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schalke 04 landet einen echten transfer-coup

Schön, wie schnell sich in der heutigen Welt Dinge wandeln können. Gestern noch belächelt und heute schon mit einem ernsthaften Vorhaben unterwegs.

Der FC Schalke 04 ist seit heute Nacht offiziell auf Facebook vertreten. Von Null auf 300.000, eine 180°-Wendung innerhalb eines halben Jahres oder eben der Wunsch der Fans, dem sich keiner widersetzen kann. Wie man es auch nennt, es ist eine echte Überraschung. Oder doch nicht?

Aber eins nach dem anderen. Facebook ist nicht erst seit heute eine wichtige Plattform für Klubs mit solch einer großen Fanbasis wie die des S04. Und eben jener ist auch nicht erst seit gestern in dem Social Network vertreten. Die im Herbst 2010 entstandene Idee wurde von den Betreibern schnell umgesetzt und traf auf regen Anklang bei den Fans, Blogs und den Medien.

Gegenüber blogundweiss.de erläutert mit Raphael Brinkert, einer der Betreiber und Gründer der Seite, wie es zu der Idee kam und welche Herausforderungen sie zu bewältigen hatten. „Von Fans und für Fans“ war das bisherige Motto unter welchem die Betreiber der Seite Herzblut, Zeit und Liebe zum Verein investiert haben. Eine Bereitschaft, die bei den Fans in zahlreichen Blogs und eben auf Facebook, nicht aber auf der Gelsenkirchener Geschäftsstelle vorhanden war.

Aber wie konnte es zu einem solchen Umdenken kommen? Wenn man die Zeilen des ehemaligen leitenden PR-Verantwortlichen Rolf Dittrich im Interview mit dem Medienhandbuch Sport liest, dann ist der Glaube an einen solch schnellen Wandel in der Einstellung einer Person überraschend. Das Interview schlug hohe Wellen. Für Dittrich zu hohe. Im März war er seinen Posten los und auf Schalke sorgten die Wellen weiterhin für Bewegung.

Raphael Brinkert, seines Zeichens Geschäftsführer Beratung bei Jung von Matt/Fleet, setzte – wie oben beschrieben – kurz darauf einfach eine inoffizielle Fanpage auf, die innerhalb kürzester Zeit zum großen Erfolg wurde (+300.000 Fans sprechen eine klare Sprache). Ergänzt wurden die neuen (semi-)offiziellen Bemühungen der Fans und Macher im und um den Verein durch den Launch der Fanpage des damaligen Trainers Felix Magath, der mit seiner ganz eigenen Art die Anfeindungen der Unnahbarkeit zu entkräften versuchte, und dem Medienscoop schlechthin, die Ansage von Manuel Neuer seinen Vertrag nicht zu verlängern, die er über seine Facebook-Page kommentierte und sich mit den Fans auseinandersetzte. Die klassischen Medien wurden erst an zweiter Stelle bedient. Online first – 1:0.

Mit der Neubesetzung der kommunikativen Stellen beim FC Schalke hat sich also nicht die Einstellung, sondern die Person verändert. Oder anders gesagt: mit den Personen haben sich die Einstellungen zum Thema Social Media gewandelt. Das trifft es wohl besser. Denn seit März 2011 ist ein neuer Pressesprecher aktiv, der sich Social Media geöffnet hat. Gegenüber der WELT ONLINE äußert sich Thomas Spiegel entsprechend und macht klar, dass auf Schalke nun ein neuer Wind weht:

„Kein Verein darf so arrogant sein zu sagen: ‚Die Fans müssen zum Verein kommen!‘ Man muss sich dort einschalten, wo sich die Fans aufhalten, ihnen zuhören und einen Mehrwert bieten.“ (Quelle: WELT ONLINE).

Und so kam es, dass der Klub sich mit dem Thema Facebook ernsthaft auseinandergesetzt hat. Der Kontakt zwischen den ehemaligen Betreibern der Page und Schalke 04 war wohl ein enger. Der Draht ein kurzer. Und so wechselte die Seite für eine Spende von 50.000 Euro (je 25.000,- an Schalke hilft! und weitere 25.000,-, deren Einsatz von den Fans bestimmt werden kann) den Besitzer Betreiber.

„Wir auf facebook – wir bleiben in Kontakt!“

Bild: Facebook.com / Schalke 04

Wie öffnen die Schalker also die Kommunikation mit ihren 300.000 Fans?

„Ihr habt mit eurem Engagement und Kommentaren auf dieser Seite bewiesen, wie wichtig euch Schalke 04 ist und wir werden alles dafür tun, diese Gemeinschaft weiter zu stärken.“

… heißt es dort und die ersten Kommentare sind positiv. Weiter:

„Wir werden euch zuhören, euch ernst nehmen und die Seite im permanenten Dialog mit euch weiterentwickeln.“

Das liest man gerne, denkt man an die dürren Zeiten aus dem vergangenen Herbst zurück, aber Vorsicht sei geboten bei solch abrupten Wechseln von fanbetriebenen zu offiziellen Seiten. Da gibt es ein paar Beispiele und einige unglückliche Betreiber, die jedem Strategen und Fan Angstschweiß und Zornesröte ins Gesicht trieben, wie man etwa am Case der Stadt Innsbruck sehen konnte.

Auf Seiten des S04 und insbesondere von Raphael Brinkert, der viel Zeit und Mühen in die Page investiert hatte, gab es jedoch die ersten richtigen Schritte. Offen und transparent hat man den Fans und Likern erklärt, was gerade vor sich geht, um keinen Unmut aufkommen zu lassen. Und auch die oben aufgezeigten ersten Schritte des Vereins in Richtung Fans lassen die Sorgenfalten nicht ganz so tief werden.

Dennoch kann man gespannt sein, wie die blau-weiße Bloggosphäre und die Fans der Seite auf die Neuerungen reagieren werden. Denn mit dem Wechsel einer Page „von Fans für Fans“ zu einem Vereinskanal muss man eventuell auch in Kauf nehmen, dass die kritischen Töne gegenüber dem Verein leiser ausfallen könnten bzw. dürften, um die Pfeifkonzerte nur in der Arena zu belassen.

Ganz dem Grundgedanken dieses Teamblogs folgend ist das ein Beitrag der im Tag-Team zwischen Daniel Rehn und mir entstanden ist.

Bild: (Flickr.com / stoosh)

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