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„wir müssen aufpassen nicht in eine zweite internetblase zu laufen“

Es ist mal wieder soweit: Genug der Zeilen „des sportmanagers“ – Heute soll nach Daniel Rehn, ein weiterer Experte für das Social Web hier im Blog zu Wort kommen und seine Ansichten mit euch teilen. „ask the expert“ die Zweite: Wir betrachten mit Enrico Gräfe gemeinsam die Fragestellungen, wie Vereine mit Bloggern umgehen können und welchen Stellenwert Blogger mittlerweile in der „Medienlandschaft“ einnehmen. Zu guter Letzt eine sehr kontrovers diskutierte und spannende Frage. Die Frage nach der Kommerzialisierung von Blogs. Der obligatorische Blick in die Glaskugel darf aber auch nicht fehlen und ergibt einen warnenden Hinweis.

der sportmanager: Enrico, vielleicht möchtest Du Dich für die, welche Dich noch nicht aus Deinem privaten Blog kennen zunächst einmal näher vorstellen? Gerne auch die Projekte, welche Du im Social Web zurzeit betreust.

enrico gräfe: Hi, gerne doch. Ich bin noch 26 Jahre jung, arbeite in einer Agentur für digitales Kommunikationsdesign (auch Webdesign und Onlinemarketing genannt) und blogge auf meinem eigenen Blog jetzt etwas über 2 Jahre. Ich würde mich selbst als Social Media addicted bezeichnen und verbringe manchmal etwas zu viel Zeit in dieser virtuellen Welt. Neben meinen Blog bin ich derzeit im trendline Blog aktiv, ein sehr spannendes Projekt bei dem ich sehr gespannt bin wohin es führt.

der sportmanager: Du verfügst ja mittlerweile durch Dein Blog marketing-gui.de über eine intensive Erfahrungen als Blogger und kennst die Probleme, Herausforderungen, mit welchen man so zu kämpfen hat, mit Sicherheit gut. Im Sport gibt es ja mittlerweile auch zahlreiche Blogger welche sich ihrem „Lieblingsverein“ widmen und einen relativ großen Einfluss haben. Welche Möglichkeiten siehst Du für die Vereine die Blogger einzubinden bzw. für sich zu nutzen?

enrico gräfe: Ich glaube die Angst der Vereine vor den Bloggern ist ähnlich groß wie die der Unternehmen. Da sitzt einer irgendwo am PC und schreibt einfach was ihm so einfällt. Ohne das man ihn kontrollieren oder zensieren kann. Dieser Wandel in der Kommunikation ist für viele Verantwortliche noch immer neu, auch wenn einige Blogger bereits 5 Jahre aktiv sind. Um als Verein also einen Nutzen daraus zu ziehen muss man sich von der klassischen Sicht verabschieden und den Blogger auf einer Ebene mit sich selbst sehen. Wenn man dann ganz nett anfragt und in einen offenen Austausch tritt werden die wenigsten etwas dagegen haben. Schließlich bloggen sie für „ihren“ Verein und haben in der Regel nur positive Absichten. Aus einer aktiven Zusammenarbeit ergeben sich dann natürlich sehr, sehr viele Möglichkeiten. Oft erreicht ein Blogger ein Publikum das sich nicht für die Vereinswebsite interessiert. Hinzu kommt der mögliche Dialog der einen guten Einblick gibt was sich Fans, Sympathisanten und potenzielle Mitglieder so wünschen. Allerdings fällt es mir jetzt schwer allgemeine Dinge zu nennen da sich je nach Verein und Blogger ganz individuelle Möglichkeiten ergeben und manche Dinge sicher aus verschiedenen Gründen nicht möglich sind.

der sportmanager: Du hast eben angesprochen, dass Blogger ganz andere Zielgruppen ansprechen können, als klassische Medien (gemeint sind vor allem Websites). Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welchen Stellenwert können Blogger im Vergleich zu anderen Medien – sowohl on- als auf offline – einnehmen, und warum?

enrico gräfe: „Blogger“ ist für diese Frage zu allgemein. Es gibt tausende Blogger die einfach nur zum Spaß ihre, teils unreflektierten, Gedanken ins Web stellen. Das ist dann eben auch nicht mehr als deren Meinung und der Informationsgehalt ist nicht selten eher mau. Auf der anderen Seite gibt es richtig professionelle Blogger die sich auf ein Themengebiet spezialisiert haben und dort schon fast ein Magazin betreiben. Und die große Masse ist zwischendrin, also jene Blogger die versuchen einen Mehrwert zu bieten aber weit von Professionalität entfernt sind (ich zum Beispiel). Aber, um Deine Frage zumindest im Ansatz zu beantworten, ich denke das Blogger sich neben den etablierten Medien einordnen sollten. Quasi als Ergänzung. Ich möchte weiterhin nicht auf Fachmagazine und meine Tageszeitung (gern auch mal online) verzichten, aber die anderen Betrachtungswinkel von Bloggern sind ebenso wertvoll. Auch, oder gerade weil ein Blogger in der Regel keinen Zwängen von Redaktionen, Werbepartnern oder anderen Lobbyisten unterliegt. Dafür sind Blogger gern polemisch, sensationsbewegt und eben sehr subjektiv – das macht uns aber auch aus. (lacht)

der sportmanager: Um diese Individualität und Freiheit auch im Rahmen dieses Interviews zu ermöglichen möchte ich dir freie Hand und dich eine Frage, welche du schon immer mal beantworten wolltest, beantworten lassen.

enrico gräfe: (überlegt) Spannend ist für mich die Frage ob man vom bloggen leben kann. Ich denke in Deutschland ist das nur schwer möglich. Zumindest wenn man ein Einkommen von mehr als 12.000 Euro im Jahr anstrebt. Denn Blogs sind in Deutschland für viele Werbekunden nur ein Beiwerk und damit fließt eben auch nur wenig Geld in diesen Kanal. Auch wenn hier und da ein durchaus großes Unternehmen eine Kampagne im Social Web startet gibt es nur eine geringe Zahl von Bloggern die wirklich gute Einnahmen erzielen. Daher sollte jeder der mit den bloggen beginnen will sich von Beginn an klar machen dass es in gefühlten 99 von 100 Fällen ein zeitintensives Hobby bleibt. Ich zum Beispiel nehme mit meinen Blog gerade so viel Geld ein das ich mir meine Urlaubskasse ordentlich auffüllen kann, mehr aber nicht.

der sportmanager: Trotzdem ein interessanter Ansatz. Schließlich investiert jeder Blogger viel Zeit in sein Werk. Du hast eben angedeutet, dass in Deutschland – was das Bloggen anbelangt – noch Entwicklungsmöglichkeiten bestehen. Betrachtet man das Blog als Teil der Social Media stellt sich die Frage, nach den kommenden Entwicklungen. Der Blick in die Glaskugel ist oft schwer und sehr spekulativ aber trotzdem immer wieder sehr interessant. Sehr interessant wäre es deshalb deinen Blick in die Zukunft zu erfahren. Was denkst Du wird im Jahre 2011 die prägendste Entwicklung im Bereich Social Media sein?

enrico gräfe: Ich glaube es wird die Konsolidierung nach dem Hype sein. Wir müssen höllisch aufpassen dass wir nicht in eine zweite Internetblase laufen und an vielen Stellen wächst der Drang nach absoluten und realen Werten. Die derzeitigen Träger des Hype wie Twitter und Facebook sind davon noch weit weg. Aber viele Profis suchen Wege genau zu berechnen was ein Follower oder Fan am Ende denn wirklich wert ist. Und damit dann auch welche Kosten vertretbar sind und welche eher nicht. Somit wird sich Social Media mehr und mehr zum Social Commerce entwickeln, das war an sich aber nur logisch. So wie unsere Eltern früher beim Kegeln diskutiert haben wo man Artikel A am Besten kauft geschieht dies eben nun mit wildfremden Menschen auf den verschiedensten Plattformen.

Es ist aber auch möglich das wieder ein neuer Dienst aus dem Boden sprießt und uns alle überrascht, bei dem Tempo kann man das kaum vorhersehen. Mich persönlich interessiert die Entwicklung von Flattr, also dem „Social Payment“ für Webinhalte – aber auch das ist ein Weg der Konsolidierung, denn damit wird man sehen was die generierten Inhalte der Blogger den Lesern wirklich wert sind.

der sportmanager: Damit sprichst Du, vor dem Hintergrund der Überlegungen eine Rupert Murdoch, ein verdammt spannendes Thema an. Dies zu beobachten wird mit Sicherheit eine spannende Angelegenheit bleiben. Ebenso spannend wie die Einsichten, welche Du uns in den vergangenen Zeilen gewährleistet hast. Deshalb möchte ich auch noch einmal an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön aussprechen und dies mit dem Hinweis auf dein aktuelles Projekt verbinden.

enrico gräfe: Vielen, vielen Dank für das Interview. Es würde mich natürlich freuen den einen oder anderen Leser auf meinem Blog oder dem trendline Projekt zu begrüßen. (lächelt)

über enrico gräfe

Enrico ist ein leidenschaftlicher Blogger welcher ganz den Themen rund um das Social Web und klassischen Marketing-Aspekten verfallen ist. Derzeit betreut er neben seinem Blog marketing-gui.de auch noch ein weiteres Blog in der Aufbauphase. Wer mit Enrico in Kontakt treten möchte, kann dies gerne mit 140 Zeichen auf Twitter (@marketing_guide), mit vielen Zeichen mehr in seinem Blog oder auf Xing tun.

(Bild: http://www.sxc.hu / gesieck)

One thought on “„wir müssen aufpassen nicht in eine zweite internetblase zu laufen“

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