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die vier am eck – gedanken zu social media und sport #2

Es ist Mittwoch und somit wieder Zeit für eure Lieblingsspinnerten zum Thema sportive Online-Kommunikation.

Die Idee hinter „die vier am eck“ ist relativ einfach: Jede Woche setzen sich vier von uns Verrückten zusammen und diskutieren eine These zu Social Media und Sport.

These: Agenturen können Vereine nicht beraten, denn Klubs können nur von Innen heraus authentisch kommunizieren.

Georg sagt …: Agenturen sind durchaus in der Lage zu beraten, wenn sie bei aller Professionalität das für die Fans nötige Herzblut in die Arbeit für den Verein miteinbringen.

Eine „Einfach mal drauf los“-Mentalität kann durchaus romantisch sein und sympathisch & niedlich nach außen transportiert werden. Allerdings legt ein professioneller Sportklub in traditionellen Kanälen meist schon auf professionelle Kommunikationsarbeit Wert. Ich sehe nicht ein, warum das bei Social Media enden sollte.

Dennoch ist Beratung nicht gleich Beratung. Sofern mit einer Agentur vorab eine Strategie ausgearbeitet wird, ein durchdachtes Konzept erstellt wird und da immer jemand sitzt, der den Blick für’s Ganze wahrt, ist das genau der Weg, den das nehmen sollte.

Was allerdings gar nicht angeht, sind von Agenturen herzlos betreute Twitteraccounts, die entweder direkt von einem Facebook-Account gespeist werden oder auf Push-Push-Push aufgebaut sind. Pressemeldung hier, Pressemeldung da – denkt doch an die persönliche Note! Ich und Millionen Fans lesen viel lieber Wayne Rooneys orthografisch verbesserungswürdige Tweets, als die Facebook Postings von Marko Arnautovics offizieller Fanseite. Ich will einfach nicht wahrhaben, dass da möglicherweise ein humorloser Praktikant sitzt, von Marko Arnautovic in hochoffizieller dritter Person schreibt und stets auf dessen Website verweist. Das macht doch niemandem Spaß. Dem Praktikanten nicht, dem Marko nicht und uns Fans erst recht nicht.

Hauke sagt …: Agenturen können beraten und auch ausführen, brauchen aber extrem kurze Wege und unmittelbare Kontakte.

Es kommt stets auf die individuellen Interessen und Skills des Verantwortlichen an, die über die reinen Netzwelt-Themen hinausgehen. Wer auch immer in der Agentur für den Verein für die Kommunikation im Social Web tätig ist, muss in der entsprechenden Sportart zu Hause und sollte mit der Geschichte des Clubs und dessen Umfeld vertraut sein. Dies setzt die Pflege des unmittelbaren Kontaktes zu relevanten Personen (Sportler, Fangruppierungen, Management, Liga etc.) sowie den sofortigen Zugang zu Informationen aus erster Hand voraus.

Agenturen können hier gerne beraten; die Umsetzung gestaltet sich im Falle einer externen Lösung als durchaus herausfordernd.

Jonathan sagt …: Wenn Experten beider Fachbereiche zusammenkommen, kann eine Agentur die Aufgabe stemmen, aber die Authentizität kommt vom Verein selbst.

Sportmanagement, -marketing, -controlling oder eben die Sport-PR bilden sich aus der Schnittmenge der klassischen Fachgebiete und den Besonderheiten des Sports.

Da ist es umso wichtiger, dass Experten beider Fachbereiche zusammenkommen und auf einer partnerschaftlichen Basis, die den Erfolg des Projekts über alles setzt, Ideen und Konzepte ausarbeitet.

Das heißt nicht, dass der Klub in enger Abstimmung mit der Agentur auch die Kommunikation im Social Web ausführen kann. Eine gute Agentur wird den Klub so beraten, dass die Kommunikation jederzeit authentisch bleibt.

Daniel sagt …: Vereine können sich beraten lassen, aber externe Agenturen können nie so authentisch sein wie leidenschaftlich engagierte Mitarbeiter.

Viele Vereine lernen aktuell auf die harte Tour, wie es ist, wenn man die Kommunikation mit und für die Fans öffnet und sich ins Social Web begibt. Wie in den sonst recht übersichtlich gestrickten und nicht immer einsehbaren Foren melden sich Fans nun auch direkt zu Wort, nur passiert das auf Facebook, Twitter und Co. nun eben öffentlich. Ähnlich der Sportler, die wir letzte Woche diskutiert haben, können Agenturen auch die Vereine mittels Coaching an die neuen Gegegebenheiten heranführen. Die Umsetzung sollte aber definitiv aus dem Verein selbst kommen.

Als Fan merkt man sehr schnell, ob derjenige, der die Streams befüllt, Ahnung von dem hat, worüber er schreibt. Jeder Fan ist Experte, was seinen Verein, Klub oder Lieblingsspieler betrifft, und erwartet die gleiche Leidenschaft vom Mann/der Frau an der Tastatur. Wenn man nicht gerade das große Glück hat einen glühenden Fan in den Reihen der Agentur zu wissen, der als Chymäre aus Fan, Berater und Operator jedem Anforderungsprofil gerecht wird, haben Agenturen als Externe in einem an sich recht geschlossenen Kosmos einen schweren Stand.

Sie können Möglichkeiten aufzeigen, Kampagnenideen, Systeme, Tools/Kanäle verkaufen und Coachings geben, aber die gleiche Intensität und Authentizität zu vermitteln wie ein Insider, das ist meiner Meinung nach für sie nicht möglich. Allerdings können sie die Insider dazu bringen, die dafür nötigen Wege kennen und beschreiten zu lernen.

Foto: flickr.com/photos/camknows

3 thoughts on “die vier am eck – gedanken zu social media und sport #2

  1. Speziell im Breitensport, denke ich das Agenturen nur dann hilfreich sein können, wenn die Personen die das Projekt betreuen auch mit der Materie sich befassen und identifizieren können.

    Vereinsmeierei und demografische Faktoren, machen das je nach Sportart nicht gerade einfach, aber es ist möglich. Ich bin gerade selbst dabei in meinem Sportverein (Kanu) da einiges anzugehen mit System.

  2. Echte Fans wollen knallharte Details über ihre Lieblingsspieler. Den Georg würde zum Beispiel solch eine Meldung sehr glücklich machen:

    “Marko war gerade auf dem Klo. Für ganze 25 minuten. Beim verlassen der Räumlichkeiten schaute er glücklicher aus, als noch vor dem betreten dieser.“

    • Wenn es um beratende Funktionen geht sind externe Agenturen doch bestimmt nicht schlecht. Mein Verein hat sich jetzt überhaupt einen ganz externen (unsportlichen) Clubpräsidenten geholt, damit er das bürokratische, organisatorische und werbende übernimmt (und uns viel Geld besorgt (ah, sponsoring hieß das … )).
      Geht es aber darum „Streams zu befüllen“, machen wir Aktiven das selbst.
      Als Fan will man in das einen faszinierende System hinein. Den Blick von außen hat man selbst. Wieso sollte man also von jemanden informiert werden, der eigentlich in der gleichen Position sitzt wie man selbst?
      Wenn Marko sensationslos am Klo war, ist das aber vielleicht doch uninteressant. Interessanter wäre, welche Sprüche das Team geliefert hat, als er seinen Anzug in Bremen vergessen hat und als einziger im Trainingsanzug dastand. Insider eben, die nur von inside kommen können.

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