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die vier am eck – gedanken zu social media und sport #5

Round five. Fight! Naja, gekämpft wird nicht, aber wir ziehen die Zügel ein wenig an. Denn ganz ehrlich: Gibt es zum Diskutieren und Debattieren ein schöneres Thema als die leidige Frage, wie wichtig die Masse an Fans ist? Eben …

Die Idee hinter „die vier am eck“ ist relativ einfach: Jede Woche setzen sich vier von uns Verrückten zusammen und diskutieren eine These zu Social Media und Sport.

These: Wer die meisten Fans und Follower hat, macht am besten Social Media.

Daniel sagt …: Wenn Fußball schon keine Mathematik ist, dann sind es Social Media erst recht nicht. Zahlen sagen nie die ganze Wahrheit.

Die meisten Fans zu haben heißt die beste Arbeit zu machen? Bullshit. Der Erfolg der deutschen Nationalmannschaft errechnet sich doch auch nicht aus dem Summieren aller Tore seit 1945. Wer den Erfolg von Social Media allein an quantitativen Zahlen festmacht, der hat den eigentlichen Wert und die Bedeutung von Social Media nicht verstanden. Um den großen Philosophen Karl-Heinz Rummenigge zu zitieren: Fußball ist keine Mathematik. Es ist zwar aus dem Zusammenhang gerissen, aber Gleiches gilt für Social Media.

Ja, man kann mit zigtausenden Fans ganz tolle Augenwischerei betreiben und sich über die Reichweiten und den vermeintlichen Impact freuen, aber die DFB-Elf ist 2002 in Japan und Südkorea mit vier nicht unbedingt attraktiven, aber spannenden 1:0-Erfolgen nach der Gruppenphase bis ins Finale eingezogen. Das emotionslose 8:0 gegen Saudi-Arabien in der Vorrunde hatte dann welchen Wert? … Ein Fanblock voll desinteressierter, stummer Fans ist kein Support. Die – im positiven Sinne – Ultras aber, die richtig Stimmung machen und mit Herzblut dabei sind, die halten den Laden am Laufen und sie gilt es auch zufriedenzustellen. Eben und gerade auch im Social Web. Wenn das dauerhaft gelingt, Yeez … Daran erkennt man Qualität.

Georg sagt …: Man muss sich nur einmal die Kleinen und Unbedarften anschauen, dann sieht man, was gut gemachte Social Media sind.

Und wer den dicksten Dödel hat, macht den besten Sex. Eh klar. Okay, die These ist vielleicht nur plakativ und uns ist allen klar, dass die reinen Zahlen nicht immer Aufschluss geben über die tatsächliche Qualität eines Social Media Auftritts. Dennoch passiert es, dass wir unser Augenmerk auf die großen Sportler legen. So sprechen wir von Messi und Ronaldo wenn es um Athleten geht, vielleicht von der NFL wenn wir von Institutionen reden. Alle machen Social Media, die einen besser, die anderen weniger gut.

Allerdings gibt es auch unter den „kleineren“ Sportlern einige, die sich hervorragend präsentieren. Zum Beispiel der Ex-Duisburg- und Rapid-Spieler Stefan Maierhofer der jetzt für die Roten Bullen aus Salzburg auf Torejagd geht. Seine eigenen Posts werden ergänzt durch ein Social Media Team, das immer wieder Giveaways, Interviews und anderes Zeug auf die Pinnwand packt und so für die 22.000 Fans ein nettes Social-Media-Paket schnürt. Es ist nur ein Beispiel von vielen gelungenen Aktionen, die einfach im Schatten der großen Stars der Szene nicht die gebührende Aufmerksamkeit bekommen, die sie vielleicht verdienen würden.

Jonathan sagt …: Richtig, es geht um Reichweite, Reichweite und nochmal Reichweite.

Völlig richtig. Entscheidend ist die Reichweite. Wen ich in dieser Weite erreiche ist noch nicht mal zweitrangig. Es ist schlichtweg egal. Mehr ist mehr und damit basta. Und wer will nicht mehr haben? Deswegen kann man allen nur gratulieren, die sich auf dieses zentrale Erfolgkriterium für Social Media konzentrieren. Weiter so! Irgendwann kommt dann der Tag, an dem ihr realisiert dass die Zeit in welcher das einzige was interessiert die Reichweite war, euch in die Zeit geführt hat in der das einzige was interessiert der Weg aus der Arbeitslosigkeit ist.

Das Schlimme an dieser Zeit wird sein, dass eine Vielzahl von ehemaligen Kollegen euer Schicksal nicht teilen. Haben sie doch verstanden dass es nicht um die Anzahl an Beziehungen, sondern um die Intensität und die Personen an sich geht. Haben sie es doch verstanden, sich nicht nur in der Dimension Quantät sondern auch der Qualität zu bewegen. Aber keine Sorge Mitleid wird mit Sicherheit der ein oder andere mit euch haben. Seid ihr doch dann weder quantitativ noch qualitativ bemerkens- sondern einfach nur bedauernswert.

Aber noch ist es ja nicht zu spät und ihr könnt euch vor der völigen Sinn- und Bedeutunssigkeit eures beruflichen Daseins retten. Kommt hinter euren Zahlenbergen hervor und genießt den nun nicht mehr verdeckten Blick in die Ferne der direkten Kommuniation mit denen die euch und umgekehrt ihr wichtig seid. Und irgendwo am Horizont werdet ihr Hoffnung, Perspektive und auch Verständnis für eure heute noch beschränkte Weitsicht finden.

Hauke sagt …: Große Messwerte sind nur dann interessant, wenn Metrik, Relation und Strategie dahinter stimmen.

Diese These kommt bei erster flüchtiger Betrachtung dem Elfmeter bei Unentschieden in der 93. Spielminute gleich. “Niemals, es kommt immer auf die authentische, nahe Kommunikation in der Sprache der Fans an! Die Masse an Fans sagt gar nichts über den Erfolg aus!”, höre ich bereits den ersten Berater schreien: „Was ist denn das beste Social Media?“

Man könnte sagen, der Sportler oder Verein, der die meisten Fans und Follower hat, scheint etwas richtig zu machen. Er ist eine präsente Marke, sportlich erfolgreich oder im besten Fall beides gleichzeitig. Er spricht neben den Hardcore-Fans auch andere Zielgruppen erfolgreich an. Seine Posts erzeugen innerhalb weniger Minuten hunderte von Likes und Kommentaren. Aber die Möglichkeit, mit allen Fans individuell in den Dialog zu treten ist aufgrund der enormen Masse einfach nicht gegeben. Dafür animiert er die Fans dazu, sich mit einer Sache auseinanderzusetzen und den Dialog untereinander zu gestalten.

Krasses Gegenteil dazu ist der authentische Underdog. Der Sportler oder Verein hat aufgrund von Faktoren wie zum Beispiel der begrenzten Bekanntheit der Sportart nur wenige Fans, die allerdings mehr als loyale Anhänger sind. Die Social-Media-Affinität des Vereins ist mehr als ausgeprägt. Für ihn zählt, dass seine wenigen Fans mit dem gebotenen Service zufrieden sind und das seine Reputation nach und nach wächst – und folglich auch seine Fanschar. Dabei kann er individuell auf die Bedürfnisse seiner Fans eingehen.

Schlimm bis schmerzhaft ist hingegen, wenn man mit seinen Aktivitäten irgendwo im Niemandsland dazwischen liegt, obwohl die große und interessierte Fanbasis außerhalb der eigenen Plattformen im Social Web bereits existiert. Man schafft es auf der einen Seite nicht in die Top-Rankings der Sportler und Vereine mit den meisten Fans, hat sich allerdings auf der anderen Seite auch keinen Namen damit gemacht, mit viel Hingabe seinen Fans zu lauschen und mit ihnen zu sprechen. Die wenigen bestehenden Fans haben irgendwann einmal ein Sympathie-Like gegeben und sind seitdem mangels Mehrwerten nicht einmal auf die Plattform zurückgekommen.

Heute der Abschluss mit einer Frage: Findet man in der Sportbranche eigentlich schon Organisationen, die die Anzahl ihrer Fans künstlich mit ein wenig Klickvieh zu möglichst geringen Kosten in die Höhe treiben, um Entscheidern Zahlen vorweisen zu können?

Foto: http://www.flickr.com/photos/lillyfinn/

One thought on “die vier am eck – gedanken zu social media und sport #5

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