momente die kein fan in der digitalen welt findet

momente die kein fan in der digitalen welt findet

500 PS dröhnen an ihm vorbei, der Wärter blafft schroff „Weg da“, schiebt ihn zur Seite und öffnet die Schranken. Der gelben Sportwagen mit den verdunkelten Scheiben passiert ihn ohne dass er auch nur einen Blick erhaschen konnte wer sich im Inneren befindet. Große, braune dunkle Augen starren dem Wagen hinterher bis er verschwunden ist und verlieren sich in der Leere.

Wenige Minuten später am Zaun zum Trainingsplatz steht er in Trikot mit der zehn, Schal und den Fingern und Nase im Zaungeländer. Der Blick fixiert seit 20 Minuten den Ausgang des Kabinentrakts. Die Freude ist groß. Die Enttäuschung von eben schon wieder vergessen. Ein breites Grinsen zieht sich durch sein Gesicht, als er die zehn im grün-weißen Trikot den Trainingsplatz betreten sieht.

Es kommt Bewegung in die bis grade noch wie eins mit dem matschigen Boden scheinende Menge. Der Star betritt das Feld, berührt kurz die Kreide auf dem Grün, flaxt mit einem Teamkollegen und dreht die ersten Runden um sich warm zu machen. Einige Passübungen und Torschüsse später ist das Training beendet und er entschwindet wieder in die Katakomben des Trainingsgebäudes.

Die Zeit vergeht und die Menge am Trainingsgelände verliert sich in der Vereinskneipe und auf den Wegen der Umgebung. Die Uhr tickt. Doch ihm scheint all das nichts auszumachen. Mit der Gewissheit dass „die Zehn“ das Trainingsgelände noch verlassen müsse macht er sich auf zum Tor. Neben dem Wärter angekommen vergeht erneut Minute um Minute bis der Sportwagen auf ein Neues das Tor passiert ohne dass er auch nur die entfernteste Chance gehabt hätte „seiner Zehn“ einmal zu sagen wie sehr er ihn verehrt.

Das einzige was bleibt, sind Erinnerungen. An den Sportwagen mit dem springenden Pferd, den er auch einmal fahren möchte wenn er groß ist. An den Moment als er fast ein Wort mit „der Zehn“ wechseln konnte. An den Moment als er das Auto kleiner und kleiner werden sah. An den Moment als sein Wunsch einmal mit „seiner Zehn“ zwei Sätze zu wechseln nie größer war als je zuvor. Es sind Momente die der kleine Junge so schnell nicht vergessen wird.

Heute sind zehn Jahre vergangen. Es ist viel so wie vorher: „Die Zehn“ ist immer noch aktiv. „Die Zehn“ ist immer noch in seinem Herzen. Es hat sich aber auch viel geändert: „Seine Zehn“ hat ihm Trikots unterschrieben. Sie haben Worte gewechselt wie es vorher nie möglich gewesen wär. Es ist die digitale Welt die es ihm möglich macht. Er weiß das sehr zu schätzen und fühlt sich nur noch verbundener mit dem Klub und „seiner Zehn.

Doch eins wird er nie vergessen: Und das ist der Moment als er die Treppen zur Tribüne erklomm und in das Rund des Stadion blickte. Nie vergessen wird er wie zum ersten Mal die Vereinshymne durch 30.000 kehlen durchs Stadion erklang und es ihm eiskalt den Rücken runter lief. Wie er gemeinsam in der Kurve das erste Tor seines Klubs feierte. Momente die ihm keiner nehmen wird. Momente die er in einer digitalen Welt nie finden wird.

Bild: Fickr.com / MasterWu

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