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die vier am eck – gedanken zu social media und sport #4

Kaum zu glauben, aber wir befinden uns schon in der vierten Runde. Da ihr uns bislang noch nicht vom Hof gejagt habt, sinnieren wir einfach weiter munter drauf los und freuen uns auf euren Input.

Die Idee hinter „die vier am eck“ ist relativ einfach: Jede Woche setzen sich vier von uns Verrückten zusammen und diskutieren eine These zu Social Media und Sport.

These: Je kleiner ein Verein/eine Sportart, umso befreiter kann Social Media ausprobiert werden

Georg sagt …: Je stärker ein Verein im Fokus steht, umso überlegter muss er agieren. Und genau das nimmt die Experimentierfreude.

Wo viele Augen sind, wird genau hingeschaut. Dort muss professionell gearbeitet werden, dort ist kaum Platz für Experimente und Neues setzt sich nur langsam und beschwerlich durch. Da, wo das nicht der Fall ist, gibt es Raum für Ausgefallenes, Ungewöhnliches, für lockere und authentische Kommunikation. Also möchte man meinen, dass kleinere Vereine durchaus anders „kommunizieren“, als die großen, üblichen Verdächtigen.

Ich stelle mir das so vor: Wir haben einen großen deutschen Verein, der in der Champions League spielt, Facebook-Fans im 7-stelligen Bereich hat und Wert auf professionelle Kommunikationsarbeit legt. Wie wird er ein Facebook-Posting raushauen? Da gibt es vermutlich einen Redaktionsplan, Planung, Texten, Lektorieren, Korrigieren, Freigabe etc. bis endlich geliked werden kann.

Dann stelle ich mir einen kleineren Verein vor, mit überschaubaren Fanzahlen, eher flachen Hierarchien in der Medienarbeit und einer vielleicht lockeren Einstellung zu Social Media. Wie sieht da ein Twitter-Update aus? Ich stelle mir einen jungen Mitarbeiter aus dem Klub vor, der am Vormittag beim Training ein, zwei Spieler abfängt, sie lächelnd fotografiert und das Foto mit einem Kommentar auf Twitpic hochlädt: „Beste Laune bei unseren Spielern Hans und Franz vor dem wichtigen Spiel am Abend. Wer kommt vorbei und feuert uns an?“

Was klingt sympathischer?

Vielleicht gibt es ja wirklich so eine Art Vorteil der Kleinen, die einfach „mehr“ experimentieren dürfen. Der österreichische Zweitligist First Vienna FC hat zum Beispiel durch seine sympathische Art sich im Social Web zu präsentieren zahlreiche Fans hinzugewonnen. Da kann es dann schon mal vorkommen, dass per Twitter auf eine eBay-Auktion (!) für ein Spielerporträt hingewiesen wird. Lockere, humorvolle und interaktive Kommunikation über’s Social Web.

Da fragt man sich: Ist das wirklich nur bei Vereinen möglich, die nicht so sehr im Rampenlicht stehen? Oder machen die das einfach nur gut und authentisch? Denn nur darum geht’s.

Hauke sagt …: Die Größe einer Sportart bzw. eines Vereins gibt teils den Umfang der Rahmenbedingungen vor, in dem man sich bewegen muss. Je kleiner dieser ist, umso leichter kann man darüber hinaus agieren.

Je kleiner eine Sportart oder Organisation des (professionellen) Sports ist, desto weniger Ziele, Interessen und sonstige Rahmenbedingungen für die Kommunikation gibt es. Des Weiteren ist das öffentliche Interesse an kleinen Sportarten/Organisation deutlich geringer. Mit diesen Argumenten wird oftmals das befreite Ausprobieren bekräftigt.

Allerdings kann eine kleine, loyale Anhängerschaft die „öffentliche Meinung“ auf den Social-Media-Plattformen entscheidend beeinflussen bzw. bestimmen. Die Zufriedenheit dieser Basis ist somit ein wichtiger Faktor für das zukünftige Wachstum der Community und einen erfolgreichen Dialog. Wenn beides stimmt, das befreite Ausprobieren können und die Zufriedenheit der Fans, ist alles möglich.

Jonathan sagt …: Als kleiner Verein/Sport ist der Erwartungsdruck ein anderer. Geht hier etwas schief, ist es kein Abstieg …

Ein kleiner Verein ist wie ein Nachwuchssportler. Die externen Erwartungen an den Jungspund sind noch gedämpft und sein enges Umfeld ist absolut offen für Neues.

Der große Verein ähnelt da schon eher dem gestandenen Weltstar, der schnell in der Kritik steht, wenn er die erwarteten Leistungen nicht abruft und für neue Methoden erst einmal begeistert werden will.

So wundert es auch nicht, dass viele kleine Vereine früh im Social Web aktiv waren um ihre Chance zu nutzen und viele große Vereine – vor dem Risiko zitternd, etwas zu vermasseln – abgewartet haben. Sie ziehen nun nach und profitieren dabei von den Erfahrungen, die die Kleinen schon sammeln konnten, um sich etwas Neues abzuschauen.

Daniel sagt …: Die Kleinen können sich austoben, da sie den Mut und die Unbeschwertheit haben (dürfen), um auch einmal keinen Volltreffer landen zu müssen.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man als „Kleiner“ durchaus weniger Druck verspürt, wenn man etwas ausprobieren möchte. Wenn es funktioniert, super. Wenn nicht, dann hat man zumindest wieder etwas gelernt. Natürlich spielen bei den kleinen Vereinen und Sportverbänden oft auch die Ressourcen eine gewisse Rolle. Hier sind so oft Ehrenamtliche oder einfach nur extrem engagierte Mitarbeiter am Werk, die es nicht als Extraarbeit ansehen noch zu Twittern und Facebook zu bespielen. Sie machen es aus Überzeugung für die Sache und haben kein Problem damit das noch nebenbei, dafür aber oft überraschend gut bis professionell umzusetzen.

Große Vereine und Verbände mit ihren starren Strukturen und Prozessen sind dabei oftmals nicht ganz so ungezwungen in der Lage zu reagieren. Wie Hauke schon sagte, je mehr Augen auf mir ruhen, umso nervöser werde ich, um ja einen Fehler zu vermeiden. Je professioneller (und hochbezahlter) die Systeme werden, umso mehr Spaß und Authentizität geht verloren, um ja nicht dem eigenen Image zu schaden.

Von daher, ja, die Kleinen sind so gesehen im absoluten Vorteil und können sich tatsächlich austoben. Wie gesagt, Hauptsache, sie lernen daraus.

Foto: flickr.com/photos/pinkmoose/

One thought on “die vier am eck – gedanken zu social media und sport #4

  1. Das, was viele große Vereine/Firmen machen, erinnert mich ein wenig an das da: http://www.trendopfer.de/wahrheit/2009/08/wenn-unternehmen-twittern/😉

    Ich finde es einigermaßen furchtbar, wenn direkte Kommunikation so streng geplant daherkommt. Insofern bin ich absolut auch Eurer Meinung, dass sich die „Kleinen“ da bedeutend leichter tun. Learning by doing.

    Dabei ist die von Dir, Georg, angeführte Vienna ja im Prinzip gar kein „Kleiner“ mehr. Aber sie machen es cool und haben die richtige Sprache und die richtige Art gefunden, wie sie auf ihre Leser zugehen.

    Mir gefällt – das sei bei dieser Gelegenheit erwähnt – auch gut, wie SPOX auf facebook und twitter kommuniziert bzw. auf negative Kritik reagiert. Ein bisschen Augenzwinkern, die nötige Prise Selbstironie…find ich gut.

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