die vier am eck – gedanken zu social media und sport #3

Kann man bei der dritten Ausgabe schon von einer Tradition sprechen? Nee, nicht wirklich. Serie kommt wohl eher hin. Also: Mittwoch. Vier Köpfe. Vier Meinungen.

Die Idee hinter “die vier am eck” ist relativ einfach: Jede Woche setzen sich vier von uns Verrückten zusammen und diskutieren eine These zu Social Media und Sport.

These: Vereine können mit dem 24/7-Informationsbedürfnis der Fans im Social Web (noch) nicht umgehen

Jonathan sagt …: Es gibt schon etliche Anlaufstellen mit Informationen zum Klub. Warum diese also nicht aggregieren, wenn man sie selbst nicht 24/7 bieten kann?

Fans lieben ihre Vereine und Fans saugen jede Information auf, ganz egal, wo sie her kommt. Das Social Web ist voll von Informationen und “Stammkneipen”, in denen sich ein Fan informieren und austauschen kann. Suchen werden sie jedoch immer wieder auch in den Kanälen des Vereins. Eine Herausforderung für den Klub wird es sein, die Stammkneipen und die Wünsche dieser Gäste und Wirte zu bedienen und die Beziehung zu pflegen. Aber auch ein “Guide” für eine schöne Kneipentour ist wichtig.

Warum also diese Impressionen und Stimmungen aus den verschiedenen Kneipen nicht sammeln und einen Hub anbieten, der dem Fan die ganzen faszinierende Welt des User Generated Content rund um den Klub und vor allem um die Uhr zeigt? Warum nicht den interessierten Fan an den Ort begleiten an dem er sein Informationsdurst stillen kann? Das wäre ein Ansatz, den ich sehr begrüßen würde!

Hauke sagt …: Der Wunsch nach 24/7-Informationen ist nicht neu. Aber die Klubs kriegen es nun stärker mit und müssen damit umzugehen lernen.

Ich bezweifle, dass es seit Aufkommen des Social Web plötzlich ein 24/7-Informationsbedürfnis der Fans gibt. Das Bedürfnis nach interessanten, aktuellen Informationen war stets vorhanden. Neu ist die Erwartungshaltung der Fans, aus individueller Anfrage resultierend Informationen zu bekommen und das Kommunikationsverhalten des Clubs in gewisser Weise mitgestalten zu können.

Einige Clubs können einfach noch nicht damit umgehen, dass a) Dialog (nur) auf Augenhöhe zum Erfolg führt und dieser eine Menge Empathie voraussetzt und b) die Herausgabe von Informationen zu bestimmten Zeiträumen und -punkten wichtig ist, die sich nicht immer mit geregelten Arbeitszeiten wie den Öffnungszeiten der Geschäftsstelle oder der klassischen Medien decken.

Georg sagt …: Updates rund ums Spiel sind toll, aber was ist mit der Zeit dazwischen? Hier müssen sich Vereine eigentlich noch stärker einbringen.

Social Media ist von Montag bis Freitag 9-17 Uhr. Danach ist Feierabend. Das trifft zumindest für die meisten Unternehmen zu, die sich im Social Web betätigen – bei Sportvereinen ist das naturgemäß etwas anders gelagert, da besonders am Wochenende Spieltermine und ähnliche Events stattfinden. Trotzdem kann man ähnliche Phänomene beobachten.

Vor, während und nach Spielen gibt’s überproportional viele Status-Updates, Tweets und sonstigen Content. Aber wie sieht’s sonst aus? Die Fans sind weiterhin im Social Web unterwegs und wollen sich über ihren Lieblingsverein informieren. Sportklubs vergeben Chancen, wenn sie dieses Verlangen nach Content nicht befriedigen. Gerade das “Web 2.0″ bietet sich hervorragend für massig Content an, da neben technischen, automatisierten Filtern auch der eigene Freundeskreis aktiv dazu beiträgt, die interessantesten Infos aus dem Web herauszusaugen.

Meine Empfehlung: Liebe Vereine, bringt (guten) Content noch und nöcher! Fotos, Videos von hinter den Kulissen, interessante Einblicke und und und. Ob das angenommen wird, verraten ohnehin die Statistiken. Jedoch erst nach der Flut.

Daniel sagt …: Es gibt kein “genug” an Informationen für Fans. Sich dem permanenten Druck und Wunsch nach mehr bewusst zu verwehren kann auch ein Weg sein, wenn die Mittel für mehr nicht zur Verfügung stehen.

Ich kann mich Hauke nur anschließen. Der Wunsch nach Informationen zur großen Liebe Mannschaft war schon vor dem Social Web da, hat nun aber ganz neue Blüten treiben können, da die Möglichkeiten gänzlich andere sind. Fans sind permanent auf der Suche nach neuen Aussagen, Gerüchten, Statements usw. Dabei verrenken sie sich auch schon einmal, um den Finger am Puls der Zeit und das Ohr am Boden zu haben, um ja nichts zu verpassen. Und ich denke, die Vereine, die sich mit ihrer Fanbasis auseinandersetzen, wissen auch darum. Nur ist es auch eine Frage der personellen Ressourcen und Themen, die man einbringen kann. Gerade in kleineren Sportarten und Vereinen will man unglaublich viel machen, kann aber die begrenzten Mittel nicht mit einem Fingerzeig verdoppeln oder verdreifachen.

Wer also nicht in der Lage ist, um den 24/7-Wunsch zu bedienen, kann durchaus überlegen einen Schritt auf die Fans zuzumachen und sie in einer Fanzone zu bündeln, damit sie sich dort austauschen und Infos ausdiskutieren können. Wenn das dann noch unter “Aufsicht” eines Vereinssprechers oder gewählten Kommunikators aus der Fanbase passiert, umso besser. Allerdings kann man mit einem bewussten Schüren von Informationsflüssen und gezielter Verknappung auch Erwartungshaltungen und Vorfreude forcieren, die der Kommunikation des Vereins weitestgehend in die Karten spielen. Wie gesagt: Die Fans reden so oder so über den Klub. Als Klub kann man mit Blick darauf einfach abwägen, ob man mitreden möchte und Gesprächsstoff liefert oder eben nicht. Ein “Genug” an Information kann es aus Fan-Sicht sowieso nie geben … Und selbst wenn man mit Infos spart/geizt, die Fans werden auch weiterhin alles aufnehmen, was man ausspielt. Egal ob im Social Web oder auf klassischem Wege über PK, Interviews, Medien und Co.

Foto: flickr.com/photos/birdman6

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7 thoughts on “die vier am eck – gedanken zu social media und sport #3

  1. Selbst in einer Liga tätig kann ich nur sagen: Alles eine Geldfrage! Die Eigner sind sich der Situation noch nicht bewusst. Was soll dieses web 2.0-zeug? warum erzählen mir irgenwelche junge gestalten, ich könnte damit geld verdienen? Wieviel sind x follower wert? Was bringen mir y likes bei eine Posting über einen neuen Spieler. Das ist diuesen Menschen zu diesem Zeitpunkt nicht kommunizierbar. und nur wenn man das schaffte, würde in den Klubs und auch in der Liga Geld für nowendige manpower frei. ( und da rede ich noch bei weitem nicht von 24/7…)

    • Natürlich spielen die eigenen Ressourcen eine große Rolle, da hast du absolut recht. Aber auf der anderen Seite kann man mit wenig Aufwand schon viel erreichen, solange man einen Plan hat, wie man mit den Wünschen und Anforderungen der Fans umzugehen hat.

      Für die Vereine selbst, die eben keinen Plan haben, was im Social Web zu tun ist, fällt es natürlich nicht leicht sich dann von einem “Bengel” die Welt erklären zu lassen, obwohl man solange ohne Social Media zurecht kam. Hier muss aber auch ein strategisches Bewusstsein vorhanden sein, an das sich appellieren lässt, auch wenn man skeptisch ist.

      Ein Berater, eine Agentur oder eben der Praktikant (auch wenn ich diese Entwicklung mehr als unglücklich finde) müssen, wie du schon sagst, in der Lage sein zu vermitteln, was um alles in der Welt das soll. Der Praktikant, der keine finanziellen Interessen hat, ist da vielleicht sogar noch die ehrlichere Alternative …

      Aber, um wieder auf den Anfang zu kommen: Wo keine Kräfte sitzen, die sich um die Betreuung eines Accounts kümmern können, wird es keine großartige Entwicklung geben. Weder 24/7 noch 9to5 noch sonst irgendwie.

      • das Problem, vor dem wir hier stehen, ist, dass Clubs zwar Lawinen für Spieler ausgeben, die das ganze dann in toren, pässen oder von mir aus auch strafminuten zurückzahlen und der impact direkt spürbar, messbar ist. Und wenn er nicht passt, der impact, dann schmeisst man den Spieler raus, bumms. Wenn man aber jemanden anstellt, der mit den fans eine Beziehung aufbaut, und man schmeisst den raus, dann hat der nicht in der Öffentlichkeit autogramme geschrieben, sondern meinung gebildet. Und dadurch einfluss gewonnen. Aber nicht auf messbare art und Weise. zumindest nicht für einen eigner. und deshalb (also kosten+ effektib unverständlich bis unkontrollierbar) scheuen klubs davor zurück, so jemanden zu holen und deshalb sitzen die klubs auf – im vergleich mit einer mittelgroßen marke – rudimentären strukturen.

    • Ein schöner Hinweis. Das ist ja genau der Punkt welchen wir hier im Blog ansprechen wollen. Wir wollen die Möglichkeiten aufzeigen und dem offenen Angestellten Argumentationshilfen an die Hand geben.

      Der Hinweis, inwiefern Kommunikation (im Social Web) dem obersten Unternehmensziel – der Existenzsicherung – dienlich ist, ist ein sehr guter aber kein neuer. Wenn ich mich richtig erinnere gab es genau diese Argumentation mit der „klassischen Öffentlichkeitsarbeit“ im Sport schon vor etlichen Jahren. „Warum brauchen wir jetzt auf einmal PR-Angestellte? Ich kann mich doch selbst mit dem Journalisten hinsetzen. Das krieg ich schon hin. Eine Website? Wir haben doch Zeitungen, Radio und Fernsehen die über uns berichten.“ So oder so ähnlich mögen die Sätze damals geklungen haben.

      Die Vorteile und die Wichtigkeit einer direkten Kommunikation zeigen nicht zuletzt Beispiele wie das des Ultimate Fighting Championship. Hier wird die negative Berichterstattung bei der ersten Berührung mit der Sportart durch eine direkte Kommunikation mit dem Fan umgangen. Und das mit Erfolg wie die vollen Arenen und der große Andrang bei Veranstaltungen abseits der Kämpfe international belegen. Und das dies wiederum sich auf die Kassen der Veranstalter bzw. die Nachfrage nach Übertragungen sowie neue Vermarktungsmöglichkeiten mit sich bringt liegt auf der Hand.

      Dana White (Präsident der UFC) beschreibt dies mit einem ganz fantastischen Satz: “You educate people about the sport and get more people talking about it, which is vital.”

      Ich denke, dass die Verweigerung gegenüber Neuerungen (auch abseits des Spielfeldes) oftmals mit der Zufriedenheit mit dem Ist-Zustand korreliert. Zufriedenheit ist Stillstand. Wer sich nicht wirtschaftlichen Zwängen ausgesetzt fühlt oder von dem Geld eines edlen Spenders abhängig ist, der wird auch oftmals nicht die Ambitionen haben, wie eine „kleine“ Organisation die bestrebt ist ihren wirtschaftlichen und sportlichen Stellenwert zu verbessern.

      • Die UFC Hat mich zum Glück (ist einfach nicht mein Ding) nie erreicht. Zu den Absätzen zuvor: Glaubs oder glaub’ es nicht. Es gibt nach wie vor Profi-Klubs, die nicht einmal eine Pressestelle haben.(ich kann euch die pressemeldungen dieser Klubs gerne zum persönlichen Amüsement zukommen lassen…) Man könnte argumentieren, gut, sowas gibt es nur in Österreich. Doch wenn du in Betracht ziehst, dass der österreichische Klub mit den höchsten Zuseherzahlen davon betroffen ist (Nummer 69 im IIHF-ranking für Zuschauer overall) verwundert das zwar, man muss sich dann jedoch nicht wundern, wenn es von diesem Klub keinen Web2.0-typen gibt. Obwohl das Potential enorm wäre. Doch der Typ müsste erst beweisen, dass er sein Monatsgehalt plus Steuern selber vom ersten Monat an reinverdient. und wie soll er das tun? Dazu kommt natürlich noch der Aspekt der saisonabhängigkeit, der zwischen Juni und Augst für komplettes Schwiegen im Walde sorgt.

        Vollkommen Richtig ist hier übrigens der unterste Absatz: Jener Verein lebt vom Geld einer Gönnerin.

  2. Das ist wirklich ein interessantes Thema. Viele Informationen sind schön und gut, aber da braucht man dann auch eine fähige und kreative Person, welche abschätzen kann was für Infos auf Interesse stoßen.

    Die Community stärken und Austausch unter den Fans fördern ist immens wichtig. Wenn man das nicht tut, dann bilden sich einfach externe Communities..

    Was ich auch noch interessant finde ist das Thema Content. Die meisten Buli-Vereine haben ja z.B. eigene, kostenpflichtige Web-Channels (fcb.tv, s04TV……), in der sich auch viele ausführliche Interviews, Hintergrundberichte und anderer hochwertiger Content besteht (neben den Spielen relive und in Zsfg). Bin gespannt, ob man davon in Zukunft mehr kostenfrei sieht oder ob man bei den Teasern bleibt.

  3. Ich denke, dass einige Vereine in der 1. und 2. Bundesliga schon einen Plan haben, wenn es darum geht nutzbaren Content über die Vereine zu veröffentlichen.

    Schaut man sich aber im Amateursport an, hapert es dort bei einigen Vereinen immer noch an einer vernünftigen Website. Dabei sehe ich gerade dort das Social Web als ideales Medium, um als Verein sich zu präsentieren und beispielsweise neue Mitglieder zu gewinnen. Aber dort fehlt es eindeutig an Know-How, Zeit und auch an Geld.

    Was ich schon einen beachtlichen Meilenstein finde, ist dass ja bekanntlich Freitag das erste Fußballspiel “live” und exklusiv auf Facebook übertragen wird. Hier tuen sich meiner Meinung nach ganz neue Welten auf, um für “relativ” unbekannte Vereine, eine riesige Reichweite zu bekommen. Auch im Hinblick auf Sponsoring eine sehr interessante Entwicklung

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