brauch die bundesliga überhaupt social media?

braucht die bundesliga überhaupt social media?

Heute Morgen bin ich via Twitter über einen Artikel gestolpert und aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen. Gleich ein zweites Mal musste ich das Interview lesen, da ich mir nicht ganz sicher war, ob ich mich geistig noch im Wochenende befinde. In dem Interview des medienhandbuch sport wird ein leitender Verantwortlicher der PR-Abteilung eines populären Fußball-Bundesligisten zitiert. Er kommt zu dem Schluss, dass sein Klub auf den Auftritt im Social Web verzichtet, da ihm der Nutzen von Social Media nicht als erwiesen erscheine.

Eine durchaus interessante These, welche er mit einigen etwas kontroversen Argumenten belegen möchte. Auszugsweise möchte ich in den folgenden Zeilen einmal die wesentlichen Aussagen aus dem Interview betrachten:

„Grundsätzlich bin ich […] sowieso der Meinung, dass man […] diesem „Social Web“-Hype mit einer gewissen Skepsis entgegen wirken sollte.“ Lässt der Verantwortlich in dem Interview gegenüber medienhandbuch sport einblicken.

Social Media als einen Hype zu bezeichnen halte ich für eine gewagte Behauptung. 500 Millionen Nutzer auf Facebook, über 100 Millionen Nutzer bei Twitter, 4 Millionen Nutzer von Foursquare, Millionen Nutzer von Social Bookmarking Sites in allen Ländern dieser Welt sprechen eine klare Sprache und schließen beileibe nicht das gesamte Spektrum der Social Media ein. Eine Sprache, welche auf alles anderes als einen Hype hindeutet. „Social Media is here to stay“ und mit Sicherheit nicht nur ein bloßer Hype.

„Durch Facebook ziehe ich ja auch Leute weg von meiner Homepage.“ sagt er gegenüber medienhandbuch sport

Dass Facebook genau das Gegenteil bewirken kann zeigt nicht nur die Zielsetzung von Real Madrid auf Facebook, sondern auch die Aussage eines nicht genannt werden wollenden Bundesligisten, dass Facebook zu den Top-Five Referrs der Klub-Website gehöre. Den Glauben, dass eine Vereinswebsite derartig für Unterhaltung (im wahrsten Sinne des Wortes) sorgen könne, kann höchsten Manchester City rechtfertigen. Nicht aber Websites, welche sehr statisch und ohne derartige Rückkopplungsfunktionen wie z.B. Facebook ausgestattet sind. Auf der Website wird der Fan nach Informationen suchen, aber nicht die Möglichkeit finden sich nahezu stundenlang mit seinem Klub zu beschäftigen. Unterhaltsame Blicke hinter die Kulissen des Klubs, ungewöhnliche Bilder aus der Kabine oder direkte die Diskussion mit dem Verein gehören mittlerweile zum Standardrepertoire der Klubs zum Beispiel auf Facebook.

Dies fördert die Bindung und kann zur Erschließung neuer Fankreise führen. Grade vor dem Hintergrund des letzten Aspekts halte ich den Ansatzpunkt die Website als einzige Anlaufstelle für Fans zu platzieren für fragwürdig. Bei der heutigen Dichte an Unterhaltungsangeboten führt für mich kein Weg mehr daran vorbei den Weg zum Fan hin zu suchen. Und dieser verbringt nun mal Stunden in den Sozialen Netzwerken wie Facebook. Mit einer derartig hohen Verweildauer kann eine Vereinswebsite nur schwer mithalten und bietet darüber hinaus auch nicht die Rückkopllungsmechanismen wie zum Beispiel Facebook.

„Nunja, es ist ja nicht so, [dass] Facebook [die] Funktion [der Rückkopplung] erfunden [hat]. Grundsätzlich diskutieren interessierte Leute ja seit Jahren über Foren der Vereine […] über das Tagesgeschehen beispielsweise in der Bundesliga.“ Erläutert er in dem Interview mit medienhandbuch sport.

Das Klubforum ist in der Tat ein hervorragender Platz um vorzutasten wie die engsten Fans fühlen und denken. Dort zu zuhören oder sich zu beteiligen ist unumgänglich. Aber wie schon geschrieben, hier finden sich die engsten Fans des Klubs. Das sind in der Regel Supporter aus heimischen Gefilden. Vereinzelt auch solche, die ihren Heimatort nicht in Deutschland haben. Grade dieser Markt der ausländischen Fans ist für Klubs der Bundesliga interessant. Längst findet die Bundesliga nicht mehr nur am Samstagabend auf den heimischen Bildschirmen statt. Über die Auslands-TV-Vermarktung erschließt die Bundesliga mittlerweile 35 Millionen Euro jährlich. Es wird also deutlich, dass auch im Ausland eine Nachfrage besteht. Eine Nachfrage, welche mit zusätzlichen Angeboten ausgeweitet und intensiviert werden kann.

Also was soll die ganze Besserwisserei hier? Im Wesentlichen soll es keine Besserwisserei sein, sondern lediglich dokumentieren, dass das Potenzial der Social Media groß und diese damit für den Sport unumgänglich geworden ist. Sie soll keineswegs den zitierten Herren in Misskredit und keineswegs das Fachwissen des PR-Angestellten in Frage stellen. Vor seiner PR-Erfahrung im Sport habe ich Respekt. Die kontroverse Meinung finde ich durchaus interessant und diskussionswürdig. Ich bin überaus offen für ein kritisches Hinterfragen der Social Media und empfinde eine solche Denke als Bereicherung. Aber vielleicht bin ich auch der einzige der so denkt. Grade deswegen interessiert mich eure Meinung: Braucht ein Fußball-Bundesligist überhaupt Social Media?

Bild: ( http://www.sxc.hu / leroys)

12 thoughts on “braucht die bundesliga überhaupt social media?

  1. Pingback: Tweets that mention braucht die bundesliga überhaupt social media? « der sportmanager -- Topsy.com

  2. Ich habe mir das Interview auch nochmal im Ganzen durchgelesen und war doch etwas überrascht. Die Kenntnisse über Social Media sind scheinbar weit oben anzusiedeln, ebenso wie der momentane Tabellenplatz des Bundesligisten. Ich bin aber sehr froh über diesen Artikel, da ich ab kommender Woche meine Diplomarbeit zum Thema Sportverein und Social Media beginnen werde und endlich auf negative Meinung gestoßen bin. Danke dafür.
    Gruß, Daniel.

    • Hi Daniel,

      freut mich, dass Du insofern ein wenig Input gefunden hast😉

      Ich muss zugeben, dass mein Erstaunen nicht minder groß war als deins. Ich wollte seine Aussagen ganz bewusst nicht vor dem Hintergrund seines Wissens über die Social Media werten. Das möchte ich anderen überlassen – trotzdem ich ganz gewiss dazu eine Meinung habe. Vielmehr war es für mich Anreiz noch einmal spontan festzuhalten, inwiefern seine Aussagen für mich und euch nachvollziehbar erscheinen oder eben nicht.

      Wünsch Dir viel Erfolg bei der Diplomarbeit und bin gespannt auf das ein oder andere Zwischenergebnis🙂

      Beste Grüße

      • Werd auf jedenfall weiterhin auf deinem Blog vorbei schauen und nach Input suchen. Dafür bekommst du auch mal ein Zwischenergebnis meiner Arbeit. Muss nur erstmal damit anfangen.😉

        Gruß, Daniel.

  3. Ein Fußball-Bundesligist braucht Social Media.
    An einem Punkt kann man das doch sehr gut verdeutlichen: „Das Forum auf der Klub-Homepage reicht doch als Austauschplattform“
    Falsch denke ich. Dort tummeln sich Fans und „sehr interessierte“. Auf Facebook tummeln sich auf Deiner Seite aber eben auch alle denen „das gefällt“ – das sind deutlich mehr als die, die wirklich den Schritt machen und auf S04.de gehen. Neue Zielgruppen, höhere Brand-Awarness, greifbarere Marke…

    Die Interessierten da abholen, wo sie sind/ sich auf deren Consumer-Panel schieben. so funktioniert die neue Medien-Welt. Meine Meinung.

  4. Meiner Meinung nach sind die Social Media Aktivitäten für ein Bundesligisten wichtig. Die Fanbindung spielt gerade bei solchen Medien eine wichtige Rolle: Facebook, Twitter und Co können helfen eine ganz andere Art von Fannähe aufzubauen und den Fan „mitnehmen“ und ihm das Gefühl der Einbindung vermitteln. Über diese Kanäle bieten sich ja auch andere Möglichkeiten Informationen zu verbreiten, als das auf der Homepage der Fall ist: Offizielle News auf der Homepage und „Internes“ auf den Social Media Seiten. So wird doch das berühmte „Wir-Gefühl“ gestärkt und der Verein schafft ein noch stärkeres „Idenfikationspotential“.

  5. @Daniel: Also wenn du möchtest, dann kann ich dich bei deiner Diplomarbeit gerne unterstützen. Wenn Du möchtest gebe ich Dir mal Einblicke in die Online-Analysedaten des SSV Reutlingen. Damit ließen sich die Aussagen von Herrn Dietrich in nullkomanix widerlegen.

    Meld dich einfach bei Interesse.

    Grüße

    ANDI

  6. Hmm, der Verein, der als erster BL-Club eine eigene Hompage ins Netz stellte, ist eigentlich der letzte, der sich dem Thema Social Networks – bisher – standhaft verweigert…
    Gut, der FC Schalke hat eine eigene Community, den „1000-Freunde-Club“, der weit mehr Funktionalität bietet als ein Forum. Zudem sammelt der Club die Daten potenzieller Kunden durch den Versand des Freischaltcodes per Post. Die eigene Community mit Social Network-Funktionen im eigenen Haus zu haben ist sicher keine schlechte Sache, allerdings macht der alte Rivale aus Dortmund mit der teilweise kostenpflichtigen Community „meinbvb“ vor, wie man diese sehr wirksam per Facebook und Youtube-Kanal promoten kann…
    Die Argumentation von Herrn Dittrich ist zum Teil durch Praxiserfahrungen zu widerlegen (siehe z. B. Referrer zur Homepage). Mittelfristig werden die Marken der Bundesligaclubs nicht drumherum kommen, dort aktiv zu sein, wo KOmmuniaktion über sie stattfindet. Ich denke allerdings auch, dass der aktuelle Aktionismus (im Februar 3 Clubs mit FB-Page, August: 8, aktuell: 16/17) häufig dazu führt, dass die Social Media-Aktivitäten oft scheinbar nicht durchdacht gestartet werden und halbherzig wirken…
    Die Kritik an den „sogenannten Experten“, die Zahlen „in den Raum“ hinein behaupten, spielt wohl auch auf die häufigen Artikel in der (Fach-)Presse an, die Social Media eben als Allheilmittel darstellen und die Clubs alles verschlafen. Ein Beispiel hierzu: In einer der letzten Sportbild-Ausgaben gab es einen Artikel, in dem sinngemäß ausgesagt wurde, dass Hoffenheim erst auf Nachfrage der Zeitung seine Facebook-Seite mit Leben füllte. Nun, da scheint wohl eher Kommissar Zufall am Werk gewesen zu sein, der zu einer zeitlichen Überschniedung führte: Der Kraichgau-Club wird sich die wirklich gut gemachten Aktionen (z.B: „achtzehn99-Facebook-Loge“) nicht mal eben so weil Sport-Bild dort angerufen hat, ausgedacht haben – da steckt Konzept dahinter…
    Was ich damit sage will ist: Ja, die Clubs brauchen Social Media! Aber der ein oder andere kritische Blick tut dem Thema momentan sicher gut! Die Aktivitäten müssen langfristig angelegt und stringent sein. Mal eben reinschauen und gucken was geht, ist eher kontraproduktiv – doch den Eindruck bekommt man bei dem ein oder anderen Auftritt momentan…

  7. @Daniel: Freu mich auf deine Kommentare und Besuche hier im Blog! Noch gespannter bin ich natürlich auf deine Zwischenergebnisse🙂 Wenn ich irgendwie helfen kann: Bitte nicht zögern.

    @Andreas & Daniel: Freu mich, dass dieses kleine Blog verbindet! Sehr schön🙂

    @Markus: zunächst einmal vielen Dank für den sehr differenzierten Beitrag und die Einblicke bzgl. S04 Comm. Sehr interessant und mit Sicherheit eine Betrachtung im Blog werd. Lieben Dank für die Inspiration😉

    Zum Thema Experten und Aktionismus: Ich bin da vollkommen bei Dir. So schnell sich die Social Media entwickeln mag, so bedacht sollte ein Konzept ausgearbeitet werden. Deshalb verstehe ich auch die anfängliche Zurückhaltung der Bundesligisten in der Social Media mittlerweile besser. Auch vor diesem Hintergrund der schnellen Entwicklungen würde ich niemals auf die Idee kommen mich als Experten zu bezeichnen. Social Media bedeutet für mich täglich etwas dazu zu lernen. So auch aus dem Interview.

    Wie schon geschrieben: Unabhängig von der Richtigkeit der Aussagen, liegt es doch auf der Hand zunächst nach dem Nutzen für den Klubs zu fragen. Ein Mehrwert für Fans ist schön, sollte aber auch gleicheitig dem Verein nutzen. Sonst könnte man auch die Eintrittspreise weglassen und hätte eine phantastische Fanbindung. Der Nutzen ist definitiv, wie alle hier dargestellt haben, gegeben. Und um es kurz zu machen: Ich empfinde das kritische Hinterfragen als ebenso unumgänglich wie für die Bundesligisten die Social Media bzw. in erster Linie Social Networks. Inwieweit der Schluss aus dem Hinterfragen des Verantwortlichen dann ein richtiger ist sei mal dahingestellt…

  8. Pingback: Fundstücke vom 28.10.2010 | daniel rehn – digitales & reales

  9. Auf jeden Fall.
    Ich schreibe gerade meine Bachelor Thesis zu diesem Thema. In Anbetracht des besonderen Marktes und der gegenseitigen Abhängigkeiten von Medien, Vereinen, Verbänden und Sponsoren und nicht zuletzt durch eine hohe emotionale Bindung der Fans, lässt sich die Kommunikation als wichtiges strategisches Instrument für Fußballvereine identifizieren. Und als Kommunikationsinstrument bieten Social Media einfach optimale Funktionen.

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