am_eck

die vier am eck – gedanken zu social media und sport #1

Unfassbar, aber hier ist er tatsächlich: der erste hochoffizielle Beitrag des Teamblogs. Und um gleich in die Vollen zu gehen, wollen wir ein bisschen unsere vermeintliche Expertise heraushängen lassen wie Michael Jordan seine Zunge anno dazumal auf dem Weg zum Korb.

Die Idee hinter “die vier am eck” ist relativ einfach: Jede Woche setzen sich vier von uns Verrückten zusammen und diskutieren eine These zu Social Media und Sport (und darüber hinaus).

Für den Anfang wird das die Stammbesetzung – bestehend aus Hauke, Georg, Jonathan und mir – sein, später, wenn wir unser Team Stück für Stück erweitert haben, gerne auch in Rotation mit unseren Gästen und Gastautoren. Wie Jonathan im Opener schon meinte, wir wollen wachsen und ausprobieren. In diesem Sinne ist Feedback zu unseren Meinungen wie auch Vorschläge für zu diskutierende Thesen mehr als erwünscht und Bewerbungen um eine Teilnahme an der Runde ebenso gern gesehen. Nun aber genug der Vorworte, lasst uns einsteigen.

These: Sportler brauchen Social Media Guidelines

Hauke sagt …: Das Kerngeschäft der Athleten ist das Sportliche, das kommunikative Know-How sollte, sofern nicht vorhanden, von außen kommen und unterstützen.

Sportler sind Sportler und nur in den seltensten Fällen auch Profis in Sachen Kommunikation im Social Web. Hinsichtlich der Beweggründe für einen Einstieg ins Social Web unterscheide ich zwischen drei verschiedenen Typen von Sportlern, die unterschiedliche Vorgaben erhalten sollten:

Sportler, die auf Anraten ihres (Club-)Managements bzw. eines ihrer Sponsoren mit dem Veröffentlichen von (persönlichen) Informationen im Social Web anfangen, sollten umfangreiche Vorgaben erhalten. Sie sollten bei ihren Aktivitäten auf jeden Fall Unterstützung von Netzwelt-kundigen Mitarbeitern (egal ob Management oder Agentur) bekommen.

Sportler, die zukünftig – möglicherweise aus eigenem Antrieb (z.B. aufgrund der Präsenz von Kollegen, Stars etc.) – mit den Aktivitäten im Social Web starten, sollten seitens des Managements bereits bei der Verpflichtung hinsichtlich der Chancen und Risiken der direkten Kommunikation im Social Web in Kenntnis gesetzt werden.

Und schließlich Sportler, die die direkte Kommunikation mit ihren Fans gerne selbst in die Hand nehmen, in der Netzwelt zu Hause sind und dabei mit gesundem Menschenverstand vorgehen. Ihnen sollte vom Management das entsprechende Vertrauen geschenkt werden. Im optimalen Fall ergeben sich aus der Zusammenarbeit zwischen Sportler und Management interessante Synergien.

Kernleistung eines Sportlers ist die sportliche. Authentizität und Dialog im Social Web lassen sich nicht erzwingen. Im Management sollten also das entsprechende Know-How, die Chancen und Risiken der Kommunikation von Sportlern im Social Web zu kennen, sowie das entsprechende Feingefühl, jeden Sportler hinsichtlich der Tauglichkeit für die Kommunikation im Social Web und der Medienkompetenz individuell einschätzen zu können, vorhanden sein.

Daniel sagt …: Sportler brauchen keine Guidelines. In erster Linie brauchen sie Kompetenztraining für die neuen Medien, die sonst unbedacht genutzt werden.

So gut wie jeder wird an seinen Worten und Taten gemessen – offline wie online. Wer also über die Stränge schlägt, egal ob im privaten oder beruflichen Kontext, der muss mit möglichen Konsequenzen rechnen. Für den Normal-User hält sich dieses Risiko weitestgehend in Grenzen, aber für Sportler, die ein Vielfaches an Aufmerksamkeit erfahren, gelten ganz andere Regeln.

Sie stehen, ähnlich wie internationale Unternehmen und Marken, unter permanenter Beobachtung der Fans, Medien, Vereine, Management und und und. Doch während Unternehmen in Abstimmung mit Agenturen, Beratern und vielfachen Kontrollschleifen der eigenen Kommunikationsabteilung mit Hilfe von Guidelines kaum ein Wort ungeprüft (online) publizieren, probieren sich Sportler wie Shaquille O’Neal oder Lewis Holtby zuweilen einfach aus und sind durch ihre authentische Art, ihren Entdeckergeist und den geübten Umgang mit den Medien aus dem Stand erfolgreich. Andere wie Charlie Villanueva fahren den Karren mit Pech gegen die Wand, da ihnen niemand gesagt hat, was im Social Web positiv wie eben auch negativ auf sie zukommen kann.

Von daher behaupte ich, dass Sportler keine Social Media Guidelines brauchen, sondern vor allem ein Kompetenztraining für Social Media, wie es zum Beispiel die meisten Profiteams ihren Spielern für den Umgang mit den klassischen Medien und ihren Journalisten verordnen. Nicht jeder kann abseits des Platzes ein mediales Universalgenie mit dem Weitblick eines Rio Ferdinand oder eine Rhetoriksau wie Christoph Metzelder sein.

Georg sagt …: Mama knows best. Die stärkste und einfachste Guidelines sollte auch für Sportler sein “Twitter nur, was du auch vor deiner Mutter verantworten könntest”.

Ich sehe es sehr ähnlich wie Daniel. Sportler im Social Web stehen in der Öffentlichkeit. Sie repräsentieren ihren Club, sich selbst oder ihre Brand. Sie verkörpern dadurch etwas, was über Zeit an Wert gewinnt – diesen aber ebenso wieder verlieren kann. Der Unterschied zu einem Unternehmen ist also relativ gering. Social Media gibt jedem Vereinsangestellten die Möglichkeit zum Sprecher zu werden. Viele vergessen dabei, dass sie dann nicht nur als Person sprechen, sondern zu jedem Zeitpunkt auch als Angestellter des Vereins, für den sie sich am Gameday ins Zeug legen, ihre Statusupdates posten.

Doch wie sollen Social Media Guidelines für Sportler aussehen? Für Twitter reicht vermutlich oft schon die Faustregel: “Twittere das, was du vor deiner Mutter verantworten kannst.” Klingt banal, funktioniert aber erstaunlich gut – am besten probiert ihr das selbst aus. NFL-Profi Rashard Mendenhall wird sich wohl auch gewundert haben, was sein – vielleicht unbedachter – Tweet anlässlich Osama Bin Ladens Tod an Medienecho ausgelöst hat. Sein Fehler? Er kritisierte die überschwängliche Freude am Tod eines Menschen. Möglicherweise hätten Social Media Guidelines Mendenhall und damit auch sein Team, die Pittsburgh Steelers, vor dem anschließenden Shitstorm bewahrt. Doch stellt sich hierbei die Frage, wie weit Vereine die Meinungsfreiheit ihrer Spieler beschneiden dürften. Denn in einer freien Welt darf Mendenhall seine Gedanken genau so äußern, ganz ohne Guidelines und Zensur.

Die Diskussion dreht sich oft um Teamsportler, die bei einem Verein angestellt sind. Doch auch für Einzelsportler gilt das Gesetz des Social Webs. Die beschädigen im Fall eines Griff ins Kommunikationsklo allerdings nur ihr eigenes Image. Full Stop. Teamsportler sollten sich immer zweimal überlegen, ob sie wirklich nur für sich sprechen oder doch auch eine Verantwortung gegenüber ihrem Team, ihren Kollegen, den Fans und ihrer Franchise haben.

Jonathan sagt …: Im Social Web gelten für jeden Teilnehmer bestimmte Spielregeln, die jeder kennen sollte. Warum also kein Coaching statt starren Guidelines?

Was diese Sportler definitiv brauchen ist ein Coaching. Langfristig kann ein Sportler nur erfolgreich sein und damit Spaß an der Kommunikation im Social Web finden, wenn er durch das intensive Austesten der verschiedenen Tools das findet, mit welchem er sich am wohlsten fühlt. Das kann Twitter, Facebook aber auch Blogging sein.

Ganz egal welche Plattform der Sportler auswählt – jede hat ihre eigenen Spielregeln. Wie die reale ist die digitale Sportwelt voll mit echten Supportern, aber auch Gegnern, deren Verhaltensweisen es zu beachten gilt. Niemand würde einen erfolgreichen Basketball-Profi in ein Schachspiel gegen den amtierenden Weltmeister schicken ohne ihm zu erklären was „Schach“ bedeutet.

Foto: flickr.com/paulhaeder

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13 thoughts on “die vier am eck – gedanken zu social media und sport #1

  1. Danke für den guten Beitrag und die interessanten Ansichten! Ich finde auch, dass oberste Prämisse für alle digitalen Aktivitäten – nicht nur von Profisportlern – immer der gesunde Menschenverstand und ein gewisses Bewußtsein für die Funktions- und Wirkungsweisen der digitalen Medien sein sollten. Starre und ausschweifende Guidelines empfinde ich eher als hemmend. Social Media soll in erster Linie Spaß machen, persönlich, interaktiv, authentisch und nah sein. Das Anbieten von freiwilligen Coachings inkl. Aufführen von Beispielen (gerade aus Negativbeispielen können Sportler bestimmt viel lernen) könnte funktionieren. Vor allem die möglichen Gefahren und Konsequenzen von Kommunikations-Faupaxs (Imageschäden nicht nur für Athlet, evtl. sogar Verlust von Sponsoren / Partnern) sollten klar kommuniziert und besprochen werden. Aber sind wir mal ehrlich: Wir wollen doch auch Sportler, die Typen sind und innerhalb eines gewissen Rahmens edgy sind und polarisieren (so lange sie durch ihr kommunikatives Verhalten nicht Mitspieler, Klub, Sponsoren etc. in ein negatives Licht rücken)…

    • Hi Benjamin,

      es ist vor allem zu berücksichtigen, wem gegenüber man mit seinen Aussagen Verantwortung trägt und Rechenschaft ablegen muss, wie Georg schon angedeutet hat.

      Vereinssportler haben gerade in puncto Authentizität und “Type sein” die “Einschränkung”, dass sie auch immer für ihren Verein und ihr Team sprechen – indirekt zumindest. Einzelsportler haben da schon mehr Freiheiten, wie man zum Beispiel auch an der hohen Dichte an twitternden Tennisspielern oder auch Golfern sieht. Sie müssen sich nur vor sich selbst verantworten … da kann man schon eher man selbst sein und etwas aus dem Rahmen fallen, wie es etwa eine Serena Williams oder ein Stewart Cink tun.

      Aber auch Teamsportler haben gewisse Freiheiten, wenn sie sie denn zu nutzen wissen. Ich erinnere mich da nur zu gerne an die Späße, die Shaquille O’Neal auf seinem Account mit der Welt geteilt hat. Indem er das Team komplett außen vor ließ und Basketball-fremde Inhalte und Themen anschnitt, musste er sich nur wenig Sorgen um die Folgemeinungen machen, da diese ihn und nicht seinen Klub betreffen konnten (auch wenn man immer wieder festhalten muss, dass man in den Staaten ja sowieso noch eine Ecke lockerer mit dem Thema umgeht, sofern es sich um Profis handelt – die Collegespieler, die sich im Social Web bewegen, sollten in der Tat vor jugendlichen Dummheiten bewahrt werden) ..

  2. Schöner Beitrag.

    Meine Meinung dazu, Sportler brauchen Guidelines, aber man muss dabei unterscheiden. Wichtig ist, dass auch immer die Unternehmens/Vereinsmarke betrachtet wird und wie der Sportler mit dieser zusammenhängt. Denn worauf die Beratung oftmals keinen Einfluss hat, sind die Abmachungen unter dem Verein und dem Spieler.
    Durch Empfehlungen uns Ratschläge kann man den Sportler dann schnell verunsichern und in die Irre führen.

    Ich stimme Daniel voll und ganz zu, dass es im ersten Schritt auf jeden Fall eine Menge Kompetenztraining brauch, damit sie sich sicher im Web bewegen können. Das fängt mit der Einrichtung der Facebook App und Seiten Funktion auf dem iPhone an und endet letztlich mit der kommunikativen Ausspielung im Blog.

    Vielleicht sollte man sich noch die Frage stellen, “Wie viel Fan für den Sportler ist gut?” Viele Fans sind super, aber was tun, wenn es mal nicht so läuft?

    • “Wie viel Fan ist für den Sportler gut?” ist eine wunderbare und sehr passende Frage, die gleich für eine der nächsten “vier am eck”-Runden notiert wird. Schon jetzt Danke dafür!

      Du hast auf jeden Fall recht damit, dass zwischen den Spielern und Vereinen oftmals weitere Absprachen bestehen, an die diese sich (gegenüber den klassischen Medien) zu verhalten haben (siehe die Medienkompetenztrainings für den Umgang mit Journalisten). Aber auf der anderen Seite sehe ich bei vielen Vereinen nach wie vor das Risiko, dass sie zuweilen nicht wissen, dass ihre Spieler in Social Media aktiv sind.

      Mein liebstes Beispiel der jüngeren Vergangenheit: Ryan Babel (@ryanbabel) hat Twitter quasi zur TSG Hoffenheim mitgebracht und seinen (Ex-)Teamkollegen David Alaba (@david_alaba) dazu gebracht damit anzufangen. Davids erster Tweet klang dann auch in etwa wie “my man Ryan hat mir Twitter gezeigt. Mache jetzt auch mit” (ganz loses Zitat). Und ich glaube kaum, dass dieser Schritt mit dem (Presse-/PR-)Management der TSG noch mit dem FC Bayern abgesprochen ist/war … Ein paar erste lose Ratschläge und Tipps sollten da schon gegeben werden/sein, damit man nicht gleich mit dem zweiten Tweet/Update ins Fettnäpfchen tritt.

  3. Danke für den Beitrag. So kann’s weitergehen.

    Meiner Meinung nach ist die Sichtweise das Entscheidende. Guidelines oder Kompetenztraining legen sich die Sportler ja nicht selber auf. Sie werden von Dritten an sie herangetragen, vom Verein (Teamsportler) oder vom Manager (Einzelsportler), wenn diese es für nötig halten. Und diese werden es für nötig erachten, wenn sie ihre Ziele gefährdet sehen.

    Aus Vereinssicht würde ich es meinen Spielern (Angestellten) verbieten, sich einen Twitter-Account zuzulegen, der ja bei Weitem nicht so privat genutzt wird, wie ein Facebookprofil. Alles was über den Twitterkanal des Sportlers verbreitet wird, fällt auf den Verein zurück und was sollte der Verein für ein Interesse daran haben? Die Kommunikation eines Vereins sollte zentral durch die Kommunikationsabteilung des Vereins gesteuert werden. Dort wird die Kommunikationsstrategie festgelegt und umgesetzt. Ein twitternder Sportler ist dabei eine ständige Gefahr und bringt dem Verein keinen Mehrwert, den er nicht selber über seine Social Media Kanäle generieren könnte – dann aber offiziell und aus der Kommunikationsabteilung heraus. Ein gutes Beispiel dafür ist der Twitteraccount @DFB_Team, der die Fans mit Bildern und Infos von “behind the scenes” versorgt. Dafür braucht das Team keinen Spieler, der twittert.

    Der Teamsportler twittert ja nicht für seinen Verein, sondern für seine Fans. Er steigert also seine Reputation und nicht die des Vereins, bei dem er angestellt ist. Ein Twitter-Account, der vom Teamsportler rein privat genutzt wird, ist absurd, da er für den Fan keinen Mehrwert bietet, wenn die Arbeit im Verein außen vorbleibt. Nagut, vielleicht für Frauen interessant zu sehen, wie es bei Lewis Holtby zu Hause aussieht ;-)

    Also, aus Vereinssicht würde ich auf Guidelines verzichten, da ich meine Spieler einfach nicht twittern lassen würde.

    Bei Einzelsportlern sieht die Sache anders aus. Diese sollten von ihrem Management auf jeden Fall sensibilisiert werden.

    • Die Schlüsse, die du aus dem fehlenden Mehrwert eines akteurbezogenen Accounts für den Verein ziehst, sind mehr als interessant und ich kann sie auch nachvollziehen, aber ist es von Vereinsseite überhaupt möglich einem Spieler (im konkreten Fall bleiben wir mal in Deutschland, da ich mich hier noch mit dem Recht ein klein wenig auskenne) sein Recht auf Meinungsäußerung zu beschneiden? Solange er niemanden beleidigt oder gegen geltendes Recht verstösst, kann man ihm nur schwerlich verbieten nicht seine Meinung auszudrücken. Wo würde man da die Linie ziehen?

      Im Vertrag eines Spielers dürfte wie bei jedem anderen Angestellten eine Verschwiegenheitsklausel über sensible Daten und Interna des Vereins/Unternehmens vorzufinden sein. Aber wenn sich der Spieler an diese Vorgaben hält und die “Auflagen” – zum Beispiel auch durch ein Medienkompetenztraining 2.0 – nicht verletzt, welche Handhabe hat der Verein dann noch?

      Oder ein anderes Szenario: Ein Spieler twittert schon lange sehr erfolgreich und wechselt nun zu einem Social-Media-abgeneigten Klub und muss seine treuen Fans daraufhin mit einer “Ich darf nicht mehr twittern”-Meldung verprellen. Wäre es dann für den Verein nicht einfacher sich eingehend mit dem Fall an sich auseinanderzusetzen, als den (digitalen) Ruf seines Angestellten auf die Probe zu stellen und sich (unnötig) in die Kritik der Fans zu begeben?

      In der Premiere League gab es schon ähnliche Fälle, in denen Vereine ihren Spielern den Twitter-Einsatz komplett verbieten wollten, sich dann aber darauf beschränkten mit Guidelines die Tabuthemen vorzugeben, um weitestgehend Ruhe zu haben.

      Im Grunde könnte man Andrés Frage, wie viel Fan gut tut, auch um den Aspekt “wie viel Öffentlichkeit tut gut?” ergänzen und käme zu keinem allgemeingültigen Schluss … Oder wie siehst du das? ;)

      • Du hast wahrscheinlich Recht, dass man es seinen Spielern nicht grundsätzlich verbieten darf zu twittern. Das heißt im Umkehrschluss für den Verein aber, dass er sehr genaue Social Media Guidelines für seine Akteure installieren sollte, damit die eigene Vereinskommunikationsstrategie nicht bombadiert wird.

        Dann bleibt die Frage, wieviel Mehrwert der Twitteraccount des Spielers für die Fans generiert, wenn das Sportliche nur sehr begrenzt Thema ist? Mir persönlich sind natürlich Akteure am liebsten, die kein Blatt vor den Mund nehmen und frei drauf los twittern. Aus Vereinssicht ist dies aber genau das, was man wohl verhindern sollte.

        Wenn ein schon lange erfolgreich twitternder Spieler zu einem Verein wechselt, der die Aktivität seiner Akteuere auf Twitter stark reguliert, dann sollte es eher für den Verein ein Ansporn sein, mehr in seine Social-Media-Aktivitäten zu investieren. Ich glaube, der Spieler würde seine Fans nicht gegen seinen neuen Verein aufbringen, wenn er ihnen mitteilt, dass es jetzt bei ihm ein bisschen weniger um den Sport geht, seinen Fans dafür aber den Twitter-Account des Vereins ans Herz legt, der dann quasi den Part des Spielers übernimmt, aber eben im Sinne des Vereins. Da könnten ja sogar durch Retweets etc Synergien entstehen. Lewis Holtby twittert seinen Kommentar nicht über seinen Account, sondern der offizielle Schalke-Account übernimmt das und verlinkt Holtby darin.

        Zum Thema “wie viel Öffentlichkeit tut gut?”: Grundsätzlich bin ich der Meinung, es sollte ein Maximum an Öffentlichkeit hergestellt werden, da einem so auch eher Fehler verziehen werden. Aber die Öffnung des Vereins ist für die Verantwortlichen natürlich ein Tanz auf der Rasierklinge. Es muss dabei klar definiert sein, über welche Kanäle die Öffentlichkeit hergestellt wird und wer dafür verantwortlich ist.

  4. Natürlich geschieht jede Form der öffentlichen Kommunikation durch Sportler immer im Context der entsprechenden Vereine, Teams, Verbände, Sponsoren usw. – dies war jedoch auch schon vor Facebook, Twitter sowie anderer digitaler Möglichkeiten so. Immer wieder sorgen sowohl Einzel- als auch Teamsporter durch Aussagen/Publikationen in den Medien für Kontroversen (z.B. Lahms Systemkritik im SZ-Interview, Rosberg im TV zur Frauen-WM usw.). Deshalb hilft es meiner Meinung nach nicht, Sportlern den Umgang mit bestimmten Tools wie Twitter zu verbieten (aktuell z.B. All Blacks Rugby WM-Team). Unglückliche Aussagen können auch über die eigene Website oder durch Interviews in klassischen Medien verbreitet werden und selbigen Schaden anrichten wie “unglückliche” Blog-Posts, Tweets, Facebook-Posts usw.

    Da die Kommunikation via Facebook, Twitter & Co relativ neu ist, fehlt es nicht nur den Sportlern oftmals an der entsprechenden Medienkompetenz (siehe Debatte um Ankündigung einer Merkelreise von Steffen Seibert via @RegSprecher; Apropos faux paus: Auch Herr Seibert hatte – obwohl offizieller Kommunikator der Kanzlerin – in einem Tweet die Herren Obama und Osama bin Laden verwechselt und diesen Fehler dann versucht zu vertuschen). Fehler passieren – wichtig ist, wie damit umgegangen wird. Hier steht der Sportwelt meiner Meinung nach ein Lernprozess bevor, auf den ich mich auch freue. Bei den meisten Bundesligavereinen gibt es für die Spieler regelmäßig Interviewschulungen, wieso also nicht auch Sensibilisierung (und evtl. bestimmte Regeln) für die digitalen Medien? Nutzungsverbote führen meist nur zur Frustration und haben gegenteilige Effekte.

    In punkto Mehrwert geht es bei den digitalen Aktivitäten für mich in erster Linie um “Personal Branding” der Sportler sowie den Austausch mit Fans (der Star wird “anfassbarer” und erlebbarer). Hieraus entsteht vie Potential für Sponsoren (Reichweite, Emotional Branding). Obwohl ich selbst weniger Fan dieser Sportart bin, finde ich zum Beispiel die kommunikativen Aktivitäten der Ultimate Fighting Championship (UFC) und eines Dana Whites doch sehr bemerkenswert. Hier werden die Sportler dazu aufgerufen zu twittern, ihnen werden dafür sogar Incentives geboten, um gemeinsam den Sport populärer und transparenter zu machen. Sportler sollten sich digital selbst zur Marke machen, aber dabei auch immer die Interessen der anderen Stakeholder (sorry, ein passenderes Wort fällt mir gerade nicht ein) berücksichtigen.

    Einen schönen Abend Euch noch und ich freue mich auf weiteren Austausch!

    • Nachdem Jens bereits den Mehrwert ansprach, bringst du dankenswerterweise den zweiten wichtigen Aspekt ein: den Kontext, in dem sich die Akteure bewegen. Und da bin ich absolut bei dir, wenn du sagst, dass es hier ein Training für das Bewusstsein der Athleten geben muss, auf dass sie erkennen, in welchem Kontext sie sich gerade bewegen.

      Sprechen sie für sich allein? Als Botschafter für den Verein oder ein bestimmtes Projekt? Welche Tragweite haben die eigenen Statements, wenn sie erst einmal ausgesprochen sind? Und – ganz wichtig und sehr richtig von dir erkannt – wie gehe ich mit Fehlern um?

      Ich habe in meinen Ausführungen ganz bewusst bereits auf Rio Ferdinand und Christoph Metzelder verwiesen, die sich mit ihrem Auftreten gegenüber den Medien ein hervorragendes Personal Branding verschaffen haben.

      Ferdinand ist als medialer da Vinci seiner Zeit (meine Güte, was der Junge alles anstellt!) mittlerweile so weit zu sagen, dass er fast lieber mit den Fans direkt über Social Media kommuniziert, statt über Journalisten, die seine Aussagen aus dem Kontext reißen können (siehe Rosberg und sein Frauen-WM-Zitat, das auch in einem anderen Zusammenhang stand als das, was später als Sau durchs Mediendorf getrieben wurde). Und Metzelder ist in Sachen Rhetorik und Denke soweit vom klassischen Fußballer weg, dass es ihm auf Schalke tatsächlich Kritik einbrachte (von Vereins- wie Fanseite!), wenn er nicht ausschließlich über Fußball sprach, weshalb er seine Interviews, die den Kontext Fußball, Verein und Spiel nur touchieren, merklich heruntergeschraubt hat.

      Hier fand eine Positionierung statt, die eigentlich perfekt ist, aber wiederum nicht mit den Erwartungen der Massen übereinstimmt. Ich finde es in der Beziehung immer wieder irritierend, wie viel lieber wir Lukas Podolski oder auch damals Boris Becker in die Mikros stammeln hören, statt einem Metzelder, Dirk Nowitzki oder Martin Kaymer zuzuhören, die sich auszudrücken verstehen und auch noch etwas zu sagen haben …

  5. Ich stimme in weiten Teilen dem hier bereits Gesagten zu. Kompetenztraining und Medienschulung (sowohl klassische als auch digitale Medien) sind auch meines Erachtens der bessere Weg als starre Guidelines oder Verbote. Jeder Verein kann sich doch glücklich schätzen emanzipierte Angestellte zu haben, die etwas zu sagen haben.

    Es gibt jedoch Szenarien, die hier leider noch nicht konkret angesprochen wurden und die findet man vor allem, wenn man sich in die Niederungen des Profisports begibt. Bei Spitzensportlern sind bereits die meisten Punkte ausführlich diskutiert worden, doch stellt sich mir die Frage wie es abseits der Topstars und Spitzenvereine aussieht?

    Nehmen wir als Beispiel die 3. Liga im Profifussball!
    Kaum einer der 20 Clubs kann sich – auch auf Grund massiver finanzieller Zwänge – eine entsprechend kompetente Kommunikationsabteilung leisten, die die Spieler entsprechend schulen und betreuen könnte. Die meisten Teams sind ja schon froh über die Lizenzierung und das Zusammenstellen eines Etats, der eine wettbewerbsfähige Mannschaft erlaubt. Die Professionalität der Geschäftstelle kommt hier oftmals zu kurz bzw. sind die wenigen Profis mit ihren Aufgaben bereits vollends ausgelastet.

    Die Krux ist jedoch, dass gerade in diesen Regionen des Profitums unbedachte oder missverstandene öffentliche Kommunikation (egal ob es ein Tweet, ein Facebook-Eintrag oder ganz “Old School” ein Beitrag im Fanforum ist) in erheblichem Maße negative Folgen auf den Verein und dessen Außendarstellung haben. Welche Folgen dies für die Wirtschaftlichkeit eines eh schon klammen Vereins haben kann, muss ich nicht extra erwähnen.

    Aus diesem Grund sind die Gefahren für einen Drittligaverein ungleich höher, als bei einem Bundesligaverein. Als Anhänger eines Drittligavereins, der alle Facetten mangelnder und unglücklicher Kommunikation von Spielern und Vereinsseite aus über die Jahre mitbekommen hat, kann ich davon ein Liedchen singen.

    Deswegen halte ich in diesen bestimmten Fällen gewisse Regularien und Spielregeln für sinnvoll und wichtig.

  6. Pingback: die vier am eck – gedanken zu social media und sport #2 « der sportmanager

  7. Ich glaube auch nicht, dass Guidelines der richtige Weg ist für Sportler. Der Vorschlag das in das klassische Medientraining einzuordnen halte ich dagegen für smart. Darüber hinaus ein Angebot aus Beratung und Coachings für jeden, der sich intensiver damit beschäftigen möchte und gut ist. Das Management des Sportlers sollte natürlich auch immer ein Auge darauf haben..

    Was diese Beziehung zwischen Sportler und Team angeht, ist das wohl schwierig vergleichbar mit einem “normalen” Angestellten und Unternehmen, da Sportler in der Regel wesentlich emanzipierter sind und eine eigene Brand herausgebildet haben, welche ein (normaler) Angestellter so fast nie mitbringt (selbst wenn er aktiv daran arbeitet). Dadurch federt die Brand eines Sportlers dann auch immer ein Stück eines möglichen Shitstorms ab und zieht das Team nicht ganz so schlimm in den Dreck, wie es bei Unternehmen/Angestellten laufen würde. Vor allem da die Öffentlichkeit an Sportlerskandale eher gewöhnt ist und sie auch ein wenig zu dieser Unterhaltungskultur gehört, die der Sport mit sich bringt. Dazu ist es eine andere Art der Entrüstung, da sie den Sportfan an sich doch selten direkt trifft. Da ist es etwas anderes, wenn auf YouTube ein Video landet, wo ein Dominos-Mitarbeiter die Beilagen ableckt, bevor er sie auf die Pizza legt.

  8. Pingback: die vier am eck – gedanken zu social media und sport #7 « der sportmanager

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