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ist das die zukunft des ticketings?

Stellt euch vor ihr seid grade auf dem Weg zum Spitzenspiel in der Liga eurer Wahl. Warum ist euch auch nicht ganz klar. Schließlich erwartet man ja dass die Preise für ein Ticket wahnwitzige Summen erreichen werden. Eigentlich zu viel für den eigenen Geldbeutel. Vor dem Kassenhäuschen angekommen versucht ihr trotzdem einen stolzen Teil des letzten Gehalts loszuwerden. Zu eurer Verwunderung werdet ihr aber nicht nach dem gewünschten Sitzplatz, sondern nach dem gewünschten Preis dafür gefragt. Ihr reibt euch die Augen und fragt euch: Traum oder Realität?

Der Fan bestimmt den Preis

Die Florida Panthers machen es vor, dass der Traum zur Realität werden kann. Das Team fragt bei seinen Fans nach dem gewünschten Preis für das Ticket. Der Fan hat dabei die Wahl verschiedene Ticket-Pakete (Dauerkarte für die gesamte Saison, für die halbe Saison und Ticketpaket für 13 Spiele) zu wählen und sein persönliches Angebot an das Team der NHL abzugeben. Innerhalb von 24 Stunden prüfen die Panthers das Angebot und nehmen es gegebenenfalls an. Der Clou an der Sache ist, dass der Fan nicht nur den Preis, sondern auch den Platz, von welchem aus er das Spiel genießen möchte, auswählen kann.

Bild: panthers.nhl.com / Florida Panthers

Man mag schnell in die Versuchung kommen den innovativen Ansatz zu loben und nicht zu hinterfragen. Trotzdem drängt sich eine zentrale Frage auf:

Ist das wirklich die Zukunft des Ticketings?

Die Einnahmen aus dem Bereich der Dauerkarten stellen für jeden Klub eine immens wichtige Säule dar. Ebenso wie bei Einnahmen aus Sponsoring oder TV-Rechte sind die Erlöse aus den Dauerkarten eine entscheidende Konstante in den Planungen eines Klubs. Unabhängig vom sportlichen Erfolg sind diese Plätze für die gesamte Saison verkauft. Die Einnahmen stehen also fest zur Verfügung. Und das bereits vor der Saison. Folglich ist es bei der Preisplanung von besonderer Bedeutung, Angebot und Nachfrage in ein Gleichgewicht zu bringen um das geplante Kontingent an Dauerkarten auch absetzen zu können.

Die Aktion der Florida Panthers bietet dabei für den Klub eine einfache wie effektive Möglichkeit unter realistischen Bedingungen die Zahlungsbereitschaft der Fans zu testen. Im Ergebnis erhält der Klub die Möglichkeit sein Angebot so anzupassen, dass der Fan für seinen genannten Preis die Möglichkeit erhält sein Team im Stadion zu unterstützen. Dass er dabei allerdings keine freie Platzwahl haben kann und eventuell auch andere Abstriche im Komfort machen muss, erklärt sich von selbst. Trotzdem wird er sich respektiert und „gehört“ fühlen und eine stärkere Bindung zum Klub empfinden.

Allerdings ist die Gefahr groß, dass Fans auch in den kommenden Spielzeiten eine ähnliche Aktion und eventuell ähnlich niedrige Preise erwarten werden. Trotzdem die Situation aber mittlerweile eine andere sein könnte. Das Team könnte im Gegensatz zur vorherigen Saison größeren sportlichen Erfolg und neue Stars haben. Dies wirkt sich auf das Bedürfnis des Fans aus und kann zu einer höheren Zahlungsbereitschaft führen. Geht der Klub allerdings fälschlicherweise weiterhin von den Ergebnissen aus der vergangenen Saison aus, so ist die Gefahr recht hoch, dass das Produkt eine Abwertung erfährt.

Auf den Punkt gebracht

Ein wirklich interessanter Ansatz um den Fans zu vermitteln, dass sie gehört und dass ihre Bedürfnisse ernst genommen werden. Auch lassen sich auf diesem Wege leicht neue Fans für eine Dauerkarte begeistern und die Bindung der alten Fans erhöhen. Allerdings sollte doch vom alleinigen Einsatz solcher Aktionen für den Verkauf der Dauerkarten abgeraten werden, da sie auch zu Enttäuschung und Unverständnis in den Folgespielzeiten sorgen können.

Bild: (stock.change.com / duhdup)

Stellt euch vor ihr seid grade auf dem Weg zum Spitzenspiel in der Liga eurer Wahl. Warum ist euch auch nicht ganz klar. Schließlich erwartet man ja dass die Preise für ein Ticket wahnwitzige Summen erreichen werden. Eigentlich zu viel für den eigenen Geldbeutel. Vor dem Kassenhäuschen angekommen versucht ihr trotzdem einen stolzen Teil des letzten Gehalts loszuwerden. Zu eurer Verwunderung werdet ihr aber nicht nach dem gewünschten Sitzplatz, sondern nach dem gewünschten Preis dafür gefragt. Ihr reibt euch die Augen und fragt euch: Traum oder Realität?

6 thoughts on “ist das die zukunft des ticketings?

  1. Der Ansatz ist in der Tat überaus interessant und könnte durch die ermittelten Werte und Ergebnisse auch im Preis-/Leistungsverhältnis wieder aufgenommen werden.

    Ein Beispiel dafür wäre u.a. auch eine Kopplung an die Treue der Fans. Nehmen wir einfach mal an die Panthers nehmen aus dieser Saison einen Dauerkartenpreis X mit und passen ihn noch ein wenig (nach oben) an, könnten sie bereits aus der Zahlungsbereitschaft der Spielzeit ihre Rückschlüsse ziehen und durch den angepassten Preis mehr Dauerkarten für die neue Saison absetzen, schließlich liegt der Preis näher an den Fanvorstellungen und garantiert somit auch wieder mehr kalkulierbare Einnahmen [kann man meinen Gedanken gerade folgen? ;)]

    Darüber hinaus könnte man den Fans für ihre Treue auch noch die Option schmackhaft machen durch regelmäßige Besuche die Kosten für die Dauerkarte der nächsten Saison (drastisch) reduzieren zu können. Bspw. 20% Rabatt bei mehr als 30 besuchten Spielen von 41 Heimpartien, was für NHL-Verhältnisse ja durchaus machbar ist. Hier hätten die Fans wieder die Möglichkeit Geld zu sparen – und zwar durch die bloße Anwesenheit bei Events, für das sie ja schon längst bezahlt haben – und der Verein hätte für die TV-Bilder attraktive, vollbesetzte Hallen, was widerum für Sponsoren interessant wird.

    Auf jeden Fall kann man gespannt sein, wie die Resultate dieses Angebotes am Ende aussehen, wobei ich da durchaus zuversichtlich bin, wenn man ähnliche Aktionen von Musikern beobachtet, die ihre Alben zum „Fan-Preis“ verkauft haben …

  2. Soweit ich das bisher mitbekommen habe, sind bisher knapp 50 Saison-Dauerkarten und 50 ähnliche Ticketpakete abgesetzt worden. Das mag wenig klingen, aber das Angebot des Fans und die Erwartung des Klubs müssen sich bei aller Liebe zum Fan an einer realistischen Schnittstelle treffen.

    Kurz zu Aktion an sich: Das ist Marktforschung in einer Form wie sie realistischer nicht sein könnte. Das schöne dabei ist die „win-win“-Situation. Sowohl die Fans die Fans profitieren, indem sie ein Produkt bekommen was ihren Preisvorstellungen entspricht, als auch der Klub. Letzterer in einer vielfältigen Weise. Er bekommt nicht nur Feedback, ob seine Preise angemessen sind, sondern er kann über diese Aktion „Gelegenheitsbesucher“ zu Dauerkartenkäufer umwandeln.

    @Daniel: Die Treue-Option finde ich sehr interessant, da – gesetzt den Fall es kommen neue Fans hinzu – trotz des Rabatts bei den Tickets höhere Einnahmen erzielt werden können. Schließlich wird der Fan nicht Sport, sondern auch andere Produkte konsumieren (Getränke, Essen, Fanartikel, usw.).

    Man könnte den Gedanken ja einmal fortspinnen und ihn auf die anderen Bereiche (Merchandising und Catering) übertragen. Klar gibt es dort eine Grenze nach unten, aber die existiert bei den Tickets ja auch. Interessant wäre es zu wissen, inwiefern derartige Aktionen über eine erhöte Transparenz der Preisfindung hinter den Kulissen nachweislich zu einer verstärkten Bindung an den Klub, öftere Besuche der Spiele und dem Gewinnen neuer Fans führen würde. Jemand Interesse eine Studie durchzuführen?🙂

  3. Ein durchaus interessanter Ansatz. Aus Sicht der Marktforschung sicherlich auch förderlich. Allerdings frage ich mich, ob sich das für die Clubs finanziell wirklich lohnt. Ich weiß nicht wie viele Dauerkarten ein NHL-Club im Durchschnitt absetzt, aber für mich klingt das so, dass dabei ein gewaltiger und vielleicht teilweise unnötiger Verwaltungsaufwand entsteht.

    Dass man an den Verkaufsformen von Tickets und Dauerkarten arbeitet und innovativer wird, ist zumindest ein positives Zeichen. Und solche Dinge wie Treue-Rabatt sollten eigentlich zur Normalität werden, da kann ich Daniel auch nur zustimmen.

    Werden in den amerikanischen Profiligen eigentlich spezielle Verkaufsformen eingesetzt, wenn am Spieltag oder dem Tag vorher abzusehen ist, dass ein Spiel nicht ausverkauft sein wird?

  4. Geb Dir vollkommen Recht, dass sich Aufwand und Ertrag in einem sinnvollen Verhältnis befinden sollten.

    Die Frage ist nur welche Zielsetzung die Panthers mit der Aktion verfolgt haben. Ging es darum

    1) den reinen Absatz der Dauerkarten zu steigern,
    2) die Transparenz und Akzeptanz der Ticketpreise zu erhöhen oder
    3) aussagekräftige Informationen über die Zahlungsbreitschaft der Fans zu finden?

    Sollte 1) primär im Vordergrund gestanden und 2) und 3) keine Rolle gespielt haben, so gibt es mit Sicherheit weniger aufwendige Aktionen.

    Ich denke aber, dass es es eine Kombination aller drei Aspekte ist. Dabei sollte man auch nicht vergessen, dass Wechselwirkungen entstehen und die Effekte rund um die Aktion auch Wirkungen auf den Absatz anderer Produkte neben den Dauerkarten haben könnten. Insofern wäre es allerdings umso interessanter die Effektivität der Aktion anhand harter Zahlen zu messen. Dann aber mit einem erheblichen Mehraufwand.

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