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die vier am eck – gedanken zu social media und sport #7

Sie scheinen aus dem Boden zu schießen, wie Pilze nach einem verregneten Frühling. Online-Profile von Spielern, die alles sind, aber bestimmt nicht im Sinne des kommunikativen Fair Play entstanden. Und das liegt zuweilen bis zumeist nicht einmal an den Akteuren selbst. Darum haben wir uns für heute das passende Thema für „die vier am eck“ ausgeguckt.

Die Idee hinter „die vier am eck“ ist relativ einfach: Jede Woche setzen sich vier von uns Verrückten zusammen und diskutieren eine These zu Social Media und Sport.

These: Spieleragenturen springen auf Social Media wie Fliegen auf die Sch***e und am Ende kommt nichts anderes dabei raus.

Georg sagt …: Kein Wunder, wenn nichts richtig funktioniert. Schablonenkonzepte funktionieren bei Massenware, nicht bei Individuen.

Alle Jahre wieder wird irgendeine Sau durchs Mediendorf getrieben. Während das vielleicht irgendwann mal der Bildschirmtext (damit habt ihr nicht gerechnet, gell?) war, ist es jetzt Social Media. Und so ist natürlich auch die Sportbranche nicht davor gefeit übersättigt zu werden.

Da riecht dann schnell einmal jeder halbgare Consultant das große Geld und plötzlich sind Agenturen, die Sportler bisher in klassischen Medien beraten haben, die absoluten Koryphäen was neue Medien und insbesondere Social Media betrifft. Da werden dann schnell mal ein paar lieblose Schablonenkonzepte entwickelt, die in geringfügig abgeänderter Form auf ein paar Athleten gestülpt werden. Und dann kommen Fans, Follower und alles andere von selber und des Consulters Börsel (so sagen wir in Österreich für Portemonnaie!) freut sich.

Dass jeder Sportler anders funktioniert, eine eigene Fanbase hat, die jeweils andere Sachen von ihrem Idol sehen, hören und lesen will, bedenken genannte Consulter äußerst selten.

Ich verzichte an dieser Stelle explizit auf Beispiele, derer es zu genüge gibt. Wir wollen den besagten Möchtegern-Consultern ja nicht auch noch per se Gratistipps geben, oder?

Hauke sagt …: Spieleragenturen haben einen hartnäckig schlechten Ruf, der bei Lernfähigkeit abgelegt werden kann und sollte.

Spieleragenturen haben tendenziell einen schlechten Ruf. Das Klischee des ausschließlich in eigenem finanziellen Interesse handelnden Spielerberaters, der lange nicht die Fähigkeiten für ein perfektes Handeln im Sinne seines Schützlings besitzt, hält sich hartnäckig. Bei dem exklusiven Zugang zu den Spielern ist es aber auch naheliegend, dass sich einige schwarze Schafe im Bereich der Social Media versuchen, obwohl dies nicht unbedingt zu ihren Kernleistungen zählt.

Und derzeit scheint vor allem das persönliche Spielerprofil bei Facebook in Mode zu sein. Solange es aber an Know-How mangelt, können zwangsläufig keine guten Ergebnisse dabei herauskommen. Ich hoffe, dass Spieleragenturen – insbesondere beim derzeitigen Hype und gerade dem zum Trotz – mit gesundem Menschenverstand an das neue Thema herangehen und bei Bedarf auch externe Unterstützung in Erwägung ziehen … oder zumindest aus ihren Fehlern lernen.

Jonathan sagt …: Interessen und Fähigkeiten stehen öfter als gewünscht einander konträr gegenüber.

In der Tat ist das ein Aktionismus, der mit Sicherheit in den meisten Fällen besser gemeint ist, als das Resultat, welches dabei herausspringt. Spieleragenturen sind Dienstleister ihrer Klienten. Von daher ist es noch nicht einmal so negativ zu beurteilen, dass sie ihre Klienten auch im Social Web platzieren wollen.

Das Wissen ist jedoch, wenn man sich die Kommunikation in den Accounts der meisten Spieler so anschaut, nicht wirklich vorhanden. Es ist schlichtweg verschwendete Mühe, wenn das Verständnis davon ausgeht dem Spieler die „Arbeit“ abzunehmen und aus der Agentur heraus für ihn zu kommunizieren. Jeder Fan fühlt sich betrogen, wenn er wittert, dass er mit einer x-beliebigen Person und nicht mit dem Spieler kommuniziert. Es erfordert nicht viel Verstand, um zu bemerken, dass der Schaden, der daraus entsteht, größer als der Nutzen für den Spieler ist.

Warum schulen diese Agenturen ihre Spieler nicht in der direkten Kommunikation mit dem Fan im Social Web, wie wir es schon einmal im Rahmen der Guidelines für Sportler diskutiert haben? Mediencoachings gehören nicht erst seit gestern zum Standardreportoire einer solchen Agentur. Nur die Bedeutung und das Potenzial, welches das Social Web für die Marke des Sportlers und ganz besonders die Bindung zum Fan mit sich bringt, verstehen die wenigsten. Also wacht endlich auf, liebe Spielerberater! Die Zeit der Präsentationen, welche Facebook als eins der größen Länder der Welt darstellen, ist längst abgelaufen.

Daniel sagt …: Wer die Regeln nicht kennt, der kann nicht sauber spielen, aber trotzdem irgendwie Erfolg haben. Das gilt auch für im Social Web kommunizierende Spieleragenturen.

Es tut mitunter schon weh zu sehen, wie Spieleragenturen Social Media für ihre Klienten verstehen. Es erinnert mich immer an die Zeiten zurück, wenn im Schulsport Basketball gespielt werden sollte. Als versierter Vereinsspieler, der sich der Regeln bewusst ist, hatte man es manchmal enorm schwer gegen vogelwild agierende Klassenkameraden zu spielen, die einfach mal zulangten und Gut und Böse außen vor ließen, solange sie an den Ball kamen. Man selbst empfand das als ziemlich besch… naja, bescheiden, für die anderen war es zielführend. Das Umlernen (und der dazugehörige Wille dafür) kam meist erst dann, wenn man ihnen die Augen öffnete, wie es eigentlich funktioniert. Ähnlich ergeht es den Spieleragenturen in ihrem Tun. Es funktioniert, weil es irgendwie läuft, obwohl sie die neuen Regeln der Kommunikation im Social Web nicht kennen oder verinnerlicht haben.

Stehen wir Social-Media-Aficionados damit in der Pflicht? Zum Teil, ja. Wenn uns stinkt, was uns da vorgesetzt wird, dann müssen wir etwas dagegen tun. Laut Aufmucken kann ein erster Schritt sein, um aufzuzeigen, was falsch läuft. Praktische Hilfestellungen geben wäre noch besser – und zwar im gemeinsamen Gespräch. Damit gehe ich zwar wieder den friedlichen Weg des Miteinanders, aber nach der Peitsche sollte dann doch das Zuckerbrot folgen, damit alle ins Laufen geraten😉

Foto: http://www.flickr.com/photos/tobym/

One thought on “die vier am eck – gedanken zu social media und sport #7

  1. Ein sehr spannendes und wichtiges Thema. Der Schaden, welcher für die Marke des Sportlers entstehen kann, ist in der Tat nicht zu verachten – wird aber wohl teilweise, solange Skandale oder äußerst peinliche Fehler ausbleiben, im Mainstream von den Leistungen des Spielers überblendet.

    Das ungenutzte Potenzial durch fehlende Expertise der Spieleragenturen empfinde ich aber als mindestens so traurig. Vor allem für den Sportler, der sich vertrauensvoll in die Hände der Agentur begeben hat und erwartet, gut beraten zu sein. Wenn er sich mit der Materie nicht auskennt, wird er in der Tat nicht so schnell feststellen, was da alles verspielt wird. Unfassbar, wenn man überlegt, dass sich eine Marke meistens nach und nach aufbaut und durch die ersten fehlenden Schritte sich diese Entwicklung auch in Zukunft deutlich verzögern könnte.

    Ich verstehe ja, dass sich manche KMUs mal ins Social Media Abenteuer stürzen und ein paar davon auch durchaus ohne Beratung gemessen an ihrem Budget Erfolg haben. Aber wenn wir vom Profisport ausgehen, mit einer begrenzten Zeit als Aktiver (Sportler), kann das Motto für Spieleragenturen nur lauten „Wenn du keine Ahnung hast, einfach mal den Profi fragen.“ – Vielleicht müssen die Verbände, welche ja durchaus von den Marken der Sportler mit profitieren, ihre Sportler aufklären, was man von einer Spieleragentur aktuell zu erwarten hat und welche Themen anzusprechen sind.

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