die Vereine (unter unserer Anleitung) zeigen würden, was möglich ist.

Nein. Das Social Web bietet die Möglichkeiten, zum kreativen Selbstversorger zu werden. Lediglich interessierte und gleichzeitig netzaffine Menschen werden so automatisch zum kreativen Selbstversorger. Voraussetzungen für die Entwicklung sind das Verstehen der neuen Möglichkeiten, die Offenheit Neuem gegenüber sowie die Erkenntnis, einen persönlichen Nutzen aus diesem ziehen zu können.

Beispiel: Der Fußballfan mit eigenem Facebook-Account stellt fest, dass sein Lieblingsverein auf einer Facebook-Page mit Fans direkt kommuniziert. Er findet die Kommunikation sympathisch und steigt das erste Mal aktiv in die Kommunikation auf einer Facebook-Page ein. Grandios ist für ihn das Ergebnis auf eigene Anfrage hin eine exklusive Information über seinen Lieblingsspieler zu erhalten. Daraufhin stellt er fest, dass sein Spieler auf Twitter noch viel aktiver ist und legt sich auch hier einen Account an, um detailliertere Einblicke in das Leben eines Fußballstars zu bekommen.

Der entscheidende Punkt ist allerdings der Anfang: Der Fan muss erst einmal wissen, dass es das Angebot überhaupt gibt. Und er muss wissen, wie man mit dem entsprechenden Tool umgeht, um sich selbst mit relevanten Informationen zu versorgen. Genau dabei ist in den meisten Fällen Hilfe nötig. Ich denke, dass es an Menschen wie uns liegt, Fans die Möglichkeiten aufzuzeigen und sie anhand der Darlegung von eindeutigen Mehrwerten zum Einstieg ins Geschehen des Social Web zu bewegen. Eine große Hilfe wäre es, wenn Vereine, Sportler etc. nicht einfach nur ein Angebot einstellen, sondern ihren Fans aktiv dabei helfen, Einstiegsbarrieren für den Zugriff auf ihr Angebot abzubauen.

Beispiel: Der Verein stellt auf seiner Webpräsenz ganz simpel vor, wie man sich einen Twitter-Account anlegt und damit durch einen @-reply direkt mit der Geschäftsstelle in Kontakt treten kann um sich das kuriose Transfergerücht zeitnah bestätigen zu lassen.

Dafür würde es von mir ein riesiges #ilike geben. Sind euch Positivbeispiele bekannt?

Jonathan sagt …: Kreative Fans gab es schon immer. Sie können sich im Social Web nur besser organisieren und informieren.

Ich denke, dass man da ein wenig differenzieren muss. Das Social Web ist mit Sicherheit nicht das Allheilmittel gegen Krankheiten wie aufgesetzte Botschaften und vorgegebene Meinungen. Mündige Selbstversorger gab es auch schon vor Zeiten von Facebook, Blogs und Co. Nur die Anzahl war mit Sicherheit nicht vergleichbar mit der von heute, wo nahezu jeder (Profi-)Klub zahlreiche aktive Fans hat, welche in Blogs, Foren oder anderen Plattformen ihren persönlichen Ansichten Ausdruck verleihen. Die Vernetzung und der Austausch waren weniger global als regional ausgerichtet. Mit den ersten Foren gelang es aber Themen tiefer zu diskutieren und einer breiteren Masse zugänglich zu machen.

Im Laufe der Zeit und mit zunehmend sinkenden technischen Barrieren und steigender Vernetzung gelang es einfacher, unabhängiger und schneller Informationen und Meinungen zu verbreiten und sich darüber auszutauschen. Die verschiedenen Plattformen des Social Webs ermöglichen es also mehr Fans mit weniger großen technischen Verständnissen eigene Informationen zu diskutieren. Da ist es selbstverständlich, dass hier auch nur der Inhalt findet, welche der Fan sich wünscht und an anderen Stellen nicht findet. Insofern kann man durchaus sagen, dass das Social Web mehr Selbstversorger aktiviert hat.

Ganz egal ob Betreiber eines Fan-Forums, eines Blogs oder anderen Communities, Fans bilden sich ihre Meinung unabhängig von offiziellen Kanälen und abseits der Pressemitteilungen. Da ist es umso wichtiger, dass der Klub diese Plattformen identifiziert, analysiert und im Social Web mit den Fans in einen ernsthaften Austausch tritt. Und ja, oft tut Kritik weh, aber noch schöner ist das Lob von den Fans, wenn ihre Meinung erhört und als Inspiration für Fortschritt und Weiterentwicklung der Beziehung zwischen Klub und Fan genutzt und umgesetzt wurde.

Daniel sagt …: Das Social Web steigert die (un-)abhängigen Möglichkeiten der Fans, nicht die Kreativität und ihren Wissenshunger. Die gab es beide vorher schon zur Genüge.

Hat das Social Web die Fans wirklich kreativer gemacht? Ich sage ’nein‘. Aber es hat ihnen viel bessere Möglichkeiten an die Hand gegeben, um sich zu koordinieren, Informationen auszutauschen und quasi in Echtzeit auf den aktuellen Stand zu bringen. Sie sind nicht mehr so mündig, wie früher.

Wer genau hinsieht, der erkennt, dass diese Entwicklungen schon so lange bestehen, wie es Fans gibt. Das Social Web ist da mit Facebook, Twitter und Co. noch nicht einmal das Maß der Dinge. Blogs und Foren sind schon seit den Anfängen des „Mitmach-Webs“ die Basis zur Diskussion und Information. Mein liebstes Beispiel ist und bleibt das Forum von SchoenenDunk. Wenn ich etwas zum deutschen, europäischen oder US-Basketball wissen möchte, werde ich dort fündig, da sich so gut wie alle Begeisterten bis Experten, die irgendwann einmal zu Basketball geschrieben haben, hier ihre ersten Schritte taten und sich mit anderen die Köpfe heißredeten. Die Qualität des Outputs in den einzelnen Foren übersteigt das, was so manches vermeintliche Fachblatt von sich gibt, bei Weitem.

Für die Fans ist das ein informatives Mekka, um unabhängig und doch „from the inside“ Informationen zu kriegen, für die Vereine ist es die beste Möglichkeit mitzukriegen, was die Anhänger bewegt, sofern sie sich nicht über die anderen eingerichteten Kanäle melden – vorausgesetzt, die Fans wissen, dass es diese gibt, wie Hauke schon angedeutet hat.

One thought on “die vier am eck – gedanken zu social media und sport #8

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