IF

gastbeitrag: social media auf argentinisch. eine kontaktsportart mit potential [part2]

Nicht nur auf dem Rasen ist Boca Juniors momentan unschlagbar. Auch auf Facebook und Twitter führt der Club seine Konkurrenten vor. Regelmäßige Updates, die eigens für den Kanal aufbereitet sind, stillen den Durst der Xeneizes. Boca offeriert als einziger Club ein eigenes Onlinegame und integriert geschickt die Sponsoren in die Plattform mittels Gewinnspielen, Videos und Empfehlungen. Unvergessen ist beispielsweise die Aktivierung der Partnerschaft zwischen Nike und Boca Juniors mit dem Spot „The day the stadium spoke”.

Kein Geheimnis macht der Club daraus, dass er bei der Ideensuche gerne die in Übersee gut funktionierenden Konzepte anwendet. Derartige Argumente verwendete der kürzlich designierte Clubpräsident Daniel Angelici auch gerne im Rahmen seines Wahlkampfes. Das ganze natürlich mit dem Hintergrund, die „glorreichen Zeiten“ wieder zurück zu holen, also sportlich und wirtschaftlich auf Augenhöhe mit Größen wie FC Barcelona oder Real Madrid zu gelangen.

Ganz andere Ansprüche haben da Clubs wie Atlético Banfield. Der Erstliga-Verein aus der Vorstadt von Buenos Aires rief seinen Facebook-Account Mitte Januar 2012 ins Leben und bejubelt in der Pressemitteilung mittlerweile 2260 Fans aus Süd- und Nordamerika. Warum sich darunter jedoch auch Fans aus Singapur oder Indien finden, können sich die Macher nicht erklären.

Das Auftreten von Banfield ist typisch für das vieler anderer Erstliga-Vereine im Land. Die meisten teilen ausschließlich Tweets und treten nicht in den Dialog mit den Fans. Zudem nutzen sie die Plattformen sehr begrenzt für wirtschaftliche oder werbliche Zwecke. Demnach stehen auch sogenannte Social Plugins wie der Facebook “Like Button” nicht zur Diskussion. Diesen könnte der Betreiber auf seiner Webseite integrieren, damit Fans durch einen Klick auf den Button zum Ausdruck bringen können, dass ihnen ein Eintrag gefällt und ihn mit den Freunden teilen.

Lessons learned in Argentinien

Aktivitäten in den sozialen Netzwerken können helfen, das Image eines Vereins und deren Spieler positiv zu beeinflussen. Empfehlungen haben nicht nur bei uns eine hohe Relevanz im Geschäftsalltag und zusätzlich durch das Web 2.0 weiter an Bedeutung gewonnen. Jedoch gewinnt man den Eindruck, dass nur wenige Clubs verstehen, wie man Empfehlungen effektiv erzeugen, steuern und im besten Fall für sich nutzen kann. Das Ziel sollte es sein, durch überdurchschnittlich hohe Zufriedenheit ein positives Image aufzubauen und neue Fans bzw. Kunden zu gewinnen und so den wirtschaftlichen Erfolg des Clubs zu sichern und zu steigern. 

Festhalten lässt sich jedoch, dass institutionelle Kommunikation in den sozialen Medien im Land der Gauchos relativ neu ist. TV als willkommene Einnahmequelle für teure Medienrechte bleibt zumindest sehr begrenzt. Mit dem im Juni 2009 verabschiedeten Mediengesetz wird es Privatsendern durch eine Klausel untersagt, für die Übertragung von großen Sportveranstaltungen Geld zu kassieren. Große Sportereignisse dürfen daher kostenlos gesehen werden, wobei es der Fußball-Nation Argentinien eben um den populären Sport Fußball geht. Gleichzeitig gibt es hunderte von Webseiten, Newslettern und Blogs, die sich jeden Tag mit denselben Themen beschäftigen, aber nicht im direkten Einfluss der Planer liegen.

Social Media bietet den Clubs eben die Chance, direkt mit ihren Zielgruppen zu kommunizieren, ohne sich auf herkömmliche Medienkommunikation verlassen zu müssen. Hierbei ist der Trend erkennbar, dass von den Clubs bereitgestelltes Bildmaterial und Videos zur Weiterverwertung von Bloggern etc. verwendet werden. Vielen Journalisten im Land ist das zu viel. Anstatt eines Livestreams für die Presse bevorzugen sie den direkten Kontakt. Außerdem fordern sie anderes als im Web verwendetes Material bereitgestellt zu bekommen.

Um erfolgreich zu sein, sollte man das vorhandene Netzwerk nutzen, um mit den Einsatz der Online-Medien Interaktionen im wahren Leben zu bewirken. Boca versteht es sehr gut, die verschiedenen Onlinekanäle miteinander zu verknüpfen, Gewinnspiele zu lancieren und damit Events im bzw. vor dem Stadion aktiv zu gestalten. Dass die Menschen in Argentinien darauf reagieren, zeigte unter anderem ein Event in der Provinzhauptstadt Mendoza. Knapp 11.000 junge Leute verabredeten sich via Facebook zum Fußball spielen und blieben der Schule fern.

Und unterm Strich?

Social Media ist bei weitem keine passive Sportart mehr. Insbesondere, seitdem sich mehr und mehr Firmen in den Netzwerken tummeln und um die Aufmerksamkeit der Fans buhlen. Als Planer kann man sich nicht mehr in einer komfortablen Liegeposition aufhalten, sondern muss angreifen auf dem virtuellen Spielfeld mit Handlungen, sich bewegen, strategisch denken um zu siegen. Wie auch im Fußball muss man sich ein effektives Netzwerk aufbauen.

Natürlich sollte man auch erwähnen, dass es viele andere Baustellen in der Liga im Land gibt. Deutlich sollte es den Vermarkter und Clubverantwortlichen werden, welches Potenzial hinter den Tools steckt und was dadurch bewegt werden kann. Ein einziger Blick in den Buzz der unzähligen inoffiziellen Seite öffnet die Augen. Die Fans von River Plate (Facebook: 1.321.398, Twitter: 88.000) haben beispielsweise erst kürzlich über inoffizielle Kanäle zur Teilnahme am Umzug für den 111. Jubiläum des Clubs mit einer sechs Kilometer langen Vereinsfahne getrommelt. Seien wir gespannt – Am 25. Mai ist es so weit.

Marcel KapuschowskiÜber: Marcel Kapuschowski:

Marcel Kapuschowski ist studierter Sportmanager.Zu seinem Portfolio zählen unter anderem Vermarktungsprojekte für die Porsche AG, den Deutschen Fußball-Bund oder den Landessportbund Thüringen. Im Rahmen des Masterstudiums „International Management“ studierte er an der renommierten Universidad Argentina de la Empresa in Buenos Aires und befasste sich unter anderem mit strategischem Management und Außenhandel in Argentinien.    

About these ads

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s